Schulsozialarbeit: Neues Parlament, neuer Versuch

Langenthal

Erst sollte die Schulsozialarbeit kommen, dann wieder nicht. Jetzt nimmt EVP-Stadtrat Daniel Steiner einen neuen Anlauf und fordert ein Pilotprojekt. Denkbar wäre auch eine Lösung, wie sie derzeit in Roggwil und Wynau erprobt wird.

Langenthal Mit der Forderung eines Pilots für Schulsozialarbeit bringt EVP-Stadtrat Daniel Steiner (Bild) ein altes Anliegen wieder aufs Tapet.

Langenthal Mit der Forderung eines Pilots für Schulsozialarbeit bringt EVP-Stadtrat Daniel Steiner (Bild) ein altes Anliegen wieder aufs Tapet.

(Bild: Andreas Blatter)

Hauchdünn war eine Motion zur Einführung der Schulsozialarbeit vom Langenthaler Parlament im Sommer 2012 überwiesen worden. Es war für die Befürworter allerdings ein Erfolg von nur kurzer Dauer.

Schon im Frühjahr 2013 nutzten die nach den Gemeindewahlen 2012 gestärkten Bürgerlichen die Gunst des Augenblicks und forderten den Verzicht auf das Vorhaben. Mitte-links stimmte geschlossen gegen den Antrag, das bürgerliche Lager geschlossen dafür.

Seither ist das Thema Schulsozialarbeit in Langenthal an sich keines mehr gewesen.Geht es nach dem Willen von Daniel Steiner, soll sich dies nun aber ändern.

Der EVP-Stadtrat bringt das schulergänzende Angebot, das Kinder, Jugendliche, Lehrpersonen und Eltern gleichermassen unterstützen soll, erneut aufs Tapet. In einer Motion fordert er den Gemeinderat auf, ein Pilotprojekt für Schulsozialarbeit zu lancieren.

«Die Mehrheitsverhältnisse haben sich nach den letzten Wahlen sicher wieder etwas zugunsten der Schulsozialarbeit verändert», räumt der Motionär offen ein. Auf den Links-rechts-Konflikt soll die Debatte diesmal aber nicht reduziert werden.

«Das wäre dem Thema einfach nicht angemessen», findet Steiner. Bewusst habe er die Motion deshalb als Einzelperson eingereicht und gleichzeitig eine durchwegs offene Formulierung gewählt.» Ein Pilotprojekt für Schulsozialarbeit. Das ist alles, was Steiner verlangt.

Zum Beispiel Schokito

«Die Gemeinden im Kanton entscheiden selbst, ob und in welchem Umfang sie Schulsozialarbeit anbieten wollen», hält er in seinem Vorstoss fest. Für ihn muss es denn auch nicht zwingend die klassische Form mit einem fest angestellten Sozialarbeiter sein. So verweist Steiner explizit auch auf die Gemeinden Roggwil und Wynau, die diesen Frühling gemeinsam mit Aarwangen das Projekt Schokito lanciert haben.

Es ist eine Kooperation der regionalen Kinder- und Jugendfachstelle Tokjo und der Schoio-Familienhilfe in Langenthal und umfasst zwei Angebote: Einerseits sind Vertreter beider ­Fachstellen einmal wöchentlich mit einem Wohnwagen vor Ort auf den Schulhausarealen der drei Gemeinden.

Andererseits kommt in Roggwil und Wynau zusätzlich zu diesem Basisangebot für die Kinder und Jugendlichen eine gezielte Unterstützung durch die Fachleute auch für die Lehrpersonen und die Schulleitung hinzu (siehe Kasten).

Den Lehrpersonen und Schulklassen werde so bei Bedarf eine unterstützende und lösungsorientierte Begleitung und Beratung im Schulalltag angeboten, hält Steiner fest. Und findet: Basierend auf den Erfahrungen von Roggwil und Wynau könnte sich allenfalls die Möglichkeit eröffnen, in Langenthal ebenfalls ein Pilotprojekt in Kooperation mit der Jugendfachstelle und der Familienhilfe zu konzipieren.

Die Ausnahmen im Kanton

Immerhin habe sich die Schulsozialarbeit in den letzten Jahren stark zu etablieren vermocht im Kanton Bern, verweist Steiner auf den im April veröffentlichten Reportingbericht der Erziehungsdirektion.

Von den Gemeinden mit mehr als 1000 Schulkindern bieten gemäss dem Bericht derzeit nur Langenthal und Langnau keine Schulsozialarbeit an. Vier Jahre nach der letzten Parlamentsdebatte im März 2013 sei es deshalb nicht falsch, erneut über das Thema zu diskutieren.

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