Walterswil

Schaumiges aus dem Land der «Schwarzen Spinne»

WalterswilVon Emmentaler Mythen und Heavy Metal liess sich Martin Bühler für die jüngste Edition seiner Brauerei Napf inspirieren. Nach entbehrungsreichen Jahren ­wendet er sich nun gerne aber wieder Lieblicherem zu.

Zwei von vier: Martin Bühler mit dem Vintage Barrique Stout und dem Vintage Sparkling Stout seiner «Schwarze Spinne»-Edition.

Zwei von vier: Martin Bühler mit dem Vintage Barrique Stout und dem Vintage Sparkling Stout seiner «Schwarze Spinne»-Edition. Bild: Thomas Peter

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«Die Schwarze Spinne» scheint derzeit Hochkonjunktur zu haben: Das Gotthelf-Zentrum in Lützelflüh widmet seine jüngste Ausstellung der Sage seines Dichterpfarrers. Auch das Freilichttheater Schmidigen präsentiert mit «D’Lindouere» von Elisabeth Baumgartner die zentrale Sage, die in ihrer Wohngemeinde Trub überliefert ist. Und die Brauerei Napf widmet ihr eine spezielle Bieredition.

Wobei diese Reihenfolge nicht ganz stimmt, wie man feststellt, wenn man den Prospekt der Brauerei Napf konsultiert: Bereits 2007 braute Inhaber Martin S. Bühler zum ersten Mal eine «Schwarze Spinne»: Ein Imperial Stout mit ausgeprägten Röstmalznoten und schwerem Malzkörper, das inzwischen mit Jahrgang 2015 im Handel ist.

Auf der Kleinegg zwischen Sumiswald und Wasen aufgewachsen und immer noch dort wohnhaft, erhielt er den düsteren Sagenstoff bereits am Familientisch von der Mutter erzählt und wird immer wieder damit konfrontiert. Denn der Jeremias Gotthelf schöpfte neben dem Truber Sagenstoff aus weiteren Überlieferungen, die sich in Fritzenhaus und Bärhegen bei Wasen und dem Kirchstalden in Sumiswald verorten lassen.

Mythen und Heavy Metal

Ähnliche Inspirationen hole er sich aus der Heavy-Metal-Szene, betont der bekennende Iron-Maiden-Fan. Dort findet er viele Parallelen zur Sagenwelt aus dem Napfgebiet. Von «Fear of the Dark» (Angst vor der Nacht), dem Titel von Martin Bühlers Lieblingsplatte von Iron Maiden, ist es denn auch nicht weit zum «Beer of the Dark», mit dem er nun seine Spezialedition anpreist.

Düster ist der Ausstellungsraum im Gotthelf-Zentrum angelegt, und unheimlich wabert auch der Nebel in den Werbematerialen für das Bier der Napfbrauerei durch den dunklen Wald. In diesen Unterlagen macht Martin Bühler die Leidenschaft und die Hartnäckigkeit nachvollziehbar, die er für die aufwendigeren «Schwarze Spinne»-Biere an den Tag legen musste: vom in belgischem Sauerbierverfahren im Sudjahr 2012 gebrauten Sour Stout bis zu den aus dem Jahrgang 2007 weiterkultivierten Vintage Sparkling Stout und Vintage Barrique Stout.

Die Grand-Cru-Flaschen, die alle Experimente und Notfälle überstanden haben, sind in limitierter Edition von maximal gut 400 Stück seit letztem Weihnachten auf dem Markt. Von der Collectors Edition mit allen vier Bieren gibt es sogar nur 66 Stück. Neuen Schub erhielt der Verkauf durch sehr gute Rangierungen der «Schwarzen Spinnen» an der Sios-Trophy Anfang April, den inoffiziellen Schweizer Meisterschaften der Hobbybrauer.

Inzwischen sei rund ein Drittel der Edition verkauft, gibt Martin Bühler Auskunft. Und wenn alles verkauft sei, werde sogar sein Aufwand einigermassen gedeckt sein – wobei sich dieser Aufwand auch in den Preisen niederschlägt. Dabei räumt er schmunzelnd ein, dass er die Reise zum Produzenten des Barbera D’Asti, den er für das Vintage Barrique Stout brauchte, wohl kaum werde als Geschäftsaufwand verbuchen können.

Emmentaler Hopfen

Nach acht entbehrungsreichen Jahren mit der «Schwarzen Spinne» steht der Sinn von Martin Bühler nun allerdings wieder nach lieblicheren Gefilden. «Müeti» heisst die neueste Edition der Brauerei Napf, die auf das nächste Weihnachten hin auch in der Flasche lanciert werden soll. Basis bildet im Emmental angepflanzter Hopfen, wobei ein Teil tatsächlich von Äckern von Bühlers Mutter auf der Kleinegg stammen. Die Gegend zwischen Sumiswald, Fritzenhaus, Bärhegen und Kirchstalden kennt auch lichte Tage.

Mehr: www.brauerei-napf.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.04.2016, 16:12 Uhr

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