Vergessenes Quartier strebt nach einer Stimme

Langenthal

Das Porziareal in Langental ist Schmelztiegel unterschiedlichster Nutzungen und hat auch in dieser Form Existenzberechtigung: Kleingewerbler haben sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen.

Abreissen und überbauen? Die Frage steht seit vielen Jahren im Raum. Zumindest ein Teil des 2,8 Hektaren grossen Porziareals steht unter Schutz: Die Ofenhalle vorne links.

Abreissen und überbauen? Die Frage steht seit vielen Jahren im Raum. Zumindest ein Teil des 2,8 Hektaren grossen Porziareals steht unter Schutz: Die Ofenhalle vorne links.

(Bild: Thomas Peter)

Chantal Desbiolles

Die Spatzen pfeifen es seit Monaten von den Dächern: Das Porzi-Areal, in den Händen einer spanischen Gesellschaft, soll verkauft werden. Damit könnte auch die Unsicherheit darüber, was mit der industriehistorisch bedeutsamsten Stätte Langenthals geschieht, ein Ende haben. Solange aber nicht klar ist, was damit geschehen soll, ist die Verunsicherung nicht kleiner als zuvor.

Denn wo einst die Porzellankultur Blütezeit und Niedergang erlebte, blühen heute andere Nutzungen. Auf rund 2,8 Hektaren sind in unzähligen Nischen Werkstätten, Ateliers, Tanz- und Proberäume entstanden. An der Bleienbachstrasse verdienen viele Klein- und Kleinstgewerbler ihr Brot – wie viele es genau sind, können noch nicht einmal sie selber sagen.

Erfahren, was Sache ist

Einige von ihnen haben sich zur Interessengemeinschaft IG Porzi-Areal zusammengeschlossen. Erfahren, was geschieht: Darin besteht das primäre Ziel ihrer Mitglieder. «Wir sind keine Protestler», sagt Mitglied Tinu Spotti. Vielmehr wolle man der Bedeutung des Areals Rechnung tragen und allfällige neue Lösungen mittragen.

Die Haltung der Nutzer im Grundsatz liegt auf der Hand: Sie möchten diesen einzigartigen Raum gesichert wissen. Zu einer Stadt gehöre ein urbanes Gelände mit einer guten Durchmischung, so der Tenor. «Dadurch entsteht eine Dynamik, die für Langenthal entscheidend ist», sagt etwa Bodenleger Markus Keusen.

Für ihn ist das Areal mehr als nur ein Stück Kultur, das nach Pflege verlangt, sondern vielmehr «die letzte Perle von Langenthal». 90 Prozent der Gebäude, sagt er, seien baulich in einem tadellosen Zustand, weil nirgendwo sonst so solide gebaut worden sei.

Ein einzigartiger Mix

Für das Areal spreche, dass Kleinbetriebe hier Platz hätten, ohne «unverschämte Mieten» zu bezahlen, sagt Schreiner Simon Spotti. Die Folge: Es entstehe ein Mix, den man in einer Gewerbezone so nicht finde. Das unterstreicht Eugen Reuteler. «Wir können nicht eine Wohnstadt ohne Kleingewerbler werden.»

Wo, wenn nicht an diesem Ort, wo traditionelle Werte wie Kollegialität gepflegt werden, hätten sie denn noch Platz? Ins selbe Horn stösst Marc Masson, der als IG-Mitglied nicht seine Eigeninteressen vertreten, sondern das Interesse der Langenthalerinnen und Langenthaler am Areal und seinen Nutzungen wecken will.

Porzi-Areal-Fest:Samstag, 27. August. Ab 10 Uhr Atelierbesichtigung und Verpflegung, Kinderprogramm und Spektakel. Geführter Rundgang um 10 und um 15 Uhr. Abends Livekonzerte und Disco. Kontakt zur IG: ig.porziareal@gmail.com.

Berner Zeitung

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