Neue Ideen für den Ortskern

Herzogenbuchsee

Die Pläne für das Bahnhofareal in Herzogenbuchsee werden konkreter: Die Gemeinde möchte das Quartier im Osten verdichten und durch eine breitere Unterführung mit dem Westen des Dorfes verbinden. So soll städtisches Flair entstehen.

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Die Veränderungen, die auf das Bahnhofareal Herzogenbuchsee in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zukommen, sind gewaltig. «Das Gesicht des Quartiers wird sich nachhaltig verändern», stellt Gemeindepräsident Markus Loosli (FDP) klar. «Die Gemeinde wird urbaner werden. Das ist eine grosse Herausforderung.» Neben der Gestaltung des eigentlichen Bahnhofplatzes und der Verbesserung der Verkehrssituation gehe es vorab um eine sinnvolle Verdichtung des Gebiets.

Das diesbezüglich grosses Potenzial besteht, haben auch Studierende der Berner Fachhochschule festgestellt, die voriges Jahr im Kornhaus ihre Vorschläge für die Entwicklung des Bahnhofareals vorgestellt hatten.

Anzahl Gebäude verdreifacht

Ein Beispiel, in welche Richtung es bei der Verdichtung des Quartiers Ost gehen könnte, hat das Architekturbüro Aebi & Vincent in Bern geliefert. Dessen Pläne, die als städtebauliche Vision zu verstehen seien, wie Loosli betont, zeigen auf, wie sich die Anzahl Gebäude in der Bitziusstrasse zwischen Gemeindepark und Bahnhof verdreifachen liesse. «Die historisch bedeutenden Gebäude sind zentral im Sinne der identitätsstiftenden Elemente, andere könnten erneuert werden», sagt Loosli.

In den neuen, mehrstöckigen Bauten könnten im Erdgeschoss Dienstleistungen und in den Obergeschossen Wohnungen Platz finden. Ihren Abschluss fände diese Hauptachse beim Bahnhof, wo ein neues, grösseres Gebäude entstehen könnte, das Platz für einen Einkaufsladen bieten würde. «Es wird im grösseren Kontext aufgezeigt, wie das Potenzial der ­inneren Verdichtung genutzt werden kann», so der Gemeinde­präsident.

Ein Masterplan nötig

Die Vorteile einer Verdichtung im Osten liegen für Markus Loosli auf der Hand: Endlich käme es zu einer für die städtebauliche Entwicklung von Buchsi so wichtigen Verbindung zwischen Dorfkern und Bahnhofplatz. «Wollen wir in Buchsi ein städtisches Flair, braucht es diese Dichte.»

Dem Gemeindepräsidenten ist aber auch bewusst, dass viele Gespräche und Geduld dafür nötig sind, die rund 15 Eigentümer, die davon betroffen wären, für das Vorhaben zu gewinnen. «Wir wollen ihnen die Chancen aufzeigen, die damit verbunden sind.» Kommt hinzu, dass die Denkmalpflege ebenfalls ein Wörtchen mitreden wird – befinden sich doch im Perimeter zwischen Bahnhof- und Bitziusstrasse auch rund zehn denkmalgeschützte Liegenschaften. Letztlich müssten auch die SBB als Liegenschaftsbesitzerin beim Bahnhof ihre Zustimmung geben.

Für die komplette Umgestaltung des Bahnhofquartiers Ost soll nun in einem nächsten Planungsschritt ein Masterplan erarbeitet werden, der auch den Forderungen der Denkmalpflege nach einem Gesamtkonzept Rechnung trägt. Die Umsetzung, da ist sich Gemeindeverwalter Rolf Habegger sicher, sollte die Gemeinde die nächsten zwanzig oder dreissig Jahre beschäftigen.

«Sportlicher Zeitplan»

Wesentlich zeitnaher realisieren möchte der Gemeinderat die Umgestaltung des Bahnhofplatzes. Denn: Die SBB lassen den ­Bahnhof Herzogenbuchsee bis 2021/2022 sanieren und behindertengerecht umbauen. «Wollen wir Synergien nutzen, sind wir gezwungen, uns nach den SBB zu richten», sagt Markus Loosli. So müsse etwa auch der Busbahnhof bis dahin behindertengerecht umgebaut werden. Weshalb die Gemeinde nun zwingend mit den ersten Planungen für den Bahnhofplatz habe beginnen müssen. «Der Zeitplan ist sportlich», sagt Loosli.

Der Richtplan Bahnhofgebiet und der Richtplan Verkehr sehen auf dem Bahnhofplatz, in der Bahnhof- und der Bitziusstrasse sowie den dazwischen liegenden Teilen der Unterstrasse und der Fabrikstrasse die Schaffung von Begegnungszonen vor. «Man sollte sich als Fussgänger wohlfühlen», so Loosli. Hierzu gehört auch, dass der Verkehr besser geregelt wird: Der Bahnhofplatz soll ohne Parkplätze gestaltet werden.

Für den Platz prägend sein dürfte aber vor allem die Planung der Personenunterführung, die auch Einfluss auf die Gestaltung des Busbahnhofs haben soll. Ursprünglich war die Idee, die bestehende Personenunterführung der SBB zu verlängern und zu verbreitern, sodass von Westen her ein neuer Zugang gebaut werden kann. Für die Erstellung einer Studie durch die SBB hatte der Gemeinderat vergangenen Frühling 150'000 Franken gesprochen. Doch auch dort sind die Überlegungen mittlerweile weiter fortgeschritten.

Unterführung soll verbinden

«Selbst wenn wir die bestehende Unterführung verlängern würden, bestünde immer noch eine Barriere zwischen Ost und West. Die Bahn ist wie eine Mauer, die sich durchs Dorf zieht», erklärt Markus Loosli. Ziel sei es, die beiden Dorfteile miteinander zu verbinden. «Der neue Bahnhofplatz soll zum Leben einladen.» Erreichen möchte die Gemeinde dies mit einer breiteren Unterführung, die unter den Gleisen hindurchführt und die nicht nur von den Fussgängern, sondern auch den Velofahrern benutzt werden könnte. Auch der Verkehr würde damit entlastet: So wird die Idee geprüft, dass der Bus Richtung Solothurn künftig auf der westlichen Seite des Bahnhofquartiers halten könnte.

Den Kredit dafür, bei den SBB ein Vorprojekt in Auftrag geben zu können, möchte der Gemeinderat bereits diesen Juni abholen. Neben der ursprünglichen Variante mit der Verlängerung der bestehenden Unterführung würde das Architekturbüro Aebi & Vincent anschliessend auch eine zehn sowie eine fünfzehn Meter breite Unterführung prüfen. Die Kosten für einen Neubau beliefen sich laut Habegger vermutlich auf rund 10 Millionen Franken. Zum Vergleich: Eine Studie der SBB ging vor etwas mehr als zehn Jahren noch von Kosten in Höhe von 2 Millionen Franken aus.

Einsprachen hängig

Die Pläne für das Quartier West, das über die neue Unterführung mit dem restlichen Ortskern verbunden würde, sind schon seit längerer Zeit bekannt: Anstelle der jetzigen Industriebrache auf dem Gebiet der Genossenschaft Fenaco und der Firma HG Commerciale soll ein neues Quartier entstehen. Auf knapp 7 Hektaren Land kann dort Wohnraum für bis zu 2000 Einwohner oder je nach Nutzungsmix Platz für 2000 Dienstleistungsarbeitsplätze realisiert werden. Daran habe sich nichts geändert, versichert Loosli.

Das Gebiet westlich des Bahnhofs ist das Herzstück der Buchser Ortsplanungsrevision. Dessen Realisierung ist aber von der Sammelstrasse West abhängig, mit der das brach liegende Gebiet in fünf Zonen mit Planungspflicht umgezont und entlang der Bahnlinie erschlossen werden soll. Schon der Kredit für die Projektierung der Strasse hatte für kritische Voten gesorgt, war im Juni 2012 aber von der Gemeindeversammlung genehmigt worden. Doch auch gegen die ÜO Quartiersammelstrasse West gibt es Widerstand; es sind fünf Einsprachen hängig, weshalb eine Genehmigung durch den Kanton noch aussteht.

Für den Standort Bahnhof war im September 2014 die Aufnahme in das Entwicklungsschwerpunktprogramm beschlossen worden. Ende vorigen Jahres wurde er in den kantonalen Richtplan aufgenommen. Auch dies war ein Vorbote für die Veränderungen, die anstehen.

Berner Zeitung

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