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Nach Unfall: Versicherung muss die Kosten übernehmen

Im Nachgang eines Unfalls verweigerte die Unfallversicherung einem Tetraplegiker ihre Leistungen: Ein Arbeitsverhältnis habe nicht mehr bestanden. Dieser klagte sie ein – und erhielt recht.

Am Freitag beendete das Verwaltungsgericht einen Rechtsstreit zwischen einem Tetraplagiker und dessen Unfallversicherung. (Symbolbild)
Am Freitag beendete das Verwaltungsgericht einen Rechtsstreit zwischen einem Tetraplagiker und dessen Unfallversicherung. (Symbolbild)

Der 32-Jährige hatte sich beim Kitesurfen im Ausland schwere Rückenverletzungen zugezogen. Im Paraplegikerzentrum in Nottwil wurde anschliessend eine Tetraplegie diagnostiziert. Seine Unfallversicherung lehnte einen Anspruch auf Unfallversicherungsleistungen ab mit der Begründung, der Verunfallte sei nicht mehr bei ihr versichert gewesen.

Wechsel im Arbeitsrhythmus

Es folgte ein Rechtsstreit, in dem nun das Verwaltungsgericht ein Urteil gefällt hat. Aufgrund der Akten ist unbestritten, dass es sich um einen Unfall handelt, stellen die Richter fest. Ausserdem sei die Unfallkausalität der gesundheitlichen Beeinträchtigungen nie zur Diskussion gestanden. Der Verunfallte war angestellt; jedoch wechselten die Modalitäten: Statt unbefristet und Vollzeit wurde er drei Monate vor dem Unfall befristet mit einem Pensum von 50 Prozent angestellt.

Dies, weil erst das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen beendet worden war, der junge Mann aber zugesagt hatte, seinen Nachfolger noch einzuarbeiten. Er verlängerte diese Zusage. Im Februar arbeitete er zu 50 Prozent, im März stand er für eine Pauschale punktuell zur Verfügung. Im April verunfallte er in den Ferien.

Daraufhin fragte die Versicherung nach. Und stellte sich auf den Standpunkt, dass das Ar­beitsverhältnis bereits Ende Februar geendet hatte.

Anspruch: Ja oder nein?

Das Unfallversicherungsgesetz besagt, dass die Versicherung an dem Tag beginnt, an dem ein Arbeitnehmer aufgrund der Anstellung die Arbeit antritt oder hätte antreten sollen – in jedem Fall aber im Zeitpunkt, da er sich auf den Weg zur Arbeit begibt. Die Versicherung endet mit dem 30. Tag nach dem Tage, an dem der Anspruch auf mindestens den halben Lohn aufhört.

Pauschale gilt als Lohn

Für das Verwaltungsgericht ist entscheidend, ob die im März ausgerichtete pauschale Entschädigung als Lohn gilt oder nicht. Wenn ja, dann wäre die 30-tägige Nachdeckung zum Tragen gekommen. Es sei naheliegend, dass im Voraus nicht genau habe definiert werden können, wie viele Stunden noch dazu erforderlich waren, den Nachfolger einzuarbeiten. Die Erklärung rund um die Pauschalentschädigung sei plausibel.

Das Verwaltungsgericht geht davon aus, dass die Nachdeckungsfrist frühestens Mitte März begann und daher eine knappe Woche nach dem Unfall auslief. Damit hat die Versicherung zu Unrecht die Leistungen aberkannt. Die Versicherungsgesellschaft muss auf ihren Entscheid zurückkommen und dem Verunfallten darüber hinaus die Parteikosten von rund 3500 Franken erstatten.

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