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Neue Eishockeystadion: So reagieren die Schrebergärteler

Vergleichsweise gelassen nehmen die Mieter der Stadt Langenthal den Entscheid hin, dass ihre Pflanzungen im Hard einem Stadion Platz machen sollen. Aber auch mit Wehmut.

Statt Gemüse gezogen wird hier voraussichtlich bald Eishockey gespielt.
Statt Gemüse gezogen wird hier voraussichtlich bald Eishockey gespielt.
Thomas Peter

Salat, Bohnen, Rüebli und Kartoffeln gedeihen heute da, wo dereinst ein Eishockeystadion stehen könnte. Für die Pflanzungen und Gartenhäuschen Marke Eigenbau im Gebiet Hard will die Stadt als Vermieterin in diesem Fall woanders Platz finden.

Es ist eine Langenthaler Eigenheit: Die Gartenkolonisatoren sind hier nicht in einem Verein organisiert, sondern mieten ihre Gartenparzelle einzeln bei der Stadt. Die Liste der Mieterinnen und Mieter macht die Stadt nicht öffentlich, daher muss an dieser Stelle auch offenbleiben, wie viele es sind.

In einem Sportgebiet

Die Enttäuschung darüber, dass ihre Gärten nun als Standort für das neue Stadion feststeht, hält sich bei einzelnen Angesprochenen in Grenzen – aus verschiedenen Gründen. «Wir haben von Anfang an gewusst, dass wir uns in Sportgebiet befinden», sagt Urs Hiltbrunner, der seit gut 20 Jahren einen Schrebergartenblätz bewirtschaftet. «Uns war immer klar, dass irgendwann irgendeine Sportanlage konkret wird.»

Ins selbe Horn stösst Heinz Mori, mit 23 oder 24 Jahren Mietdauer ebenfalls ein ausgewiesen langjähriger Langenthaler Schrebergärtner. Er rechnet ebenfalls damit, dass er seinen Garten zugunsten der Sportstättenplanung irgendwann aufgeben muss. Ohnehin, sagt Mori, «wir alle werden älter».

Die Gelassenheit der ange­sprochenen Schrebergärteler gründet mitunter darauf, dass sie allesamt älteren Jahrgangs sind und auch ihr Alter als Argument ins Feld führen. Hiltbrunner und Mori haben mit Stadtpräsident Reto Müller (SP) im Vorfeld gesprochen und wurden über den Entscheid vororientiert.

Darauf gehofft, dass der Standort Schoren stattdessen zum Zug kommt, hat Bruno Eggermann. «Das hätte auch ökologisch Sinn gemacht», findet er als SCL-Fan, der die Info am Match vor einer Woche erhalten hat: weil der Schaden seiner Ansicht nach weniger gross gewesen wäre, wenn der Wald andernorts wieder aufgeforstet worden wäre. In den 25 bis 30 Jahren, in denen er und seine Frau im Hard biologisch gärtnern und sich mit Gemüse selbst versorgen, hat er «eine gewisse Beziehung zum Boden» entwickelt. Daher sei ein anderes Stück an einem anderen Ort auch nicht das Gleiche.

Wohin geht die Reise?

Ihn nimmt wie auch die anderen angefragten Schrebergarten­mieter wunder, wohin sie aus­weichen können. Eggermann verweist auf die Bedeutung dieser Gartenkolonie, die vielen Wohnungsmietern die Möglichkeit bietet, selber etwas zu gestalten und eigenes Gemüse zu ziehen.

Erlebt, was es heisst, seinen Pflanzblätz abzugeben, hat Gerhard Rohrhirs bereits. Von vier Jahrzehnten als Schreibergartenmieter verbrachte er daher nur die letzten 15 Jahre im Hard, in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. «Wenn ich künftig das Auto zum Garten nehmen muss, macht das keinen Sinn mehr», stellt er fest. «Es ist schade», sagt er weiter. «Aber machen kann ich ja ohnehin nichts.»

Nebst dem Faktor Alter gründet die Gelassenheit der befragten Schrebergärteler darauf, dass die Planung noch nicht konkret ist. «Da muss man gar nicht nervös werden», findet Mori, «die Gemeinde sagt nur, wo das Land für ein Stadion vorhanden ist, aber irgendjemand muss das ja dann auch noch bezahlen.» Bis ein Stadion steht, wird im Hard noch jede Menge Salat geschnitten, werden viele Bohnen gezogen oder Rüebli und Kartoffeln ausgegraben.

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