Zum Hauptinhalt springen

Stiftung RAZ erstattet Anzeige gegen Führungskräfte

Zwei Chefs sollen sich zu Lasten des Regionalen Arbeitszentrums Herzogenbuchsee bereichert haben. Die Stiftung erstattet Anzeige und klärt des Weiteren Mobbingvorwürfe.

Eine anonyme Umfrage unter den Mitarbeitenden des RAZ brachte Unregelmässigkeiten ans Licht. Im Bild das Wohnheim am Oberholzweg.
Eine anonyme Umfrage unter den Mitarbeitenden des RAZ brachte Unregelmässigkeiten ans Licht. Im Bild das Wohnheim am Oberholzweg.
Thomas Peter

«Mutmassliches Fehlverhalten»: Die Formulierung der Stiftung ist vorsichtig gewählt, denn es gilt die Unschuldsvermutung. Gestern hat die Trägerschaft des Regionalen Arbeitszentrums (RAZ) eine Mitteilung verschickt, in der sie ihre Strafanzeige gegen zwei ehemalige Führungskräfte öffentlich macht. Die beiden sollen sich zulasten der Stiftung «in erheblichem Umfang» bereichert haben.

Auch der Begriff «Selbstbedienungsmentalität» fällt in der Selbstdeklaration, was auf Regelmässigkeit und Selbstverständlichkeit schliessen lässt. Doch eine Angabe zur Höhe der Veruntreuung macht die Buchser Betreiberin eines Wohnheims, mehrerer Aussenwohngruppen sowie von Werkstätten mit geschützten Arbeitsplätzen für behinderte Menschen nicht. Auch Namen nennt die Stiftung auf Nachfrage hin keine. Sie beruft sich dabei auf das laufende Strafverfahren.

Ende letzten Jahres zählte das RAZ 60 Menschen im Wohnheim und 134 Beschäftigte in der Werkstatt. Verwaltung und Betreuung machten 67,6 Stellen aus.

Maulkorb für Mitarbeitende

Sowohl ehemalige wie auch aktuelle Mitarbeitende des RAZ, die sich nicht namentlich zitieren lassen, gehen davon aus, dass die aufgedeckte Bereicherung im ­Zusammenhang steht mit Vorwürfen an den ehemaligen Geschäftsführer. Es geht dabei um Vorwürfe, die vor acht Jahren an die Öffentlichkeit drangen (siehe Infobox). Seither dürfen sich die RAZ-Mitarbeitenden gegenüber Medienschaffenden nicht mehr äussern.

Bekannt ist allerdings, was nun den Stein ins Rollen brachte. Ausgangspunkt sei eine anonyme Mitarbeiterumfrage im Mai gewesen, erklärt Geschäftsführer Rudolf Andres. Er löste seinen Vorgänger Anfang letzten Jahres als Geschäftsführer ab. M., eine ebenso schillernde wie unbeliebte Person, blieb mit dem RAZ verbunden als Stiftungsrat an der Seite dessen Präsidenten S., einem Gewerbler aus dem Dorf. Unbestätigten Angaben zufolge sind beide nicht mehr am Ruder. Rasen mähen, Kinder hüten

Nicht nur auf juristischem Weg, sondern auch intern sollen die «festgestellten Probleme» aufgearbeitet und behoben werden. Dazu greift die Stiftung auf externe Unterstützung zurück. «Jeglicher Selbstbedienungsmentalität soll energisch und abschliessend ein Riegel vorgeschoben werden», heisst es in der Erklärung der Trägerschaft.

Bisher war das offenbar nicht der Fall. Ehemalige Angestellte berichten davon, dass sich Geschäftsleitungsmitglieder von beeinträchtigten Mitarbeitenden ihren privaten Rasen mähen oder die Kinder hüten liessen. Diese Gerüchte blieben gestern unkommentiert.

Mobbing wird untersucht

Untersucht werden ausserdem auch Mobbingvorwürfe, die ebenfalls aus der Mitarbeiterumfrage hervorgegangen sind. Unabhängig von den Bereicherungsvorwürfen, wie Mediensprecher Mark Saxer ergänzt. Sie würden derzeit systematisch und umfassend abgeklärt. Basierend auf den Ergebnissen werde die Stiftung die «notwendigen Massnahmen» treffen. Man wolle alles daransetzen, den Ruf als professioneller und zuverlässiger Partner für Klienten und Kunden zu wahren.

Kanton zahlt einen Drittel

Im Jahresbericht der Betreuungsinstitution sind keine Fehlbeträge ersichtlich. Sie wird für einen Teil der angebotenen Plätze vom Kanton alimentiert: 35 Prozent der Einnahmen stammen daher. Die Vermutung liegt also nahe, dass eine Veruntreuung «in erheblichem Umfang» auch Gelder der öffentlichen Hand betrifft. Dazu äussern sich die Zuständigen bei der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion nicht. Auch sie verweisen auf das laufende Verfahren.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch