Pfadiluft schnuppern – trotz allem

Langenthal

Die Pfadi Dreilinden engagiert sich neu für Kinder und Jugendliche mit körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen.

Ein Feuer ent­fachen, sich drumherum versammeln und darauf etwas bräteln gehört hier ganz einfach dazu.

Ein Feuer ent­fachen, sich drumherum versammeln und darauf etwas bräteln gehört hier ganz einfach dazu.

(Bild: Daniel Fuchs)

Brigitte Meier

Gemeinsam die Welt entdecken und sich nicht von Behinderungen einschränken lassen. Für einmal kein gewöhnlicher Samstagnachmittag für zwölf Kinder mit Beeinträchtigungen, die zum ersten Mal in der «Pfadi trotz allem» (PTA) mitmachen. Diese ist Teil des schweizweiten Projekts und wird neu von der Pfadi Dreilinden in Langenthal angeboten.

Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung können erfahren, dass sie eigene wertvolle Fähigkeiten und Fertigkeiten haben. «Dies mit verschiedenen Aktivitäten in einem sicheren Rahmen», sagt Mitinitiantin Stephanie Sommer. Die 24-Jährige hat soziale Arbeit studiert und ist im Behindertenbereich tätig. Die Idee einer speziellen Pfadigruppe hatte sie schon länger, besonders, weil in der Region kein solches Angebot vorhanden ist. Natürlich erfordere der Umgang mit speziellen Kindern neben der Pfadierfahrung ein gewisses Fachwissen. Im Team sind mehrere Leiter, die sich auch beruflich mit Menschen mit geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung beschäftigen.

Unsicherheiten legen sich

An diesem ersten Schnuppernachmittag werden die Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren von einem Elternteil begleitet. Natürlich ist es zunächst ungewohnt, in einer neuen Umgebung zu sein. Zwischendurch suchen die einen den Blickkontakt, nehmen Mamas Hand oder halten sich am Hosenbein von Papa fest. Doch dank der Unterstützung des fröhlichen ­Leitungsteams legen sich bald die erste Unsicherheit und die Schüchternheit.

Einige der Kinder kennen sich schon von der heilpädagogischen Schule in Langenthal. Und beim «Lumpelegä» oder «Zeitungslesen» lernt man rasch neue Kinder kennen. Nach der Begrüssung mit dem «Hathi-Blues» geht es auf eine Schnitzeljagd. Pfadileiterin Skiddles und Stoffelefant Hathi gehen voraus, während die erwartungsfrohen Kinder «Colonel Hathi» im Elefantenmarsch folgen.

«Es hat unglaublich Spass gemacht, und die Kinder hatten an kleinsten Dingen viel Freude.»Stephanie SommerMitinitiantin

Stolz zieht Cyrill den Leiter­wagen und findet eine erste Spur. «Ui, spitzig. Ich habe noch nie ­Sägemehl in der Hand gehabt.» Nach und nach entdecken die Kinder Holz, Zeitung, Alufolie, Schokolade und Bananen.

Es ist heiss, und bei einigen machen sich Durst und Müdigkeit bemerkbar. Einfühlsam und geduldig werden sie von den Leitern motiviert, ins Pfadiheim zurückzukehren. Aus grossen Kesseln werden Sirup und Wasser geschöpft. Derweil pflückt der blonde Finn einen grossen Strauss mit Löwenzahnblumen. Ihr Zvieri, Schoggibananen nach traditionellem «Pfadfinderrezept», dürfen die Kinder selber vorbereiten. Kreativität und gemeinsames Erleben spielen eine wichtige Rolle.

Ideale Gruppengrösse

Lächelnd sieht Jeanette Tschanz aus Lotzwil zu, wie geschickt ihr Sohn hilft, das Feuer zu entfachen. Seine in Alufolie verpackte Banane kennzeichnet er mit einem kleinen Stecklein. Der Zwölfjährige mit dem kecken Hut und gespiegelter Sonnenbrille besucht das Schulheim Rossfeld in Bern. Umso schwieriger ist es für ihn, in einem Verein oder Sportclub mitzumachen.

Neben dem prasselnden Feuer unterhalten sich zwei Väter. In Anbetracht der Schoggibananen könnte man durchaus eine ­50-plus-Pfadigruppe gründen, scherzen die beiden. Für den Papa des sechsjährigen Lian ist es sehr wichtig, dass sein Sohn Ak­tivitäten in der Gruppe auch ausserhalb des Kindergartens wahrnehmen kann. Das Erleben von Natur und Kameradschaft sei wertvoll. Dies bestätigen die anderen Eltern, sie schätzen dieses neue Angebot der PTA-Gruppe auch vom sozialen Aspekt her.

«Die Gruppengrösse war ideal. Es hat unglaublich Spass gemacht, und die Kinder hatten an kleinsten Dingen grosse Freude», sagt Stephanie Sommer und strahlt. «Bei Interesse ist es unser Ziel, einmal pro Monat diese spezielle Gruppe mit allgemeinen Pfadiaktivitäten zu führen.» Aber am schönsten strahlen zwölf Paar glückliche Kinderaugen. In der neuen «Hathi-Gruppe» durften sie erleben, wie es ist, Pfadfinder zu sein, und das tun, was Kinder am liebsten tun.

Langenthaler Tagblatt

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