Süffige Silvesterkost

Langenthal

Mit der Uraufführung von «Dinner for One» ist das Theater 49 eröffnet worden. Gleich dreimal gab es den Sketch auf Schweizerdeutsch zu sehen.

Zu viel ist zu viel: Der Butler verliert langsam, aber sicher die Kontrolle – auch in dieser regionalen Version.

Zu viel ist zu viel: Der Butler verliert langsam, aber sicher die Kontrolle – auch in dieser regionalen Version.

(Bild: zvg)

Brigitte Meier

Am Silvesterabend stossen James und Miss Sophie, die Kultfiguren aus «Dinner for One», im Theater 49 auf das neue Jahr an und enthüllen ein wohlgehütetes Geheimnis: Der Sketch ist nämlich ein Plagiat des letzten Aktes der Berner Bauernburleske «Die rychi Püri», mit dem am Ende des 19. Jahrhunderts das Langenthaler Bauerntheater die Schweiz bereiste.

Eingehende Recherchen hätten aufgezeigt, wie die Komödie nach England gelangt sei, erklärte Erzähler Peter Zimmermann dem belustigten Publikum. Niemand anderes als Sherlock Holmes’ treuer Dr. Watson habe das Stück damals zufälligerweise gesehen. Daher sei die Internationale Sherlock Holmes Society verantwortlich für den Mantel des Schweigens.

In einer Koproduktion mit dem Theater Überland unter der Regie von Reto Lang kam das Publikum in den Genuss von zwei Versionen des Sketchs, der am gleichen Abend dreimal gezeigt wurde.

Suure Mocke und Gnagi

Im Oberaargau liegt anstelle eines Tigerfells ein riesiger Teddybär auf dem Boden; dessen Kopf wird x-mal zum Hindernis von Butler James. Einmal schreitet er graziös darüber, stolpert jedoch auf dem Rückweg, bevor er schon deutlich beschwipst hinüberspringt.

In ersten Teil des Silvesterklassikers tischt zunächst die Magd Babettli auf, denn ein Butler in Diensten irgendwo im Berner Oberaargau, das ist ja «vertammisiech ein völliger Seich!», sagt der Erzähler in träfen Worten. Die wandlungsfähige Karin Wirthner verkörpert zunächst Babette und überzeugt in Herrenkleidern als Butler James mit Fliege und schwarzem Schnurrbart.

Aufgetischt in «Znacht für ei Einzigi» werden gutbürgerlich Erbssuppe mit Gnagi, Suure Mocke und ­Aarefisch. Derweil nascht Babette vom Herrschaftswy und Bätziwasser, währenddessen die reiche Bäuerin mit ihren imaginären Gästen turtelt.

Die immer gleiche Prozedur

Mal resolut in der Berner Sonntagstracht, dann nobel mit hochgesteckten Haaren und rot geschminkten Lippen, spielt Marlise Fischer die verschiedenen Charaktere und fragt süffisant: Sind alle da? Sir Toby, Admiral von Schneider, Herr Pommeroy und mein lieber Freund Herr Winterbottom? James muss jeweils die nicht anwesenden Gäste imitieren. So wird er immer betrunkener, verliert seine würdevolle Haltung und genehmigt sich einen tüchtigen Schluck direkt aus der Champagnerflasche.

Mit einem vielsagenden «Ich glaube, ich werde mich zurückziehen», beendet Miss Sophie den Abend. Versehentlich trinkt James aus der Blumenvase und fragt lallend: «Die gleiche Prozedur wie im vergangenen Jahr, Miss Sophie?» – «Die gleiche Prozedur wie jedes Jahr, James.» Was dieser mit dem nonchalanten Ausruf quittiert: «Guet, i gibe mis Beschte.»

Langenthaler Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt