Mit Präzision und Fleiss

Niederbipp

In der Firma Sumec in Niederbipp übernimmt Sohn Dominik die Leitung von Vater Urs Schneeberger. Als Redner geladen war Kranzschwinger Matthias Glarner – er kam als neuer Schwingerkönig.

Sohn Dominik und Vater Urs Schneeberger mit König: Sie hatten Matthias Glarner lange vor dem «Eidgenössischen» eingeladen. Jetzt durften sie den zurzeit gesuchtesten Schwinger als Erste zur Feier ihrer Firmenübergabe begrüssen.

Sohn Dominik und Vater Urs Schneeberger mit König: Sie hatten Matthias Glarner lange vor dem «Eidgenössischen» eingeladen. Jetzt durften sie den zurzeit gesuchtesten Schwinger als Erste zur Feier ihrer Firmenübergabe begrüssen.

(Bild: Robert Grogg)

Das Unternehmen für Maschinen- und Anlagenbau in der Niederbipper Leenrütimatt beschäftigt heute 45 Mitarbeitende und macht gut 8 Millionen Franken Umsatz. Begonnen hat die ungewöhnliche Firmengeschichte vor 30 Jahren in einer Garage in Rumisberg. Urs Schneeberger arbeitete damals in der Papierfabrik Tela. Am Abend und am Wochenende begann er zu Hause an Dreh- und Fräsmaschinen Einzelteile und Kleinserien zu produzieren.

Der damals neunjährige Sohn Dominik erinnert sich: «Sogar in meinem Zimmer mit der Modelleisenbahn wurde geschweisst.» Tagsüber arbeitete Mutter Marianna an den Maschinen. Und wenn Urs Schneeberger am Samstag in der Tela Überstunden leistete, nahm er seinen Sohn mit. Seither sei sein Berufswunsch klar gewesen, sagt Dominik Schneeberger heute.

1986 wagte die Familie den Schritt in die Selbstständigkeit – ohne Kapital. Zwei Jahre später bezog sie eine Halle in Wied­lisbach. «Nur eine Solothurner Bank glaubte an uns», erklärte Urs Schneeberger am Donnerstagabend vor Gästen und Kunden, «heute wäre das alles unmöglich.» 1999 bezog die Sumec mit mittlerweile 25 Mitarbeitern einen Neubau in Niederbipp. Die aktuelle Erweiterung für den rostfreien Anlagen- und Apparatebau sowie ein Werkzeugmagazin hat man gleich selber gebaut.

Spezialität Pumpen

Zu Jahresbeginn haben Dominik und seine Frau Janine Schneeberger die Leitung der Firma übernommen. Firmengründer Urs Schneeberger bleibt Verwaltungsratspräsident.

Was Sumec genau macht, lässt sich am besten anhand von Beispielen aufzeigen. So entwickelte und baute das Unternehmen 2013 für die Kraftwerke Mattmark eine neue Turbinenkühlanlage. Zuvor mussten die Turbinen häufig ausgeschaltet werden, weil Sand Störungen verursachte. Eine ähnliche Aufgabe löste man beim Kraftwerk Linth-Limmern. Im Universitätsspitalzentrum des Kantons Waadt wurde ein kompletter Kühlkreislauf eingebaut.

Beim Neubau einer Papiermaschine der Firma Perlen verarbeitete Sumec 250 Tonnen Stahl. Auch nach dem Tela-Brand in Niederbipp kam die Firma zum Einsatz: Man montierte die zerstörten Maschinen ab und installierte die neuen. Es folgten Aufträge im Paketzentrum Härkingen oder bei der Zugwaschanlage der SBB in Bellinzona.

Unter grösster Geheimhaltung wurden jene Kufen entwickelt, mit denen Bobpilot Beat Hefti in Sotschi Silber holte. Es entstanden aber auch Einspritzdüsen für Butter bei Emmi oder Formen für Burger einer Grossmetzgerei. Urs Schneeberger bezeichnet die Sumec heute als Firma mit motivierten Fachleuten, die von der Idee über die Fertigung bis hin zur Montage und einem 24-Stunden-Service alles übernähmen.

Sonderlösungen

Viel ändern will sein Sohn nicht. «Marketing und Aussendienst bauen wir aus», sagt er, «wir wollen besser und schneller werden, aber nicht um jeden Preis wachsen.» Sonderlösungen seien die Stärke des Unternehmens.

Hans-Jürg Käser überbrachte die Grüsse der Regierung und erklärte, es sei eine Stärke des Kantons Bern, Netzwerke zu nutzen. Auf diese Weise sei auch er über einen Musiker angefragt und eingeladen worden.

Als Kranzschwinger und Redner angekündigt war Matthias Glarner. Auch hier spielte das Netzwerk: Früher arbeitete der Schwinger Bruno Gisler bei Sumec. Heute zählt mit Simon Bohner ein anderer Schwinger zu den Mitarbeitern. Er hatte Glarner vermittelt.

Selfies mit dem König

«Ein Schwinger steht zu seinem Wort», erklärte der neue Schwingerkönig, «auch wenn im Moment einiges los ist.» Er hatte ein Referat vorbereitet. Das Thema: Vorbereitung auf den Tag X. «Mittlerweile weiss ich, dass es funktioniert», so der Oberländer Hüne schmunzelnd. Weit lockerer als im Fernsehen gab er viel Privates preis. Sein Vater habe immer gesagt: «Du musst nicht, du darfst – aber wenn, dann mach es richtig.» Er fand viele Gemeinsamkeiten mit Sumec, etwa Präzision und Fleiss.

Glarner hat ursprünglich Polymechaniker gelernt, studierte Sport und Geschichte, hat ein Lehrdiplom. Heute ist er Personalbetreuer bei den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg. Und er ist ein Jahr älter als die Sumec. «In Estavayer habe ich bewiesen, dass man damit nicht zu alt ist.» Bei der Verabschiedung von zwei Pensionierten zeigte sich: Sumec gibt auch unverschuldet arbeitslosen Leuten über 60 eine Chance und macht damit gute Erfahrungen.

Das Honorar für den allerersten Auftritt als Schwingerkönig wird «Mättu» Glarner in Form eines Grills erhalten, der in Niederbipp speziell für ihn gebaut wird. Im Gegenzug stellte er sich für unzählige Selfies zur Ver­fügung.

Tag der offenen Tür: Samstag von 10 bis 15 Uhr.

Berner Zeitung

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