Huttwil

Schlechter Lohn für viel Flexibilität

HuttwilWeil der Kanton die Stundenansätze für Tageseltern kürzt, sollen die Gemeinden einspringen. Das ­verlangt der Verein Kibe ­Region Huttwil.

Kindergärteler und Schüler sollen weiter von Tageseltern betreut werden können – und diese dafür anständig entlöhnt werden: Das fordert Kibe Region Huttwil.

Kindergärteler und Schüler sollen weiter von Tageseltern betreut werden können – und diese dafür anständig entlöhnt werden: Das fordert Kibe Region Huttwil. Bild: Keystone

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Philippe Groux wird deutlich: «Wenn diese Änderung umgesetzt wird, müssen wir 24 Entlassungen aussprechen.» Was den Präsidenten von Kibe Region Huttwil derart in Rage bringt, ist die Anpassung der Verordnung über die Angebote zur sozialen Integration (Asiv), die der Berner Regierungsrat letzten November beschlossen hat.

Diese hat unter anderem Auswirkungen auf die vom Kanton subventionierten Tageseltern: Der Betreuungsfaktor für Kinder­garten- und Schulkinder im Bereich der Tagesfamilien wurde von 1,0 auf 0,75 gesenkt. Tagesmütter, die sich um Kinder berufstätiger Eltern kümmern, erhalten also für eine Betreuungsstunde nur noch Dreiviertelstunden abgegolten.

Das politische Ziel: Tagesschulen sollen gefördert werden, Kindertagesstätten (Kitas) und Tageseltern sollen vor allem Kinder im Vorschulalter betreuen. Die Asiv-Änderungen traten am 1. Januar in Kraft und müssen bis spätestens zum 1. August 2017 umgesetzt werden.

«Unsere Kosten bestehen zu 97 Prozent aus Lohnkosten», hält Philippe Groux fest. «Wir hätten gar keine andere Wahl, als die Löhne entsprechend zu senken. Nur sind die Löhne im Kanton Bern bereits heute sehr tief.» Eine Stunde wird inklusive ­Ferienentschädigung mit rund sechs Franken abgegolten. Das liegt bereits 20 Prozent unter den Mindestlohnempfehlungen des Dachverbandes Kibesuisse. Philippe Groux ist deshalb überzeugt, nicht mehr genügend Eltern zu finden, die zu noch tieferen Löhnen arbeiten.

Tageseltern sind flexibler

Zur vom Kanton angestrebten Förderung von Tagesschulen sagt der Präsident von Kibe Huttwil: «Keine der uns angeschlossenen Gemeinden hat eine Tagesschule.» Das gilt selbst für das Zentrum Huttwil. «Zudem sind Tagesschulen ohnehin keine ideale ­Lösung dafür, Beruf und Familie zu vereinbaren, denn sie sind 13 Wochen im Jahr geschlossen.» Eltern mit unregelmässigen Arbeitszeiten sind wiederum auf eine Flexibilität angewiesen, wie sie nur Tageseltern bieten ­können.

In der Region Huttwil werden 111 Kinder aus neun Gemeinden von von 24 Tageseltern betreut. Kibe Huttwil hat deshalb diese Gemeinden angeschrieben und beantragt, dass diese die Sparmassnahme des Kantons ausgleichen. «So könnten wir die bisherigen Löhne und die Betreuung der Schulkinder aufrechterhalten», betont der Präsident. Aktiv geworden ist auch bereits der Verband Bernischer Tageselternvereine (VBT): Er hat Vereine, Gemeinden, abgebende Eltern und Tageseltern dazu aufgefordert, sich mit Briefen an den Regierungsrat gegen die Kürzung zu wehren.

Der Verband rügt neben seiner grundsätzlichen Kritik den Zeitpunkt und die Kurzfristigkeit der Kürzung: «Die Tageseltern sind ein wichtiger Pfeiler der familienergänzenden Kinderbetreuung. Die Signalwirkung einer Einkommenseinbusse in Relation zu den stetig wachsenden Anforderungen ist fatal.»

Bereits über 200 Briefe

Der Widerstand ist gross. Bis heute sind über 200 Briefe aus dem ganzen Kanton bei der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) eingetroffen. Die Tageselternvereine hoffen, dass der Druck mit der Anzahl Briefe wächst und der Regierungsrat über die Bücher geht. «Wir hoffen, dass der Regierungsrat seinen Beschluss überdenkt», sagt VBT-Geschäftsleiterin Sarah Schweizerhof. Diese Hoffnung wird durch eine von Sarah Gabi Schönenberger (SP) im Grossen Rat eingereichte Motion geschürt, die als dringlich erklärt wurde. Diese verlangt, dass auf die Anpassung verzichtet oder zumindest die Umsetzungsfrist verlängert wird.

Wie der Kanton mit der Flut von Briefen umgehen will, ist derzeit offen. «Die Motion Gabi wird in der Märzsession behandelt», sagt GEF-Generalsekretär Yves Bichsel nur. Es werde die Antwort des Regierungsrates und der Grossratsentscheid abgewartet, vorher könne man nicht inhaltlich dazu Stellung nehmen. Jene, die einen Brief geschrieben hätten, erhielten eine Empfangsbestätigung. Bichsel: «Im April werden wir ihnen Antwort geben können.»

Für die Gemeinden sei das schlicht zu spät, hält Philippe Groux fest: Bis Ende April müssen diese dem Kanton ihr Konzept für die Tagesbetreuung einreichen. Kibe Huttwil unterstützt deshalb grundsätzlich die Briefaktion des Dachverbandes und hat ihre Kreise aufgefordert, daran teilzunehmen, geht aber mit dem Brief an die Gemeinden bereits einen Schritt weiter. «Für den Fall, dass Briefe nichts fruchten», wie es Philippe Groux ausdrückt. Im Kanton Bern wurden 2015 mehr als 3500 Kinder von Tageseltern betreut. Mehr als ein Drittel der betreuten Kinder sind Kindergarten- und Schulkinder. Das geht aus einer Statistik des VBT hervor. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 25.02.2017, 11:55 Uhr

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