Seine Sicht auf die Dinge der Welt

Langenthal

Aus seinem neuesten Band «Nicht bei Trost. Sequenzen» las der Berner Lyriker Franz Dodel – der sich fühlt wie ein Langenthaler. Warum, das erklärte er während der Vernissage im Haus Urshug.

Ein beseeltes Duo: Autor Franz Dodel (rechts) und Gastgeber Urs Hug (links) während der Buchvernissage von Dodels Band «Nicht bei Trost. Sequenzen» vor der Installation «Hart am Wind» von Urs Hug.

Ein beseeltes Duo: Autor Franz Dodel (rechts) und Gastgeber Urs Hug (links) während der Buchvernissage von Dodels Band «Nicht bei Trost. Sequenzen» vor der Installation «Hart am Wind» von Urs Hug.

(Bild: Daniel Fuchs)

Der Langenthaler Grafiker und Künstler Urs Hug und der Berner Lyriker Franz Dodel arbeiten öfter zusammen. Sie kennen sich seit langem. Der Grund für ein weiteres gemeinsames Projekt war ein spezieller: ein Segelschiff.Urs Hug stellte es letzten Herbst in seine Dachgalerie und bespielte das weisse Segel mit den Versen Dodels Endlosgedichtes «Nicht bei Trost». Dodel war gerührt und schlug vor, eine Buchvernissage im Haus Urshug durchzuführen.

Hug aber reagierte vorsichtig: «Du weisst, wir sind in Langenthal, nicht in Berlin. Was machen wir, wenn niemand kommt?» Dodels Antwort: «Dann lese ich nur für dich.» Am Freitagabend ist aber keine Privatlesung daraus geworden. Zur Freude der beiden waren alle Stühle besetzt.

Die Entstehung mitverfolgen

Die ersten 6000 Zeilen des endlosen Gedichts von Franz Dodel waren im Jahr 2004 erschienen, darauf folgten 2008, 2011 und 2014 drei weitere Bände mit je 6000 Zeilen. Im fünften und neusten Band finden sich nun die Zeilen 30'001 bis 36'000. Jeden Tag entstehen ein paar neue Zeilen, die Dodel auf seiner Website veröffentlicht. Dort können Interessierte die Entwicklung täglich mit verfolgen.

Dodels Endlosgedicht folgt strengen formalen Einschränkungen. Das Haiku – eine japanische Gedichtform – besteht immer aus 3 Zeilen mit zusammen 17 Silben. Dem Klang der Worte kommt dabei grosse Bedeutung zu. Durch ihn sollen beim Leser oder Zuhörer Bilder entstehen.

«Der Text wird an keinem anderen Ort so oft gelesen wie in Langenthal.»Franz Dodel, Autor

Ehe Franz Dodel seinem Publikum vorlas, forderte er dieses denn auch explizit zum Assoziieren auf. «Der Text soll ­jeden dazu verleiten, eigene Bilder zu machen, mit den ­Gedanken abzuschweifen, um später wieder zum Text zurückzufinden.»

Dodel zeigte den Zuhörern durch seine Lesung eine spezielle Sichtweise auf die Dinge der Welt. Das Gedicht besticht durch die Liebe zum Detail und zum Alltäglichen, das niemandem auffällt und dem ansonsten niemand Aufmerksamkeit schenken würde.

Verweise zur Erklärung

Ein auffälliges Merkmal seiner Bücher sind die Zeichnungen und Anmerkungen, die Dodel jeweils auf der linken Buchseite den Lesern bereitstellt. Es sind Verweise Dodels, die seine Gedanken nachvollziehbar machen.

Das Endlosgedicht  besticht durch die Liebe zum Detail und zum Alltäg­lichen.

Die Bilder stellen dabei nicht den Text dar, vielmehr seien sie Dodels inhaltliche Motivation beim Schreiben. Aus rechtlichen Gründen lässt er sie für sein Buch von Serafine Frey nachzeichnen. Die Buchbände bestehen also nicht nur aus dem Text selbst, sondern aus vielen Verknüpfungen, die diesen erweitern.

Langenthal ist ihm treu

Franz Dodel war Fachreferent für Theologie und Religionswissenschaften an der Zentralbibliothek der Universität Bern. Der Lyriker lebt zwar in Boll-Sinneringen und in Lu­gnorre, er fühle sich aber wie ein Langenthaler. «Der Text wird an keinem anderen Ort so oft gelesen wie in Langenthal.»

Das habe er vor allem Urs Hug zu verdanken: «In seinem Haus wurden schon sämtliche Ausschnitte meiner Werke ausgestellt.» Die Besucher der Vernissage am Freitag waren entzückt ob der Lesung, die sie tief in die Gedankenwelt des Autors führte.

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