Stapi-Kandidaten auf dem Prüfstand

Langenthal

Das einzige öffentliche Podium mit Stefan Costa, Reto Müller und Hans-Jürg Schmied verfolgten hundert Personen. Sie erlebten, wie sich die drei den Fragen aus Bevölkerung und Vereinen stellten.

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Jürg Rettenmund

«Welche Fragen wollen unsere Leserinnen und Leser beantwortet haben, das fragen wir Medienschaffenden uns täglich», hielt Redaktionsleiterin Chantal Desbiolles als Einstieg zum Podiumsgespräch dieser Zeitung mit den Langenthaler Stadtpräsidentenkandidaten fest.

Für den Anlass im Kulturstall bei der alten Mühle hatte die Redaktion ihre Auf­gabe für einmal ganz wörtlich ­genommen und die Leserschaft sowie insbesondere die Vereine aufgerufen, ihre Fragen ein­zu­senden.

Über sechzig Fragen trudelten darauf in der Redaktion ein, mit denen die beiden Stadtredaktoren Kathrin Holzer und Patrick Jordi Stefan Costa (FDP), Reto Müller (SP) und Hans-Jürg Schmied (parteilos) zum einen selbst konfrontierten, zum andern liessen sie die Vereinsvertreter selbst zu Wort kommen.

Übungsraum weg

Ihr Anliegen vorbringen konnten so unter anderem die Mitglieder des Frauenchors: Seit 120 Jahren besteht ihr Verein, seit beinahe 100 Jahren konnten die Frauen im Probenraum des Stadttheaters singen – bis dort die Bau­maschinen für die Sanierung auffuhren. Seither fehlt ihnen ein Übungsraum. Und sie wissen auch nicht, ob sie den Probenraum nach Abschluss der Sanierung wieder nutzen können oder ob ihr Gastrecht der geplanten Öffnung des Theaters zum Opfer fällt.

Mit seinem Raumproblem ist der Frauenchor nicht allein, auch die 60 Stadtmusikanten sind mit ihrem Übungsraum nicht glücklich. Doch nicht nur die Raum­nöte der Vereine wurden von den beiden Stadtredaktoren angesprochen, sondern auch die Frage von Gemeindefusionen, die Stadtentwicklung und Entwicklungsfragen generell sowie einzelne Stadtareale wie die Markthalle, die Porzellanfabrik, die Mühle oder der Bahnhof. Diskutiert wurden weiter die Finanzen inklusive Steueranlage sowie Lohn und Nebeneinkünfte des Stadtpräsidenten, aber auch Eignung und Belastbarkeit für das Amt.

Der Breite der angeschnittenen Themen geschuldet, ging die Diskussion kaum in eine Tiefe, in der sich Unterschiede in den präsentierten Haltungen zwischen den drei Kandidaten aufgetan hätten. Ihre Sattelfestigkeit in den Themen, mit denen sie sich als Stadtpräsident im Fall einer Wahl konfrontiert sehen, mussten die Kandidaten damit kaum unter Beweis stellen.

Hingegen zeigte die Diskussion die unterschiedlichen Voraussetzungen auf, unter denen sich die drei Bewerber für das höchste Amt der Stadt interessieren:

Hier Hans-Jürg Schmied, der für sich herausnimmt, als Parteiloser die Bürgerinnen und Bürger direkt und unabhängig vertreten zu können, selbst wenn ihm die Vernetzung seiner Mitbewerber in den politischen Parteien fehlt. Dezidiert äusserte er sich zum Thema Steuern: «Solange man mit dem Zug aus Bern zehn Minuten schneller in Zofingen ist als in Langenthal, ist eine Steuererhöhung kein Thema.»

Da Reto Müller (SP), der Vertreter der Linken und Grünen mit Erfahrung im Gemeinderat und im Grossen Rat. Er möchte seine Arbeit auf Gemeindeebene gerne fortsetzen, kann dies aber wegen Amtszeitbeschränkung nur noch als Stadtpräsident tun. Erstmals sei ihm die Frage zu seiner Haltung in der Causa Alain Roth gestellt worden, hielt er fest. «Ich war von Anfang an in den Entscheid der SP Langenthal einbezogen und trage diesen mit. Wenn jemand verletzt ist wie in diesem Fall, kann es jedoch nur Verlierer geben.»

Schliesslich Stefan Costa, der Vertreter der Bürgerlichen, der bisher dem Gemeinderat nicht angehörte, der dafür auf seine langjährige politische Tätigkeit auf Bundes-, Kantons-, Regions- und Gemeindeebene verweist, die er nun in die Exekutive der Stadt einbringen möchte. Klar legte er sich zur Arena fest: «Das Porzi-Areal kommt für mich dafür zurzeit nicht infrage.» Hingegen sehe er beim Reitplatz am Bahnhof durchaus eine Kombination mit einem Stadtsaal als Mantelnutzung.

Aufgelockert wurde die Diskussion von Milena Patagonia mit den fünf Liedern aus ihrer Langenthaler EP. Hundert Personen verfolgten die Diskussion.

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