Schwitzen im Gleichschritt

25 Vereine traten an zum Wettstreit um die beste Marschmusik-Performance. Doch der Oberaargauische Musiktag stand nicht nur im Zeichen des Wettbewerbs.

  • loading indicator

Fast tausend Musikantinnen und Musikanten in schicken Uniformen und Trachten und eine beträchtliche Anzahl Zuschauerinnen und Zuschauer bevölkern am Samstag das Gebiet rund um die Dreifachturnhalle im Buchser Mittelholz.

Das ist nicht nur dem guten Wetter geschuldet, denn ganze 25 Musikvereine nehmen teil am diesjährigen Oberaargauischen Musiktag. «Es ist etwas Besonderes, dass sie dieses Jahr alle dabei sein können. Das klappt nicht jedes Jahr», weiss Sandra Siegenthaler, Mitglied der organisierenden Musikgesellschaft Buchsi. Auch die Teilnehmer freuts: «Man kennt im Laufe der Zeit von fast jeder Musik ein paar Leute, und es ist immer schön, sie alle zu sehen», sagt eine junge Musikantin.

Kurz vor dem Auftritt macht sich dann aber doch Nervosität breit bei den meisten Musikanten und Musikantinnen. Schliesslich werden ihre Leistungen gleich von mehreren Juroren und nach den verschiedensten Kriterien wie Intonation, Marschdisziplin, Dynamik, Artikulation und Rhythmik bewertet.

Mit Applaus feuert das Publikum die Gruppen an. Als die Musikgesellschaft Melchnau auf dem Weg zum Startpunkt für ihren Marsch ist, löst sich plötzlich ein Kind aus der Menge, läuft über das Strässchen auf eine junge Musikantin zu, umarmt sie und ruft: «Ich drücke dir die Daumen!» Die Umstehenden beobachten die Szene entzückt.

Dass der Musiktag wie heuer an einem einzigen Tag stattfindet, ist in den letzten Jahren zwar auch schon vorgekommen, ist aber gewiss nicht die Regel. Es sei einfach praktischer, sagt OK-Mitglied Sandra Siegenthaler, die Musikanten müssten dann nicht zweimal anreisen. Neu ist indes, dass das Fest an einem Samstag stattfindet.

Normalerweise galt dieser Tag den Jugendmusikwettbewerben, während das Hauptprogramm stets erst am Sonntag anstand. Das habe allerdings den Nachteil, dass die ersten Besucher jeweils schon nach Hause gehen würden, wenn das Abendprogramm etwa mit der Veteranenehrung starte, erklärt Siegenthaler. Dem habe man mit der Fokussierung auf den Samstag Rechnung tragen wollen. Schliesslich solle der Musiktag, neben den ganzen Wettbewerben, vor allem auch ein Fest sein.

Es ist heiss an diesem Samstag. Schon am Vormittag brennt die Sonne mit aller Kraft auf die Anwesenden. Während sich das Publikum ein schattiges Plätzchen suchen kann, um den vorbeimarschierenden Gruppen zuzuschauen, müssen sich die Musizierenden in voller Montur und in der prallen Sonne der Bewertung stellen. Auch in ­diesem Jahr werden viele der Gruppen von Trachtenträgern angeführt.

Besonders charmant: die siebenköpfige Familie, die den Posaunenchor Walterswil-Oeschenbach begleitet. Die ganze Begleitgruppe trägt Tracht; und das jüngste Kind sitzt im blumengeschmückten Leiterwagen. Auch die Stadtmusik Langenthal wartet mit imposanter Begleitung auf: Die Langenthaler Tambouren führen sie in ihren historischen Uniformen an, die sie erst letztes Jahr angeschafft haben.

Das Marschmusikprogramm umfasst ein breites Repertoire militärischer und ziviler Musik. Gleich zweimal, nämlich von der Musikgesellschaft Bützberg und der Stadtmusik Langenthal, wird das Stück «Schwyzer Soldaten» von Ernst Lüthold gespielt. Eine besonders gute Bewertung erhält die Oberaargauer Brass Band unter Dirigent Christoph Luchsinger. Mit dem Stück «Arnhem» von Albert Edward Kelly wird sie am Ende des Tags als Sieger aus dem Marschmusikwettbewerb hervorgehen. Aber auch die Musikgesellschaft Inkwil vermag das Publikum zu begeistern.

Un­ter der Leitung von Nicola Bernhard tragen die Musikanten ihre Evolutionen vor. Das heisst, dass sie nicht einfach gerade durchmarschieren, sondern eine Art Choreografie vortragen, bei der sie sich ebenso nach rechts und links bewegen, sich umdrehen und tänzerische Elemente einbauen.

Bei den Organisatoren ist man derweil zufrieden. Turnusgemäss fand der Musiktag heuer in Buchsi statt. Die Gemeinde sei insofern praktisch, als genügend grosse Räumlichkeiten vorhanden seien, die auch noch nahe zusammenlägen, erklärt Sandra Siegenthaler. Kommt dazu, dass Buchsi über eine Vielzahl von Vereinen verfügt, von denen sich auf Anfrage der Musikanten viele bereit erklärt hatten, diese bei der Durchführung des Grossanlasses tatkräftig zu unterstützen. «Dafür sind wir sehr dankbar», sagt Siegenthaler.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt