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Wenn die Partei anruft

Beim dies­jährigen Grossratswahlkampf setzt die SP auf ein eher un­gewohntes Hilfsmittel bei der Mobilisierung ihrer Wähler: das Telefon.

Die Sozialdemokraten versuchen, die Leute telefonisch zum Wählen zu bewegen.
Die Sozialdemokraten versuchen, die Leute telefonisch zum Wählen zu bewegen.
Andreas Marbot

«Grüessech, hier ist XY von der SP Oberaargau.» Dieser Spruch ging an den letzten zwei Wochenenden den etwa dreissig SP-Mitgliedern, die Parteisympathisanten anriefen, um sie an die kommenden Grossratswahlen zu erinnern, einige Male über die Lippen. Konkreter: Insgesamt rund siebenhundertmal. So viele Namen waren auf der Liste der Unterstützer verzeichnet gewesen, die der Telefonkampagne der Partei zugrunde lag.

Statt inserieren

Ausgerüstet mit Handy, Gesprächsleitfaden und einem eigens für solche Kampagnen errichteten Tool auf den Laptops, arbeiteten sich die Genossen im lockeren Schichtbetrieb durch die Listen. Da die meisten der Angerufenen ohnehin mit der Partei sympathisieren, gebe es kaum harte Auseinandersetzungen, sagt Roland Loser, Co-Präsident der SP Langenthal.

Die Befürchtung, potenzielle Wähler durch die Telefonaktion abzuschrecken, habe sich als unbegründet er­wiesen. Im Gegenteil: Die Aktion komme gut an, es ergäben sich ­immer wieder gute Gespräche, so Loser. Insbesondere ältere Leute seien froh, dass überhaupt wieder mal jemand anrufe. Der direkte Kontakt mit den Wählern kann also durchaus telefonisch erfolgen.

Neben dieser Hauptkampagne kommen auch klassische Wahlkampfmittel zum Zug, wie Loser erklärt: Flyer für Passanten, Gipfeli für Pendler, Poster an den Wegrändern. Erstaunlicherweise werden soziale Medien nicht aktiv von der Partei als Instrumente zur Mobilisierung eingebunden – es wird den einzelnen Mitgliedern überlassen, die digitalen ­Kanäle im Sinne der Kandidatur und der Partei einzusetzen. Weniger eingesetzt werden Inserate: Loser ist von ihrer Wirkung nicht überzeugt, zudem seien sich die Wähler irgendwann mal all der Köpfe überdrüssig, die momentan überall zu sehen seien.

Die SP hatte die Telefonkampagne erstmals bei den Nationalratswahlen von 2015 durchgeführt. Nun wird im Oberaargau zum ersten Mal für die Grossratswahlen zum Hörer gegriffen, nachdem erste Erfahrungen bei der Stapi-Wahl gemacht wurden. Das Ziel sei natürlich, die Leute zum Wählen zu mobilisieren, für die Anwerbung von neuen Wählern eigne sich die Telefonkampagne in dieser Form nicht, so Loser. Die Genossen hoffen, so ein bis zwei Wählerprozent mehr zu erreichen.

Das Ziel könnte realistisch gesteckt sein: Laut Adrian Wüthrich, Präsident der SP ­Oberaargau und Grossrat, konnte die Aargauer Partei an den letzten Grossratswahlen dank einer Telefonkampagne um vier Prozent zulegen.

Günstiges Mittel

Die Telefonkampagne hat einen weiteren Vorteil: Sie belastet das Budget kaum. Da die SP Schweiz das Tool zur Verfügung stellt und Freiwillige die Arbeit umsonst leisten, fallen keine Ausgaben für die Wahlkreise an. Die Sektion Oberaargau hat sich zwar finanziell beteiligt an der Bezahlung des Kampagnenleiters, dieser ist jedoch für mehrere Wahlkreise zuständig, sodass sich die Kosten in Grenzen halten. Die Juso ist ebenfalls an der Aktion beteiligt, profitiert also auch von der bereitgestellten Infrastruktur.

Insgesamt 20'000 Personen will die Partei im ganzen Kanton erreichen, auf dem Tool wird in Echtzeit angegeben, wie viele Telefonate bereits erfolgt sind. Durch das Hinzufügen und Aktualisieren von Informationen entsteht eine Datenbank, die sich auch bei künftigen Wahlgängen als nützlich erweisen wird.

Die Stimmung ist bei den Genossen momentan nicht schlecht: Die Mitgliederzahlen steigen an, und zuletzt gab es bei kommunalen Wahlen gute Ergebnisse, weshalb die kantonale Parteispitze als Ziel einen Zuwachs von zwei bis vier Sitzen im Kantonsparlament anstrebt. Derzeit hat die SP 33 der 160 Sitze im Grossen Rat, davon sind 3 aus dem Oberaargau. Diese zu behalten, sei das primäre Ziel, so Loser. Ob sich dank der Telefonkampagne ein zusätzlicher Sitz ergibt, wird sich zeigen.

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