Seit 25 Jahren Wilder Westen in Madiswil

Madiswil

Am Anfang hätte keiner auf Aschi Strahms ­Saloon gewettet, schon gar nicht sein Buchhalter. Doch am kommenden Wochenende kann das Lokal sein 25-jähriges Bestehen feiern.

Erfolgreiches Duo: Aschi Strahm (l). schaut auf 25 Jahre Saloon ­zurück, Stefan Nyffeler auf sein bisher bestes Geschäftsjahr.

Erfolgreiches Duo: Aschi Strahm (l). schaut auf 25 Jahre Saloon ­zurück, Stefan Nyffeler auf sein bisher bestes Geschäftsjahr.

(Bild: Daniel Fuchs)

Rübenchilbi ist in Madiswil erst vom 26. bis zum 28. Oktober. Doch beim Saloon wird auf dem Parkplatz bereits am Wochen­ende das grosse Chilbizelt aufgestellt. Grund zum Feiern und für den dafür erwarteten Aufmarsch gibt der 25. Geburtstag des unkonventionellen Restaurants.

Dabei war Aschi Strahm eigentlich gar nicht am Rössli interessiert, als er dieses kaufte. Sondern an der Metzgerei, die wie andernorts auch zum Gasthof gehörte. Dort startete er 1988 nach ersten Gehversuchen im Elternhaus und einem ersten Umbau sein Leben als erfolgreicher Motorradhändler.

In der Gaststube jedoch geschäfteten die Pächter nicht mit dem gleichen Geschick. «Ich kam zum Schluss, dass dort etwas Neues hermuss», blickt Aschi Strahm zurück: Etwas, was durchaus mit «Rössli-Stärken» zu tun hatte, allerdings mit denen auf zwei Rädern, eben mit Mo­torrädern. Aschi Strahm eröffnete einen Saloon wie im Wilden Westen.

Kräftig investiert

Kaum einer habe ihm als «Töffhändler» ohne Erfahrung im Gastgewerbe im traditionsverbundenen Linksmähderdorf eine Chance gegeben, erinnert er sich. Gar nicht begeistert von «diesem Seich» war im Speziellen sein Buchhalter, umso mehr, als er sein Rössli innen praktisch aushöhlte, damit die neue Einrichtung auch stimmte. «Ich investierte kräftig.»

Doch die Skeptiker sollten ebenso wenig recht behalten wie bei ihren Prognosen für den Handel mit den heissen Stühlen. Wobei die Erfolge mit Spezialumbauten für Prominente auch den Ruf des Saloon befeuerten. Legendär ist hinwiederum der «Töffsattel» aus dem Saloon, ein Steak von 300 bis 500 Gramm, als Sozius für ganz Hungrige auch mal mehr als ein Kilo schwer.

Zuerst drehen, dann essen

Episoden aus dem Saloon könnte Aschi Strahm stundenlang erzählen. Hier nur eine: Eine Fern­sehcrew der britischen BBC hatte in Madiswil einen guten halben Tag lang für einen Magazinbeitrag über Strahm und seine verrückten Spezialmotorräder gedreht. Gegen Abend räumten sie ihre Kameras weg und fragten: «Kann man hier auch etwas essen?»

Als sie auf den Tellern der Tischnachbarn die «Töffsättel» sahen, interessierten sie sich dafür, was auf dem Grill für sie brutzelte. Es war ein spezielles Stück gleich für alle sieben Nasen gemeinsam. Als ihr Chef dieses sah, musste seine Crew die Kameras wieder auspacken und schultern, ehe sie ihren Hunger stillen konnten.

Treue zu den Lieferanten

Das Fleisch für die «Töffsättel» übrigens bezieht der Saloon bei der Landmetzgerei Rickli in Bleienbach. Ihr ist Aschi Strahm ebenso treu geblieben wie dem Bierlieferanten Calanda, dem er zu Beginn den Vorzug gegeben hatte. Auch diese Kontinuität, ist er überzeugt, hat zu seinem Erfolg beigetragen.

Vor fünf Jahren musste sich der Besitzer des Saloons allerdings neu ausrichten: Der langjährige Geschäftsführer hatte ihm gekündigt. In Stefan Nyffeler fand er einen Nachfolger, der als Pächter gleich mehr Verantwortung übernahm. Obschon Nyffeler selbst kein Motorrad fährt, sorgte er für Kontinuität. Letztes Jahr habe er sein bisher bestes Ergebnis erzielt, hält er fest.

Aschi Strahm nimmt das zufrieden zur Kenntnis, ist er selbst doch bereits seit drei Jahren in Rente. Gross etwas verändern ­habe er nicht müssen, stellt Stefan Nyffeler fest, er habe aber als langjähriger Pächter eines Pubs in Huttwil von dort auch neue Kunden in den Saloon gebracht.

Nichtsdestotrotz reisen zum ­wöchentlichen Töfftreff am Dienstagabend regelmässig zwischen 100 und 150 Motorrad­fahrer ins Linksmähderdorf und sorgen für Hochbetrieb im Saloon, der inzwischen ebenso unverzichtbar zu Madiswil gehört wie die Rübenchilbi.

Jubiläumsaktivitäten am Wochenende: Freitag ab 16 Uhr, Samstag ab 19 Uhr, Sonntag ab 10.30 Uhr.

Langenthaler Tagblatt

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