Mit dem Biber leben lernen

Zahlreiche Dämme hat der Biber im Oberaargau entlang von Flüssen und Bächen inzwischen errichtet. Was gut ist für die Artenvielfalt, hat gerade aus landwirtschaftlicher Sicht auch seine Schattenseiten.

Der Biber bewohnt zunehmend auch die kleineren Bäche im Oberaargau. Wo der Wasserstand tief ist oder stark schwankt, baut er Dämme.

Der Biber bewohnt zunehmend auch die kleineren Bäche im Oberaargau. Wo der Wasserstand tief ist oder stark schwankt, baut er Dämme.

(Bild: Christof Angst/zvg)

Kathrin Holzer

Auf insgesamt zehn Exkursionen in der ganzen Schweiz gibt die Naturschutzorganisation Pro Na­tura in diesen Wochen Einblick in die Lebenswelt des Bibers. Auf die Spuren des Nagers begibt sich am Sonntag auch eine Familienexpedition ab dem Bahnhof Roggwil-Wynau. Den Biber selber gibt es auf solchen Ausflügen in der Regel zwar nicht zu sehen. Seine Spuren allerdings schon.

Der Biberbestand ist seit einer letzten Erhebung vor acht Jahren landesweit massiv gestiegen: von 1600 auf 2800 Tiere schweizweit, um 255 Prozent allein im Kanton Bern. Mit ei­nem Anstieg von 34 auf 147 Biber sogar mehr als vervierfacht hat sich der Biberbestand zwischen 2008 und 2015 im Oberaargau und im angrenzenden Wasseramt.

Vom Bibervorkommen zeugen in der Region daher längst nicht mehr nur vereinzelte Spuren entlang von Aare und Önz. Auch in Teile der Langete, der Rot und in kleinere Bäche ist der Biber vorgedrungen.

Ans Wasser gebunden

Die Kehrseite der erfolgreichen Wiederansiedlung des im 19. Jahrhundert schweizweit ausgestorbenen Bibers sind abgeholzte Waldstücke, gestaute Bäche, unterhöhlte Wege oder abgefressene Felder. Die Schuld will Karin Thüler vom kantonalen Jagdinspektorat aber nicht einfach dem Tier zuschieben. «Konflikte mit dem Biber gibt es dort, wo der Mensch zu nahe am Wasser ist», sagt sie und gibt zu Bedenken: Der Biber sei von seiner Lebensweise her ans Wasser gebunden. Um Schäden zu minimieren, sei das Ausscheiden des Gewässerraumes daher unerlässlich. Gleichzeitig sei es aber auch Aufgabe der Wildhüter, erste Ansprechpartner bei Biberschäden, den Geschädigten zuzuhören, sie zu beraten und Massnahmen ­einzuleiten, um den Konflikt zu minimieren.

Diesbezüglich sei der Oberaargau sogar eine Vorbildregion, hält Karin Thüler fest. Durch das Smaragdgebiet würden in der ­Region schon seit längerem alle Akteure mit einbezogen. «Viele Konflikte konnten dadurch aufgefangen werden.»

Nicht ohne Wildhüter

Das bestätigt auch Jürg Knutti. Als zuständiger Wildhüter im Oberaargau ist er immer wieder mit Biberschäden konfrontiert. Etwa, wenn der Biber sich auf seiner Nahrungssuche wie unlängst in Aarwangen im Rübenfeld bedient. Oder wenn er wie vor ein paar Jahren im Bernerschachen bei Attiswil einen ganzen Jungbaumbestand zerstört. Nicht selten lässt der Biber die Bäume zwar stehen, frisst aber die Rinde ab, sodass keine Blätter mehr nachwachsen. So fällt das Licht auf die bodennahen Weichhölzer, die für den Biber eine wichtige Nahrungsgrundlage bilden.

Solche Schäden ab 100 Franken an Wald oder Landwirtschaft würden immer vergütet, erklärt Knutti. «Vorausgesetzt natürlich, dass der Wildhüter den entstandenen Schaden vor einer allfälligen Ernte begutachten kann.» Komplizierter wird es, wenn Schäden an Infrastrukturen entstehen. Immer wieder führen ­Biberdämme zu unterhöhlten Strassen, beschädigten Brücken oder Überschwemmungen in nahen Siedlungsgebieten.

Und mit den Tieren ist auch die Zahl der Dämme gestiegen: Eine Vielzahl ist es bereits im Oberaargau; genannte Schäden sind daher keine Seltenheit. Und – weil für die Abgeltung von Schäden an Infrastrukturen die gesetzliche Grundlage fehlt und Biberdämme gleichzeitig geschützt sind – damit verbunden auch zusätzliche Emotionen bei den Betroffenen.

Dennoch sei es auch hier wichtig, den Wildhüter beizuziehen, betont Knutti. Auch wenn Dämme grundsätzlich geschützt sind, so finde man in der Regel Lösungen, um Schäden zu verhindern oder zumindest zu minimieren.

Objektive Beurteilung

Und auch hier kommt dem Oberaargau nun eine besondere Rolle zu: Im Rahmen des Managementplans Smaragdgebiet Oberaargau, der derzeit erarbeitet wird und später als Koordinationsinstrument für Smaragdgebiete in der ganzen Schweiz zum Einsatz kommen soll, hat sich eine Gruppe unter Peter Lakerveld, Geschäftsführer von Hallo Biber Mittelland, explizit mit dem Problem der Biberdämme befasst.

Der nun vorliegende Managementplan solle Wildhütern schweizweit als Entscheidgrundlage dienen, ob ein Damm erhalten werden müsse oder entfernt werden könne, erklärt Lakerveld. Es gehe darum, Transparenz zu schaffen und eine objektivere Beurteilung zu ermöglichen, als dies bisher der Fall war.

Exkursion auf den Spuren der Biber in Roggwil: Sonntag, 3. April. Treffpunkt: 14 Uhr, SBB-Bahnhof Roggwil-Wynau. Anmeldung bis Freitag an biberexkursion@gmx.ch. Infos unter Tel. 077 445 15 96.

Berner Zeitung

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