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Neue Tourismus-Vorteile gibt es nicht gratis

Wenn die Oberaargauer Gemeinden künftig pro Einwohner 2.50 Franken für eine Tourismusorganisation bezahlen, dann bieten sie den Einwohnern auch einen Service, damit diese ihre Freizeit ­gestalten können: Davon ist der Vorstand der Region überzeugt.

«Wir sprechen bewusst von einer Tourismus- und Freizeitstrategie, die es zu finanzieren gilt»: Stefan Costa, Geschäftsführer Region Oberaargau
«Wir sprechen bewusst von einer Tourismus- und Freizeitstrategie, die es zu finanzieren gilt»: Stefan Costa, Geschäftsführer Region Oberaargau
Thomas Peter

Dass der Oberaargau an seine Grenzen stösst, wenn er Touristen anlocken will, das erlebte die Region mit ihrer Designtour: Tourismuskoordinatorin Uschi Tschannen gelang es zwar mit viel Engagement, fünf Industriebetriebe aus Langenthal und ­Umgebung fürs Mitmachen zu gewinnen. Doch als es darum ging, einen Partner zu suchen, bei dem interessierte Gäste das gemeinsam geschnürte Paket buchen können, liess sich dieser nicht finden.

«Es ist jedoch nicht die Aufgabe unserer Geschäftsstelle, dies auf Dauer zu über­nehmen», hält Geschäftsführer Stefan Costa fest. «Wir wollen uns wieder anderen Aufgaben ­annehmen.»Buchbare Angebote sind jedoch gefragt, seit der Oberaargau in die Destination Bern eingebettet ist und von deren Vermarktungskanälen profitieren kann. Deshalb liess die Region ihre ­Organisation im Bereich Tourismus vom Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern untersuchen. Nun liegt ein Lösungsvorschlag vor und wird den Delegierten am 19. Mai zum Entscheid unterbreitet.

Ursprünglich war davon die Rede, dass die Pro-Kopf-Beiträge für den Tourismus von 40 Rappen auf 5 Franken pro Einwohner angehoben werden müssen. Dem Vorstand sei jedoch bewusst gewesen, dass dies von den Gemeinden nicht akzeptiert würde, gibt sich Stefan Costa realistisch. ­Deshalb habe man geprüft, wo Abstriche möglich seien. In­zwischen konnte dieser Betrag ­halbiert werden.

Dezentrale Infostellen

Damit werde eine Organisation möglich, die auch in den einzelnen Subregionen des Oberaargaus präsent sei, betont der Geschäftsführer. «Mit noch tieferen Beiträgen geht das nicht mehr.» Dezentrale Infostellen seien jedoch nicht nur wichtig, damit die Geschäftsstelle die Angebote im ganzen Oberaargau kenne, sondern auch, damit die Bevölkerung einen Ansprechpartner vor Ort habe und sich dort informieren könne, was es in der eigenen ­Region gebe. Bewusst spricht die Region deshalb von einer Tourismus- und Freizeitstrategie, die es zu finanzieren gelte.

Konkret vorgesehen ist, die neue Geschäftsstelle des Tourismus für den Oberaargau beim Huttwiler Verkehrsverein Pro Regio anzusiedeln. Dieser erbringt für die Gemeinden im ­oberen Langetental bereits heute Leistungen, wie sie für die zukünftige Tourismusorganisation Oberaargau geplant sind. Mit wem dieser für die regionalen Infostellen zusammenarbeitet, lässt die Region offen.

Stadt will Vernehmlassung

Kritisiert wird das von der Stadt Langenthal. Sie wird an der ­Delegiertenversammlung einen Rückweisungsantrag stellen, wie Stadtpräsident Reto Müller (SP) bestätigt. Die Kritik sei nicht grundsätzlicher Art, sondern ­betreffe das Tempo, das nun angeschlagen werde. Der Gemeinderat von Langenthal vermisst eine Koordination mit ähnlich gelagerten Aktivitäten der Stadt.

Den Einwand des Regionsvorstandes, die Strategie sei letztes Jahr anlässlich von zwei Workshops eingehend vorgestellt ­worden, lässt Reto Müller nicht gelten: Langenthal verlangt eine schriftliche Vernehmlassung. Wie sich die Delegierten von ­Langenthal verhalten werden, falls ihr Rückweisungsantrag abgelehnt wird, gibt der Stadtpräsident vor der Versammlung nicht bekannt. Der Vorstand seinerseits verweist auf die beschränkten Mittel, die für die Studie des Instituts für Tourismuswirtschaft zur Verfügung standen.

Die Erhöhung der Beiträge soll denn auch auf vier Jahre beschränkt werden, wobei eine Standortbestimmung nach drei Jahren klären soll, wie es weitergeht. Der vorgesehene Pro-Kopf-Beitrag bewegt sich in dem Rahmen, den sich das Marktstädtchen Huttwil bereits heute leistet: Neben den 40 Rappen für die Region Oberaargau unterstützt es Pro Regio mit 2 Franken pro Einwohner. Seine Nachbargemeinden steuern dort 50 Rappen bei. Diese Beiträge entfallen für sie künftig respektive gehen neu ebenfalls an den Oberaargau.

360 Stellenprozente

Bisher bezahlten die Gemeinden 32'000 Franken an die Region Oberaargau, 46'000 Franken an Pro Regio. Mit den vorgesehenen neuen Beiträgen werden es 220'000 Franken sein. Ihr Scherflein beitragen sollen jedoch auch die Gönner der Region. Sie sollen künftig 40'000 statt 15'000 Franken beisteuern. Zusammen mit weiteren Einnahmen stünden künftig 467'000 Franken zur ­Verfügung, mit denen 3,6 Stellen finanziert werden könnten.

Eines haben allerdings bereits die Autoren der Studie klar­gemacht: Eine voll ausgebaute Tourismusorganisation bekommt der Oberaargau mit dieser abgespeckten Vorlage noch nicht. ­Dafür müssten die Beiträge weiter erhöht werden – wobei ­davon ausgegangen werden kann, dass Gemeinden und Gönner nicht ­alle Mehrkosten übernehmen müssen. Denn bei mehr Angeboten, die auch gebucht werden können, kann die Tourismusorganisation selbst mehr Mittel aus Provisionen erarbeiten – zum Beispiel aus der Designtour.

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