Sein Neostöckli soll Schule machen

Graben

Wie so viele will Fredi Trösch seinen Lebensabend daheim verbringen. Der 62-jährige umtriebige Ex-Beizer, Alt-Gemeindepräsident und Architekt setzt mit Partnern eine Vision um: ein Altersbungalow mit Dienstleistungen.

Wo neben dem Wohnhaus eine kleine Altersresidenz entsteht: Künftig wird Fredi Trösch – hier mit Schwiegersohn Lukas und Tochter Nathalie Wyttenbach und seinen drei Enkelkindern – im frei stehenden 50-Quadratmeter-Häuschen leben, das im Dezember bezugsbereit ist.

Wo neben dem Wohnhaus eine kleine Altersresidenz entsteht: Künftig wird Fredi Trösch – hier mit Schwiegersohn Lukas und Tochter Nathalie Wyttenbach und seinen drei Enkelkindern – im frei stehenden 50-Quadratmeter-Häuschen leben, das im Dezember bezugsbereit ist.

(Bild: Marcel Bieri)

Chantal Desbiolles

Altersheime sind ihm ein Gräuel. Fredi Trösch erzählt davon, wie diese Institutionen in allen Gemeinden aus dem Boden gestampft worden seien, als er im Gemeinderat war. «Das kann nicht sein», habe er damals gedacht. «Das Alter erhält nicht den Platz, den es verdient», sagt er heute. «Ich wünsche mir ein Umdenken.»

Seit Jahren skizziert der 2011 aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretene Gemeindepräsident und selbstständige Architekt daher an seiner eigenen Vorstellung vom würdevollen Altwerden: In den eigenen vier Wänden will der einstige Inhaber des Café Treff in Buchsi und des Ranks in Aarwangen seinen Lebensabend verbringen.

Daheim auf 50 Quadratmetern

Während viele Ältere diesen Wunsch hegen und nicht über die Vorstellung hinauskommen, legt der vife 62-Jährige nach zwei Jahren konkreter Planung und Überzeugungsarbeit ein Konzept vor – und steckt bereits mit mehreren Partnern mitten in der Umsetzung.

Auf seinem Grundstück an der Hauptstrasse der 328-Seelen-Gemeinde Graben entsteht ein Holzelementbau, ein eingeschossiger Bungalow mit 50 Quadratmetern Wohnfläche (siehe Box). «Die Wohnfläche ist damit etwa doppelt so gross wie in einer Alterswohnung im Seniorenheim», sagt Trösch.

In dieses Häuschen wird der dreifache Grossvater nach rund drei Monaten Bauzeit gegen Weihnachten hin einziehen. Grundstück und Wohnhaus gingen bereits in den Besitz seiner Tochter Nathalie Wyttenbach über.

Mit ihr und den beiden Enkelinnen Lia (7 Jahre), Noe (5 Jahre) sowie dem einjährigen Len lebt Fredi Trösch heute im Wohnhaus, neben dem seine 7 mal 7 Meter kleine Altersresidenz im Baurecht entsteht, die ihm autonomes Wohnen garantieren soll.

Im gewohnten Umfeld

«Wir kommen zurück zum Stöckli», erklärt Trösch seine künftige Wohnform, die in ländlichen Gebieten lange Tradition genoss. «Man müsste alles dafür unternehmen, die Familien zu stärken», ist er überzeugt, der in einer Symbiose mit den beiden jüngeren Generationen unter einem Dach lebt: Er hütet die Kleinsten, sodass seine Tochter einer Arbeit nachgehen kann.

SenioCasa nennt Trösch die Geschäftsphilosophie, die auf mehr als nur seiner persönlicher Überzeugung fusst. Wer länger selbstständig und in seiner gewohnten Umgebung bleibt, aktiv am Familien-, Dorf- und Gesellschaftsleben teilnehmen kann, bleibt auch länger gesund und geistig fit. Dies wiederum habe nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Gesundheitskosten.

Eine Kostenfrage

Auch, weil ein Altenheimchen im Kleinformat wie Trösch es plant, massiv günstiger zu haben sei als ein Zimmer in einer gängigen Institution. Der Architekt rechnet mit rund 220'000 Franken für den Elementbau samt Einrichtung und einem monatlichen Zins von 700 Franken bei einer laut Trösch «normalen» Bankfinanzierung.

Bei dieser Wohnform bleibe auch die Wertschöpfung bestehen, und das lebenslang erwirtschaftete Kapital werde nicht von Heimkosten aufgezehrt. Oder die öffentliche Hand belastet, wenn davon nichts mehr übrig sei.

Sicher und praktisch

Das erste Häuschen seiner Art wird zugleich auch ein Referenzprojekt. Es ist auf Sicherheit bedacht, rollstuhlgängig, umfasst zweieinhalb Zimmer mit gut putzbarem Plattenboden, einer zentralen Schrankfront und wird angeschlossen an die bestehende Fernwärmeheizung. Er habe sich bewusst gegen einen Geschirrspüler entschieden, sagt Trösch. Weil bei einer Person alleine kaum Geschirr anfalle und er den Abwasch als Training pflege.

Pflege- und andere Dienstleistungen runden das Angebot ab. Entsprechende Gespräche führen Trösch und seine Partner etwa mit Betreuungsdienstleister Bonacasa, der massgeschneiderten Service und auch ein Sicherheits- und Notrufabo in den eigenen vier Wänden anbietet.

Es sei nun mal ein Unterschied, argumentiert Trösch, ob man nebst Zins von 700 Franken dafür 45 Franken Grundpauschale und für die zusätzlichen Leistungen bezahle. Oder um die 4000 Franken monatlich für ein bares Heimbett ohne Pflegeleistungen.

Rund 40'000 Grundstücke in der Schweiz wiesen ausreichend Umschwung und damit das Potenzial für seine Altenhäuschen auf, ist Trösch überzeugt. Die Nachfrage sei vorhanden: Er könnte sogleich vier Altersbungalows bauen. Doch erst einmal will er sein Musterhäuschen bauen lassen, beziehen und herzeigen können.

Berner Zeitung

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