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Von der grünen Wiese zum «Park»

Für das Bauland am Friloweg in Huttwil liegt eine neue Überbauungsordnung vor. Nun werden wieder Mehr­familienhäuser geplant – mit 70 bis 90 neuen Wohnungen.

Hier soll endlich gebaut werden, vorher wird aber der Damm links abgetragen. Er ist nicht mehr notwendig, seit das Haus an seinem Ende abgebrannt ist.
Hier soll endlich gebaut werden, vorher wird aber der Damm links abgetragen. Er ist nicht mehr notwendig, seit das Haus an seinem Ende abgebrannt ist.
Marcel Bieri

Dass er mit der Überbauungsordnung am Friloweg dafür sorgt, dass der Wohnungsmarkt in Huttwil überbordet, kann man Kurt Loosli wahrlich nicht vorwerfen. Seit Generationen «hüte» seine Familie nun das Land, erklärt der ehemalige Inhaber und Betreiber der Strickwarenfabrik Frilo. Während dort inzwischen Tochter und Schwiegersohn die Verantwortung tragen, ist er selbst seit Jahren daran, aus der grünen Wiese neben der Fabrik etwas zu machen.

Es ist ein besonderes Stück Land, das am Friloweg einer neuen Bestimmung harrt. Ursprünglich gehörte es zur Hub, die sich unterhalb von Huttwil übers ­ganze Tal ausbreitete. Dann wurde im 19. Jahrhundert zuerst die Strasse Richtung Rohrbach neu angelegt und dann die Bahn gebaut. Sie trennten die beiden Teile links und rechts der neuen Verkehrsachsen. Die ursprüngliche Verbindung talabwärts trägt immer noch den Namen Alte Rohrbachstrasse.

Kies für den Bahndamm

Vor allem für den Bau der Lan­genthal-Huttwil-Bahn musste 1889 quer übers Tal und die Lan­gete ein mächtiger Damm aufgeschüttet werden. Der Kies dafür wurde auf dem Land gewonnen, das nun überbaut werden soll. Lediglich ein Haus blieb stehen, das Hubhaus am Rand des Abhangs zur Langeten. Für die Zufahrt wurde ein Damm stehen lassen, der auch erhalten blieb, als das Haus in den 1980er-Jahren abbrannte.

Auf dem abgeräumten Areal baute Jakob Leuenberger-Ryser Ende des 19. Jahrhunderts eine Strickerei. Sein Name tauchte kürzlich wieder im Bewusstsein der Huttwiler auf, weil er nicht nur Unternehmer war, sondern auch der zweite Nationalrat, den das Zentrum des oberen Lan­getentals stellte, und damit Vor­gänger von Adrian Wüthrich (wir berichteten).

Mit Maschinen stricken

Die Fabrik wurde 1949 von Fritz Loosli übernommen, dem Vater von Kurt Loosli. Dieser hatte 1927 im Elternhaus in Wyssachen ­damit begonnen, mit Maschinen zu stricken. Weil er Erfolg hatte, verlegte er den Betrieb bereits 1935 nach Eigen in Eriswil und schliesslich nach Huttwil. Er erschloss das Quartier neu mit einer Brücke über die Langete und machte es damit unabhängig vom Bahnübergang in die Langenthalstrasse. Dieser wurde kürzlich seinerseits durch eine Fussgängerunterführung ersetzt.

Erste Mehrfamilienhäuser baute Kurt Loosli in den 1980er-Jahren am Friloweg. Auf der andern Strassenseite jedoch konnte bisher keine Planung umgesetzt werden. Dabei ist die Grundidee schon mehr als zehn Jahre alt: Der nicht mehr benötigte Damm am Kretenrand soll abgetragen und damit die Fläche daneben ausgeglichen werden. Das Prinzip wurde im Jahr 2005 zusammen mit einer Überbauungsordnung mit Einfamilienhäusern vorgestellt.

Doch auch dafür fuhren am Friloweg keine Baumaschinen auf. Die nun aufliegende Überbauungsordnung geht wieder von einer dreigeschossigen Wohn- und Dienstleistungszone mit Attikageschossen aus. Geplant sind eine unterirdische Einstellhalle mit Einfahrt kurz nach der Brücke und darüber eine verkehrsfreie Siedlung mit dem Namen Frilopark. Lediglich um diese herum soll weiterhin eine Strasse zu den Liegenschaften beim ehemaligen Bahnübergang führen.

Die neue Bebauung besteht aus sechs «Punktbauten» mit je 12 bis 15 Wohnungen. Geeignet seien diese für Stockwerkeigentum wie auch für eine Vermietung, heisst es im Erläuterungsbericht zur Überbauungsordnung. Die Flachdächer sollen extensiv begrünt werden.

Es wird nicht einfacher

Geplant und entwickelt wird die Überbauungsordnung von den KPA Architekten in Bern. Diese wollen erst nach Ablauf der Auflagefrist im August über ihre Pläne informieren. Fest steht jedoch, dass die Vermarktung weiterer 70 bis 90 Wohnungen in Huttwil wohl nicht gerade einfach werden wird. Der Leerwohnungsbestand in der Gemeinde ist bereits sehr hoch, und laufend werden weitere Grossüberbauungen publiziert.

Als die Gemeinde kürzlich über das Projekt eines neuen Kindergartens und eine Erweiterung des Schulraums im Städtli informierte, verdeutlichte Gemeindeprä­sident Walter Rohrbach (BDP), wohin dieser Baumboom führt: Ziehen in alle Wohnungen Bewohner ein, wächst die Bevölkerung von Huttwil um rund ein Drittel auf zwischen 6500 und 7000 Einwohner.

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