Unbekannte locken Jäger in eine Falle

Busswil b. Melchnau

Anfang Woche stellt Jäger Hans Geissbühler fest: Unbekannte haben die Pfähle seines Hochsitzes durchsägt. Nur mit Glück ist der 69-Jährige nicht in die perfide Falle getappt. Er vermutet, dass Jagdgegner dahinter­stecken.

  • loading indicator
Patrick Jordi@jordipatrick

Hans Geissbühler ist nachdenklich zumute. Was wäre passiert, wenn die vier dünnen Trenn­linien im Holz nicht entdeckt worden wären? Was, wenn er den Hochsitz in der Dämmerung erklommen hätte? So, wie es Jäger eben zu tun pflegen.

Sehr wahrscheinlich hätte die mehrere Meter hohe Holzkons­truktion nicht standgehalten. Die Pfähle hätten sich unter dem Gewicht und den Bewegungen des 69-Jährigen verschoben. Hans Geissbühler wäre mitsamt dem Hochsitz zu Boden gekracht.

«Kein Lausbubenstreich»

Dass der passionierte Jäger nicht tatsächlich ins Unglück gestürzt ist, hat er wohl einem Bekannten zu verdanken. Dieser wurde letztes Wochenende auf den malträtierten Hochsitz ob Busswil aufmerksam. Der Jägerkollege habe ihn am Sonntagabend telefonisch gewarnt, berichtet Geissbühler.

Am Montagmorgen sei er dann persönlich vor Ort gegangen. Da habe er es schliesslich mit eigenen Augen sehen können: Vier durchtrennte Holzpfähle – und im Gestrüpp liegend noch relativ frisch aussehendes Sägemehl. Hans Geissbühler war sich sodann sicher: «Das ist kein Lausbubenstreich, das ist die Handschrift von Jagdgegnern.»

«Das ist die Handschrift von Jagdgegnern.»Hans Geissbühler, Jäger

Der Vorfall macht den 69-Jährigen betroffen. Wenige Tage nach der Entdeckung spricht Geissbühler von einer «kriminellen Handlung». Die Verantwortlichen hätten bewusst in Kauf genommen, dass er sich verletze. Ihm sei sehr wohl klar, dass es Leute gebe, denen die Jagd sauer aufstosse.

«Solange die Gegner ihre Argumente sachlich vorbringen, finde ich das auch okay. Mit mir kann man durchaus diskutieren», sagt der pensionierte Landwirt. «Wenn aber Menschen absichtlich in Gefahr gebracht werden, ist das jenseits von Gut und Böse.»

Dürftige Spuren

Hans Geissbühler hat die Polizei eingeschaltet und Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Polizeisprecherin Ramona Mock bestätigte am Mittwoch den Erhalt der Anzeige und erwähnte laufende Ermittlungen. Der betroffene Jäger glaubt indes nicht wirklich daran, dass die Täter gefasst werden. Zu dürftig sind die hinterlassenen Spuren.

Pikant ist, dass vor einiger Zeit bereits die Leiter des Hochsitzes gestohlen worden war. Dieser Verlust fiel Hans Geissbühler zwar auf. Er zerbrach sich darob aber nicht weiter den Kopf. Jetzt allerdings, da auch noch die Tragekonstruktion des Hochsitzes durchgesägt worden ist, muss dem Leiterklau eventuell mehr Gewicht beigemessen werden. Wollten Jagdgegner schon damals ein Zeichen setzen?

Dessen ungeachtet machte sich Hans Geissbühler – wie zu dieser Jahreszeit üblich – zur Dachsjagd auf. Am 1. September habe er ganz in der Nähe einen Dachs geschossen. Das tue er nicht zum Spass.

«Wir haben hier eine Überpopulation. Als Jäger ist es meine Pflicht, den Bestand zu reduzieren», begründet er. Geissbühler vermutet nun, dass der Abschuss von Anfang Monat die Jagdgegner erneut auf den Plan gerufen hat.

Persönliche Anfeindung?

Diese stammen womöglich ganz aus der Nähe. Der Hochsitz liegt in derart unwegsamem Gelände, dass eigentlich nur Ortskundige den genauen Standort kennen dürften. Auch ein Wanderweg führt nicht vorbei an besagter Waldecke.

Die Frage drängt sich sogar auf, ob hier jemand Hans Geissbühler persönlich schaden wollte. Der Betroffene selbst kann sich das nicht vorstellen. Seit rund fünf Jahren lebe er nun mit seiner Frau in Busswil, sie seien bestens integriert.

«Ich habe mit niemandem im Dorf auch nur das kleinste Problem.» Auf Hans Geissbühler angesprochen, zeichnen Jäger aus der Region das Bild eines vertrauenswürdigen und besonnen Weidmanns. Nach eigenen Angaben geht Geissbühler seit 1984 zur Jagd.

Hiesigen Jägern sind Sach­beschädigungen an Hochsitzen oder Diebstähle von mobilen Metallsitzen indes nicht fremd. Wer sich umhört, kriegt ohne Umschweife einschlägige Anek­doten zu hören. Gemäss Medienberichten kam es in den letzten Jahren auch in anderen Kantonen zu Vorfällen. Mehrere Male waren dabei auch radikale Tierschützer der sogenannten Animal Liberation Front zugange.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt