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Stiller Schaffer erhält ein «normales» Buch

Handwerker, Künstler, Innenraumeinrichter, ­Nomade: Walter Berger ist vielseitig unterwegs. Doch wer ist dieser Mann, der in seiner Zurückhaltung offenbar kaum zu ­überbieten ist, wirklich? Ein neue Publikation sucht Antworten.

Er steht im Fokus des neu erschienenen Buches: Künstler und Handwerker Walter Berger.
Er steht im Fokus des neu erschienenen Buches: Künstler und Handwerker Walter Berger.
Thomas Peter

Es sei an der Zeit, das Schaffen von Walter Berger in den Blick zu nehmen. Das schreibt Thomas Geiser, langjähriger Freund des Bleienbacher Künstlers und Handwerkers, im Vorwort zum neuen Buch über Walter «Walti» Berger. Ein solches gab es bisher noch nicht. Darauf angesprochen lächelt der 74-Jährige. «Alle sagen, dass ich ein stiller Schaffer bin.»

Verleger Daniel Gaberell vom Kulturbuchverlag Herausgeber.ch meint sogar: «Er ist an Zurückhaltung kaum zu überbieten.» Berger ist keiner, der seine Werke oft in der Öffentlichkeit zeigt, und als sein langjähriger Freund Walter Schär, Inhaber der Firma Schaerholzbau in Altbüron, vor rund einem Jahr mit der Idee für ein Buch auf ihn zukam, musste er sich das erst durch den Kopf gehen lassen. «Ich war überrascht und hatte zuerst Herzklopfen deswegen. Ich hatte selbst nie an ein Buch gedacht.»

Kein Spektakel gewünscht

Doch Berger liess sich überzeugen. Zum Glück: «Das Ergebnis ist grossartig. Ich wollte ein ganz normales Buch, keine Inszenierung, kein Spektakel, kein Feuerwerk», sagt er und verweist auf den britischen Designer Jasper Morrison, der den Begriff «Supernormal» geprägt hat und dem das Spektakel ebenfalls ein Gräuel war.

Bei Daniel Gaberell, den er schon seit vielen Jahren kennt und der das Buch nun in seinem Riedtwiler Kulturbuchverlag herausgegeben hat, war Berger damit an der richtigen Adresse. Beide blicken auf einen längeren Prozess zurück: Aus den zahlreichen Arbeiten musste für das Buch eine Auswahl getroffen werden.

Dabei erhielt Berger von Lektor Thomas Geisser sowie Sabine Affolter und Luzia Wantz Unterstützung. Die beiden Grafikerinnen waren es auch, die zahlreiche Auftragsarbeiten eigens für das Buch neu fotografiert haben. «Wir verfolgten die Absicht, das bisherige Werk in seiner ganzen Vielfalt zu zeigen, nicht in seiner Vollständigkeit», erzählt Gaberell.

Zu sehen sind in dem 144-seitigen Werk nun Bilder von Bergers Wald- und Auftragsarbeiten sowie aus verschiedenen Ausstellungen. Darunter auch jene in der alten Giesserei in Riedtwil, die vorige Woche zu Ende ging.

«Die Kunst ist Nahrung»

Am Anfang des Buches ist es Walter Berger selbst, der erzählt. In einem knapp 20-seitigen Interview mit dem Luzerner Kulturjournalisten Pirmin Bossart berichtet er aus seinem Leben und über sein Schaffen. So erfährt der Leser zum Beispiel, dass Berger eine akademische Kunstausbildung besitzt und ursprünglich eine Schreinerlehre gemacht hat.

Dabei lernte er nicht nur die Herstellung von Türen, Täfern oder Möbeln, sondern auch von Särgen. «Das hat damals einfach ­dazugehört», sagt er und lacht. Später arbeitete er bei der Firma Anliker Langenthal AG, wo Inneneinrichtungen zu seinem hauptsächlichen Arbeitsfeld wurden. Beeinflusst vom gesellschaftlichen Umbruch Ende der 60er-Jahre, kündigte Berger seine Stelle. Was er als Befreiung empfand.

«Ich begann meine Tätigkeit mit anderen Augen zu sehen und spürte auch die Zwänge», erzählt er in dem Interview. Danach richtete er sich in Bleienbach eine kleine Werkstatt ein und begann fortan damit, Auftragsarbeiten zu übernehmen. Es sei das breite Spektrum gewesen, das ihm daran gefallen habe, erzählt Walti Berger.

Neben dem Herstellen von Möbelstücken betätigt sich der Handwerker jetzt auch immer wieder im Bereich der Raumgestaltung. Es folgen Ausflüge in die Architektur, etwa bei gemeinsamen Arbeiten mit dem Architekturbüro Blum + Grossenbacher aus Langenthal.

Während unter der Woche der Fokus auf den Auftragsarbeiten liegt, widmet er sich an den Wochenenden seinem künstlerischen Schaffen. Wobei eine klare Trennung schwerfällt und der Handwerker Berger sich auch immer wieder im Künstler Berger findet und umgekehrt.

Dies zeigt sich allein schon bei seinen Ma­terialien: «Ich bin als Nomade im Wald unterwegs.» Dort findet Berger fast alles, was er braucht. Wodurch seine Werke auch immer wieder durch ihre erstaunliche Schlichtheit überzeugen.

«Die Kunst ist Nahrung für mich», sagt Walter Berger. Diese Beschreibung können viele seiner Wegbegleiter bestätigen. Sieben von ihnen – darunter auch Architekt Marcel Blum und Künstler Christoph Hauri aus Langenthal – kommen im letzten Kapitel des Buches selbst zu Wort.

«Was er macht, ist für ihn eine existenzielle Angelegenheit», lässt sich der Langenthaler Grafiker und Künstler Urs Hug dort zitieren.

Das Buch«Walter Berger» ist im Buchhandel oder beim Verlag ­Herausgeber.ch erhältlich.

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