Verhärtete Fronten

Eine Frau beschuldigt ihren Mann, sie misshandelt zu haben. Der Gatte streitet dies vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau ab. Das Urteil wird am Donnerstag eröffnet.

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau wird am Donnerstag das Urteil eröffnen.

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau wird am Donnerstag das Urteil eröffnen.

(Bild: Thomas Peter (Archiv))

Johannes Hofstetter

Die beiden sind seit ihrer Teenagerzeit in Mazedonien verheiratet. Doch was an Liebe, Achtung und Ehre zu Beginn der arrangierten Ehe vorhanden gewesen sein mag, ist längst verflogen: Die Frau beschuldigt ihren Noch-Ehemann, sie über Monate hinweg beschimpft, geschlagen, gewürgt und einmal sogar mit dem Tod bedroht zu haben.

Weiter habe er sie trotz eines Kontaktverbotes an ihrem Zufluchtsort, einer Auffangstation für Mütter und Kinder im oberen Emmental, aufgesucht und verbal angegriffen, behauptete sie gegenüber der Staatsanwaltschaft.

Die Anklagebehörde verknurrte den 38-jährigen Osteuropäer wegen mehrfacher Tätlichkeiten, Beschimpfung, Drohung und wiederholten Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung und Verstössen gegen das Strassenverkehrsgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 2250 Franken und Bussen von insgesamt 1600 Franken.

Dagegen erhob der Mann Einspruch. Deshalb muss sich nun Einzelrichterin Muriel Mallepell vom Regionalgericht Emmental-Oberaargau mit dem Fall be­fassen.

Nur Streitereien?

Der Angeklagte stritt während seiner mehrstündigen Befragung sämtliche Vorwürfe wortreich ab. Zu Streitereien sei es zwar gekommen, räumte er ein. Von einer Todesdrohung könne jedoch nicht die Rede sein.

Er sei mit der Frau und den Kindern am angeblichen Tattag in seinem neunplätzigen Auto beim Bahnhof in Sumiswald gesessen, erzählte der Sozialhilfebezüger. Die Frau habe aus dem Fenster zu ihrem Liebhaber geblickt.

Er, der Beschuldigte, habe ihr daraufhin gesagt, sie solle sich lieber mit den Kindern beschäftigen, statt «diesen Typen» anzustarren. Daraufhin sei die Gemahlin wütend geworden und habe ihm vom Rücksitz aus den Hals zerkratzt.

Adresse verraten

So schlimm, wie die Frau behaupte, könne er sich im Übrigen gar nicht verhalten haben, führte er aus. Andernfalls hätte sie ihm nach ihrem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung kaum die Adresse ihres neuen Aufenthaltsortes verraten, obwohl ihr die Hilfsorganisation, zu der sie geflüchtet war, davon dringend abgeraten habe.

Gegen ein Kontaktverbot habe er nicht verstossen, fügte er an. Von der Leitung des Mutter-und-Kind-Heims sei ihm ausdrücklich erlaubt worden, sich an seinen Besuchstagen in der Gegend aufzuhalten, damit er die Besuchszeit mit den Kleinen optimal nutzen könne.

Keine Schlichtung

Die Fronten zwischen den Noch-Eheleuten sind dermassen verhärtet, dass an ein Aufweichen nicht mehr zu denken ist. Das musste auch Muriel Mallepell erkennen: Sie versuchte zu Beginn des Prozesses, den Fall in letzter Minute mit einer nicht öffent­lichen Schlichtungsverhandlung zu lösen.

Ihre Bemühungen waren vergebens. Die Pflichtverteidigerin des Angeklagten signalisierte naturgemäss Bereitschaft zu einer aussergerichtlichen Beilegung des Verfahrens, aber die Privatklägerin und deren Anwalt hatten daran kein Interesse.

Einige Taten sind verjährt

Einige der angeblichen Straftaten sind inzwischen verjährt. Wie die Richterin die anderen Anklagepunkte wertet, wird sich am Donnerstagnachmittag zeigen, wenn sie das Urteil eröffnet. Anschliessend kann der Vater sich wieder um seine Jungmannschaft kümmern: Zwei der vier Kinder verbringen ihre Sommerferien bei ihm.

Berner Zeitung

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