Offene Fenster, verschlossene Türen

Huttwil

Wenige Fragen, dafür aber Applaus gab es am ersten öffentlichen Informationsanlass zum Projekt Mammutland. Noch offen ist allerdings der Baubeginn.

Ein Weg soll durch die Baumkronen führen.

Ein Weg soll durch die Baumkronen führen.

(Bild: Visualisierung: PD)

Jürg Rettenmund

Auf zweieinhalb Stunden Information hatte Walter Rohrbach, der Geschäftsführer des Huttwiler Verkehrsvereins Pro Regio, die Besucher der Veranstaltung zum Mammutland in Huttwil eingestimmt. Schliesslich schafften er und Werner Stark es in gut zwei Stunden – eine Pause von zehn Minuten inbegriffen. Das hing auch damit zusammen, dass das Gebotene kaum eine Frage unbeantwortet liess.

Medien sind unerwünscht

Erstmals präsentierte der Inhaber des Wiener Büros Pronatur seine Ideen für die Region zwischen St. Urban und dem Napf, Willisau und Affoltern im Emmental nicht vor einem ausgewählten Behördenpublikum, sondern für die breite Öffentlichkeit.

Rund 150 Personen nutzten diese Gelegenheit. Sie wurden von Werner Stark so lebendig und fundiert ins Bild gesetzt, dass sie ihm nach der ersten und der zweiten Halbzeit einfach warmen Applaus spendeten.

Eine der wenigen Fragen, die zur Halbzeit offen waren, beantwortete Walter Rohrbach im zweiten Teil: Wann geht es los mit der Bauerei in Huttwil und im benachbarten Ufhusen LU? Die Antwort war eigentlich keine: Der Zeitpunkt des Startschusses ist noch offen.

«Mammutland, Mammutpark, Baumkronenweg und Archäologiegrube werden 35 Vollzeitstellen schaffen, dazu kann mit bis zu 65 Stellen in der Region gerechnet werden.»

Denn ob es sich überhaupt lohnt, konkret zu planen, hängt von der Herdgemeinde Huttwil ab, der burgerlichen Korporation, der das Land im Rüttistalden gehört. Sie wird an ihrer nächsten Versammlung am 19. November einen Vorentscheid fällen, ob sie für das Projekt Land abgeben will. Erst wenn diese Zusicherung vorliegt, können Gesuche für öffentliche Fördergelder gestellt, Sponsoren und Gönner gesucht werden.

Vor einem Jahr hatten die Herdburger in einer Konsultativabstimmung schon einmal knapp Nein gesagt: Von den 58 Stimmberechtigten äusserten sich 25 negativ, 17 positiv und 16 enthielten sich der Stimme.

Doch damals lag zum Projekt erst ein Masterplan vor. Jedoch noch kein Businessplan, der aufzeigt, ob die Anlage auch rentabel betrieben werden und in der Region zusätzliche Wertschöpfung auslösen kann.

Inzwischen liegen diese vor, erstellt vom renommierten Tourismusberatungsunternehmen Grischconsulta aus Maienfeld GR. Einen Tag vor der breiten Öffentlichkeit war die Herdgemeinde direkt informiert worden. Weil von ihrem Entscheid alles abhängt, wollte diese Zeitung auch ihre Diskussion mitverfolgen. Doch der Verfasser wurde freundlich, aber bestimmt wieder nach Hause geschickt: Die Herdburgerinnen wollten keine Medien an ihrer Informations- und Diskussionsrunde.

Die Chance nutzen

Dabei genoss die Herdgemeinde das Privilleg, von Roland Zegg, dem Inhaber und Geschäftsführer von Grischconsulta, direkt informiert zu werden. Dem öffentlichen Informationsabend für die Normalsterblichen tat sein Fehlen jedoch keinen Abbruch. Werner Stark übernahm auch diesen Part problemlos.

«Der auf 16 Millionen Franken veranschlagte Park kann nur ohne verzinste Darlehen rentabel betrieben werden.»

Die Haupterkenntnisse der Zahlenbeigerei: Die zentralen Elemente des Mammutlandes, Mammutpark, Baumkronenweg und Archäologiegrube, werden 35 Vollzeitstellen schaffen, dazu kann mit bis zu 65 neuen Stellen in der Region gerechnet werden. Zudem kann der auf 16 Millionen Franken veranschlagte Park rentabel betrieben werden, allerdings nur, wenn keine Darlehen verzinst werden müssen.

Eine Erkenntnis, die Roland Zegg den Herdburgerinnen und Herdburgern mit auf den Weg gegeben hatte, wollte Walter Rohrbach den Besuchern des öffentlichen Informationsanlasses nicht vorenthalten, indem er ihn zitierte: «Irgendeinmal geht ein Fenster auf, dann geht es wieder zu.

Es ist an Ihnen, die Chance zu nutzen, wenn es offen ist.» Ob die Herdgemeinde am 19. November zupacken wird, blieb hinter ihren verschlossenen Türen vorderhand verborgen. Auf Nachfrage dieser Zeitung hielt Walter Rohrbach jedoch fest, dass er nach dem Auftritt bei den Herdburgerinnen und Herdburgern zuversichtlich sei.

Der auf 16 Millionen Franken veranschlagte Park kann nur rentabel betrieben werden, wenn keine Darlehen verzinst werden müssen.

Langenthaler Tagblatt

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