Wenn aus Putzschwämmen und WC-Enten Kunst wird

Wangenried

Für die Ausstellung im Kunsthof zeigte Kurt Baumann einen Querschnitt aus seinem 25-jährigen Schaffen. Ein wichtiges Gestaltungselement des Aarwanger Künstlers ist der Plastiktragegriff. Aber nicht nur.

Er stellt im Kunsthof aus: Der Aarwanger Künstler Kurt Baumann.

Er stellt im Kunsthof aus: Der Aarwanger Künstler Kurt Baumann.

(Bild: Thomas Peter)

Brigitte Meier

«Hausgeister», entstanden aus jahrhundertealten Eichenbalken, bearbeitet mit Beil und Säge, heissen die Vernissagebesucher des Kunsthofes Wangenried willkommen. Windobjekte aus Aluminium tanzen in der Sommerbrise, während Stelen, gesägt aus Lärchenholz, gut geerdet wirken.

Auf einem Wasserbecken schwimmen zwei gelötete und aufgeblasene Kupferkissen. «Mal schauen – schauen wir mal» heisst die Wandinstallation aus Plastiktragegriffen gegenüber – sind es Augen für die einen, sehen andere darin einen Fischschwarm. Unverkennbar gestaltet von Kurt Baumann.

Strandgut Plastiktragegriff

Plastiktragegriffe sind für ihn wie Bausteine, die er zu neuen Formen zusammenbaut, ähnlich wie Legosteine. Angeschwemmt am Strand entdeckte er die ersten Plastiktragegriffe. Oder vielleicht haben sie ihn gefunden?

Der grüne Tragegriff wird als «Urknoten» aus dem Jahr 1999 ausgestellt. «Spannend an dieser Ausstellung ist, dass einmal die ganze Palette der unterschiedlichen Themen meines Schaffens präsentiert wird», sagt Baumann. Schwerpunkte sind Skulpturen, Installationen und Plastiken.

Initialzündung für sein Kunstschaffen nach dem Studium an der Schule für Gestaltung in Zürich war die Anstellung als Werklehrer 1991 in Langenthal. Bereits ein Jahr später stellte er an der Jahresausstellung im Langenthaler Kunsthaus aus. Diese Skulptur, geschnitzt aus Lindenholz, ist auch in Wangenried zu sehen.

Dreidimensionale Objekte

Angesprochen auf seine Inspirationsquellen, nennt Baumann Reisen in andere Länder, die improvisierenden Elemente der Jazzmusik, aber vor allem die verschiedenen Materialien und Formen. «Ich sehe Alltagsgegenstände mit anderen Augen; spiele, experimentiere und gebe den Objekten eine neue Bedeutung», erklärt der 60-Jährige.

So entsteht aus zersägten Putzschwämmen eine dreiteilige Komposition. Die Werke betitelt er mit einem eigenen Alphabet, sei es «Havannisch» für Digitalfotoprints aus Kuba oder «Zahbüsisch» für ein Unikat aus Zahnbürsten. Scheinbar existiert kein Material, das den Künstler nicht inspiriert. Sogar WC-Enten werden ästhetisch in Szene ­gesetzt.

Abschluss und Neubeginn

Unverkäuflich ist das gemeinsame Werk von Kurt Baumann und Magdalena Grossmann «A Nagu ghänkt». Es versinnbildlicht die gegenseitige frühzeitige Pension des Ehepaars, den Abschied vom Berufsleben und gleichzeitig den Anfang eines neuen Lebensabschnittes.

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