Wenn nur nicht die Preise steigen

Lässt sich ein neuer Gasspeicher mit den Zielen der Klimapolitik vereinbaren? Kritiker sagen: Nein. Der Langenthaler Gemeinderat ist anderer Meinung.

Der geplante Ersatz der Erdgaskugel gibt auch auf politischer Ebene zu reden.

Der geplante Ersatz der Erdgaskugel gibt auch auf politischer Ebene zu reden.

(Bild: Thomas Peter)

Kathrin Holzer

Ein neuer Erdgasröhrenspeicher im Allmen soll die Gaskugel im Hard ablösen. Fünf Millionen Franken will die IB Langenthal AG (IBL) in das Vorhaben investieren. Vorausgesetzt, die Anlage rechnet sich auch betriebswirtschaftlich. Genau das stellen Pascal Dietrich und Urs Zurlinden – Letzterer als Anwohner ist auch Einsprecher gegen die geplante Anlage – allerdings infrage. Erdgas als nicht erneuerbarer Energieträger sei «ein Auslaufmodell», halten die FDP- Stadträte in einer Interpellation fest. Wobei die geplante Anlage nicht einmal notwendig sei für die Sicherstellung der Versorgungssicherheit.

Das bestätigte vor einem Jahr auch die stadteigene Energiedienstleisterin.«Aus technischer Sicht könnte dieKugelproblemlos noch 20 bis 25 Jahre weiterbetrieben werden», sagte Stefan Schaad, Leiter Vertrieb bei der IBL, anlässlich einer Medienorientierung. Allerdings nehme der Druck seitens der Regulatoren zu, und die Gewerbekunden seien sensibel. Die IBL wolle daher nicht riskieren, den Kugelspeicher plötzlich ausser Betrieb nehmen und die Preise anheben zu müssen.

Für die Interpellanten ist dieses Argument allerdings nicht relevant. Vielmehr verweisen sie auf die Ziele des kommunalen Richtplans, nach denen der Anteil erneuerbarer Energie bei der Raumwärme bis 2035 von heute nur 3 auf immerhin 25 Prozent gesteigert werden soll. «Der geplante Erdgasspeicher widerspricht diesem politisch erwünschten und sachlich notwendigen Trend», stimmen sie in den Kanon jener Kritiker ein, die von der Stadt eine klare Abkehr vom fossilen Brennstoff fordern.

Wie der Gemeinderat das Projekt vor dem Hintergrund der neuen Energiestrategie der Stadt beurteile, wollen sie wissen. Und ob er bereit sei, die IBL aufzufordern, auf die Anlage zu verzichten. Doch dazu sieht die Exekutive keinen Anlass. Die IBL verfüge über alle zur Erfüllung ihrer Aufgabe notwendigen Befugnisse, «insbesondere zur Gewährleistung einer hohen Versorgungsqualität und -sicherheit», hält der Gemeinderat in den Unterlagen zur nächsten Stadtratssitzung fest.

«Ohne Speicher müsste Erdgas teurer bezogen werden.»Aus der Stellungnahme des Gemeinderats

Zwar erforderten die Ziele des Energierichtplans zwangsläufig eine Reduktion des Gasbedarfs, zur Sicherstellung der Wärmeversorgung werde das Gas aber weiterhin eine wichtige Rolle spielen in Langenthal. Der Gemeinderat verweist dabei insbesondere auf dessen Funktion als künftig zweiten Energieträger zur Spitzenabdeckung. Und auch er bringt das Kostenargument ins Spiel: Der geplante Röhrenspeicher gewährleiste der IBL eine grössere Flexibilität im Erdgasgeschäft.«Ohne Speicher müsste Erdgas teurer bezogen werden.»

Einen Widerspruch zur eigenen Energiestrategie sieht der Gemeinderat darin offenbar nicht. Zwar verweist er bei der Gelegenheit einmal mehr auf die Möglichkeit der Einflussnahme auf die Geschäfte der IBL durch eine Eignerstrategie. Deren Prüfung sei bisher allerdings noch nicht in die Wege geleitet worden.

Langenthaler Tagblatt

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