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Steppe im Paragrafendschungel

Die Initianten des Projektes Mammutland wollen ihr Zentrum nicht mehr auf dem Huttwilberg bauen. Sondern im Industriegebiet Kammernmoos. Dieses liegt in jeder Beziehung besser in der Landschaft.

Wird das Mammutland gebaut, werden Besucher beim Brunnen am Vitaparcours im Kammernwald den grossen Eiszeittieren in die Augen schauen.
Wird das Mammutland gebaut, werden Besucher beim Brunnen am Vitaparcours im Kammernwald den grossen Eiszeittieren in die Augen schauen.
Marcel Bieri

Ein Leuchtturm gehört auf einen von weitem sichtbaren Punkt in der Landschaft. Ein touristischer Leuchtpunkt aber soll das Mammutland in der Region werden.

Deshalb wohl kamen seine Initianten auf die Idee, das Zentrum ihres Projektes als überdimensionierte Tiere an der Kante des Huttwilbergs über dem Städtchen anzulegen.

Das Mammutland soll die kleinen touristischen Angebote der Region zwischen dem Napf und St. Urban, zwischen Affoltern und Willisau vernetzen, damit sie sich besser vermarkten lassen.

Im Visier haben der Huttwiler Verkehrsverein Pro Regio und die Region Oberaargau Besucher von Zürich bis Bern, von Basel bis Luzern und allenfalls sogar darüber hinaus.

Blick in den Kammernwald

Nun steht fest: Vom Huttwilberg aus werden nie Mammuts auf das Städtchen herunterschauen. Sondern allenfalls vom Kammernmoos in den Kammernwald. Das hat nichts damit zu tun, dass kein Leuchtturm mehr geplant wäre.

Sondern damit, dass neben dem Industriegebiet Rüttistalden schlicht die besten Voraussetzungen dafür bestehen, dass das Projekt sich nicht im Paragrafendschungel der Raumplanung verheddert.

Ein Dschungel hätte ohnehin nichts zu tun mit dem Projekt Mammutland. Denn dass Huttwil für ein solches Projekt prädestiniert erscheint, hat vielmehr mit einer Steppe zu tun: der steppenartigen Landschaft, die sich im Napfgebiet und in seinem Vorland in der letzten Eiszeit bildete, als die Gletscher die tieferen Lagen der Schweiz unter ihrem Panzer begraben hatten.

In diese Steppe zogen sich die Mammuts zurück. Und dort blieben ihre Reste im Boden auch besser erhalten, weil dieser nicht von den Gletschern abgeschliffen wurde.

Bereits eingezont

In die Steppe, Pardon, den Dschungel der heutigen Raumplanung wiederum passt der neue Standort besser hinein, weil die Bauten des Parks dort auf bereits eingezontem Bauland errichtet werden könnten: im Industriegebiet Kammernmoos, das die Herdgemeinde Huttwil neben der bestehenden Industrie im Rüttistalden realisieren will.

Ihren Burgern stellten Walter Rohrbach und Werner Stark das Projekt deshalb vor deren Versammlung als erste vor.

Walter Rohrbach sprach in seiner Funktion als Geschäftsführer von Pro Regio, Werner Stark ist Geschäftsführer der Firma Pronatur aus Leobendorf bei Wien, die breite Erfahrungen mit Erlebnisparks und -inszenierungen hat (u. a. Bond World Schilthorn, Mooraculum Sörenberg). Er hat das Mammutland ausgearbeitet.

Grenzen überbrücken

Auch in die politische Landschaft passt der neue Standort optimal. Die neue Regionalpolitik des Bundes will nämlich jene Projekte besonders fördern, die Grenzregionen zusammenführen und Grenzen überbrücken. Hier kann Huttwil seine Lage an der Kantonsgrenze für einmal perfekt ausspielen.

Als Ergänzung zum Mammutpark planen die Initianten den ersten Baumkronenweg in der Schweiz – ein Naturerlebnis, das sich laut Stark in Deutschland und Österreich als Tourismusmagnet bewährt hat. In Huttwils Osten findet sich ein dafür geeigneter Wald praktisch in Gehdistanz, aber bereits auf dem Boden des Luzerner Nachbarn Ufhusen: der Aeschenwald.

Nach Mammuts buddeln

Nur etwas weiter weg als der ­Aeschenwald liegen die Braunkohlevorkommen bei der ehemaligen Bahnhaltestelle Gondiswil – ebenfalls beidseits der Kantonsgrenze. Dort war im Ersten Weltkrieg Kohle abgebaut worden, und dabei waren Knochen und Zähne von Mammuts zum Vorschein gekommen. Dort soll man in einer Mammutgrube wieder nach Skeletten buddeln ­können.

Den dritten Vorteil kann der Standort Rüttistalden/Kammernmoos in der Verkehrslandschaft ausspielen. Einerseits bieten sich für die Parkplätze mit dem Industriegebiet und dem Areal einer ehemaligen Kehrichtdeponie in der Schwende gleich zwei mögliche Standorte an.

Andererseits liegen die drei Gebiete an der Bahnlinie Huttwil–Wolhusen. An dieser lässt sich laut Walter Rohrbach für die erwarteten knapp 240'000 Besucher pro Jahr eine neue Haltestelle realisieren.

Rohrbach rechnet damit, der Herdgemeinde bis in einem Jahr eine Vorlage für eine Baurechtsabgabe unterbreiten zu können. Der Herdgemeinderat erwägt laut Präsident Rolf Flückiger, bereits im November die Herdburger konsultativ zu befragen. Dann wird sich zeigen, wie das Mammutland in die ehemalige Steppe in der Region Huttwil passt.

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