Wenn die letzte Wanne rollt

Inkwil

Prächtiges Wetter lockte viele Besucher ans Jubiläums-Badewannenrennen des TV Inkwil. Es war die letzte Ausgabe des ulkigen Anlasses. Für die Zukunft überlegt sich der Turnverein etwas Neues.

Dem Inkwilersee entstiegen? Ein grünes Monster rollt am Samstag während des zehnten und letzten Badewannenrennens über Inkwils Strasse. Der Turnverein hat für die Zukunft andere Pläne.

Dem Inkwilersee entstiegen? Ein grünes Monster rollt am Samstag während des zehnten und letzten Badewannenrennens über Inkwils Strasse. Der Turnverein hat für die Zukunft andere Pläne.

(Bild: Marcel Bieri)

Julian Perrenoud@bernerzeitung

Was, sind denn da schon so viele Jahre vergangen? Auf dem Flyer steht es schwarz auf weiss: Zehntes Badewannenrennen. Unglaublich, waren doch viele Helfer, Besucher und auch der Autor dieses Artikels bereits bei der allerersten Durchführung mit dabei. Dieses Jahr ist es nicht nur die Jubiläumsausgabe, sondern auch die allerletzte.

Danach ist Schluss, wie Andreas Aeberhard, Präsident des TV Inkwils, bekräftigt. Er bespricht sich ein letztes Mal mit der Jury, sie bewertet die beiden Läufe der 17 angemeldeten Badewannen. Eine hohe Zahl, zum Lebewohlsagen sind sie am Samstag alle nochmals gekommen. Piraten, Ritter, Polizisten und Räuber, Höhlenbewohner, Zwerge und Beachboys.

Nicht immer mit Wetterglück

Besser könnten die äusseren Bedingungen nicht sein, die Sonne brennt vom Himmel, Wasser und Bier fliessen in Strömen. Die Festwirtschaft des TV Inkwil gerät beinahe in Verzug, muss mehrfach nachbestellen. Ein schöner Batzen in die Vereinskasse. Das Badewannenrennen ist stark wetterabhängig, und Glück hatte es nicht immer.

Nach dem Startschwung ging in den Folgejahren die Teilnehmerzahl zurück. Selbst Anwohner hatten Aeberhard gefragt, ob es nicht besser sei, keine Wannen mehr rollen zu lassen. «Doch wir haben es durchgezogen. Dem Dorf tat es gut», sagt er. Die letztjährigen und diesjährigen Zahlen geben dem Vereinspräsidenten recht. Der gesamte Aufwand habe sich nur schon dafür gelohnt, die Kreativität der Teilnehmenden zu würdigen.

Monster, Piraten, Bauklötze

Der Startschuss ertönt, die erste Wanne rollt an. Oder besser, sie schleicht. Der TV Wangen verabschiedet die Turnerkonkurrenz mit einem Krematorium samt Sarg. Mönche oder eher Totengräber geleiten stumm ihre Wanne zur letzten Ruhe. Die Luft ist geschwängert von Weihrauch.

«Der Tod kommt schleichend – wie auch der TV Wangen an Wettkämpfen so üblich», stichelt der Inkwiler Moderator. Weitaus schneller saust ein grünes Monster, wohl dem Inkwilersee entstiegen, die Strasse herunter. Dann ein Piratenschiff, eine volle Wanne mit Strand, Palme und Grill, ein echtes Salatmobil, ein fahrbares Telefon...

Bereits letztes Jahr stand die Familie mit der Ritterburg ganz oben auf dem Podest. Diesmal watscheln sie als lebende Bauklötze über den Asphalt. Lego-Steine. Ihr eckiges Lieferservicemobil, die lachend-starren Gelbgesichter und die Güezi auf dem Lego-Tablett verzücken Publikum, Jury und Konkurrenz – erneut Platz eins. Das Lego-Mobil hat auch TV-Präsident Aeberhard überzeugt. Eigentlich hätten über die Jahre immer dieselben Teilnehmer auf dem Podest gestanden, verrät er.

TV feiert auch sich selbst

Mit der Chilbi bei der Mehrzweckhalle feiert der Turnverein anschliessend weiter und auch ein wenig sich selbst. Nicht etwa fehlende Motivation hat zum Ende des Badewannenrennens geführt, sondern eine 10-Jahres-Frist, die sich der Verein auferlegt hat. Nächstes Jahr soll in derselben Jahreszeit etwas Neues her.

«Wir haben bereits viele Ideen», sagt Aeberhard. Nur den Zeitpunkt würde er allzu gerne ändern. Denn in den letzten zehn Jahren war an jenem Wochenende jeweils nicht nur das Inkwiler Badewannenrennen, sondern auch sein Hochzeitstag.

Berner Zeitung

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