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Mit 30 bereits an der Spitze

Thomas Schneeberger, der neue Gemeindepräsident, musste sich noch nicht mit dem Thema Fusion beschäftigen. Ob das so bleibt, weiss er allerdings nicht.

Thomas Schneeberger liess sich von der Arbeit im Gemeinderat begeistern und wird nun Gemeindepräsident.
Thomas Schneeberger liess sich von der Arbeit im Gemeinderat begeistern und wird nun Gemeindepräsident.
Beat Mathys

Er wolle Junge davon überzeugen, dass die Gemeindearbeit auch in ihrem Alter attraktiv, «cool» sein könne, sagte Christian Jeremias, der neue Gemeindepräsident von Ursenbach, kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung. Bei einem im Nachbardorf muss er das nicht mehr: Thomas Schneeberger ist 30-jährig und von Neujahr an Gemeindepräsident von Oeschenbach. Anders als der um zehn Jahre ältere Ursenbacher blickt er bereits auf drei Jahre in der Exekutive seiner Gemeinde zurück.

Nie angestrebt

Ein politisches Amt habe er allerdings nie angestrebt, hält Thomas Schneeberger fest. Der Gemeinderat habe vielmehr einen Anlass durchgeführt, um möglichen neuen Räten die Arbeit für das Gemeinwesen vorzustellen. Am Schluss sei er der Einzige gewesen, der die Mitarbeit mit Beruf und Familie habe vereinbaren können. Deshalb wurde er bei der nächsten Vakanz angefragt.

Thomas Schneeberger ist Sanitärmonteur und betreibt innerhalb des Familienbetriebs ein eigenes Geschäft. Das Baugeschäft Schneeberger GmbH gründete sein Vater, gelernter Landwirt, Mitte der 1970er-Jahre, indem er neben dem Bauernhof erste Aufträge übernahm. Noch heute ist dieses auf dem elterlichen Hof angesiedelt. Und einer der beiden Brüder arbeitet nicht im Baugeschäft mit, sondern führt auch den Landwirtschaftsbetrieb.

Es blieb nicht beim Mitglied

Nicht lange dauerte es, da wurde klar, dass es für Thomas Schneeberger nicht beim Gemeinderat bleiben würde: Präsident Peter Haslebacher tönte Rücktrittsabsichten an. «Wieder war ich der Einzige, der keine Gründe nennen konnte, die ihn hindern würden, das Amt zu übernehmen», sagt der neue Gemeindepräsident. Nicht nur liegt sein Geschäft in der Gemeinde selbst, als Selbstständigerwerbender kann er auch die nötige Flexibilität aufbringen. Zudem ist er ledig und muss auf keine Familie mit kleinen Kindern Rücksicht nehmen. Wobei: Das Oeschenbacher Baugeschäft ist längst nicht mehr nur im engern Umkreis tätig. Mit Bern, Solothurn und Zofingen nennt Thomas Schneeberger die Eckpunkte des Gebietes, in dem man ihn und seine Brüder auf Baustellen antreffen kann.

Spannender als erwartet

Doch auch die Geschäfte der Gemeinde hätten ihn mehr als erwartet gepackt, hält er fest. Dass er Anfang dieses Jahres das Vizepräsidium übernahm, war denn auch der erste Schritt in der Regelung der Nachfolge von Peter Haslebacher. Nun steht der zweite unmittelbar bevor. Mit dem Gemeinderat die Arbeit im bisherigen Sinn fortzuführen, bezeichnet Schneeberger folgerichtig als sein wichtigstes Ziel. Dabei, räumt er ein, sei der Spielraum für die kleine Landgemeinde mit ihren rund 240 Einwohnern und einem rekordhohen Steuersatz von 2,0 Einheiten allerdings beschränkt.

Günstige Wohnungen in einem ländlichen Umfeld nennt er als deren Stärke. Frei werdende Wohnungen seien denn auch rasch wieder belegt. So habe er sich kürzlich gewundert, wie lange es gegangen sei, bis er eine eigene Wohnung vermieten konnte: Ein halbes Jahr habe er sich umsehen müssen. Als die Gemeinde die Wohnung im Gemeindehaus erneuerte, hätten sich Stimmberechtigte pessimistisch zum Kredit geäussert. Ein Mieter fand sich jedoch im Handumdrehen.

Wer ohnehin auf ein Auto angewiesen sei, fühle sich in Oeschenbach sofort wohl, ist der neue Gemeindepräsident überzeugt. Allerdings muss er sich mit dem zufriedengeben, was vorhanden ist. Bauland hat Oeschenbach keines, und wegen der fehlenden Wasserversorgung auch kaum Aussichten, vom Kanton ein Kontingent dafür zugestanden zu erhalten. Die zur Jahrhundertwende von den Stimmberechtigten abgelehnte Wasserversorgung könnte sich auch für bestehende Liegenschaften bald als Pferdefuss erweisen, gibt Thomas Schneeberger zu bedenken, habe doch bereits der letzte Hitzesommer private Quellen versiegen lassen.

Keine eigene Schule mehr

Thomas Schneeberger ging noch in Oeschenbach selbst zur Schule. Als er im Gemeinderat das Bildungsressort übernahm, entsandte ihn die Gemeinde in die gemeinsame Schulkommission mit Walterswil. Die Schule ist inzwischen im Nachbardorf angesiedelt, das eigene Schulhaus beherbergt lediglich noch den Kindergarten. Die Kinder werden mit dem Bürgerbus hin- und hergeführt. Erst kürzlich stellte auch die Käserei ihren Betrieb ein. «Sie war auch unser Dorfladen und der Treffpunkt der Bevölkerung», betont der Gemeindepräsident, «sie wird fehlen und hinterlässt eine Lücke.»

Die Kleinheit mag in vielem ein Nachteil für eine Gemeinde wie Oeschenbach sein. Doch weil alles übersichtlich bleibe, fühlten sich die Einwohner stärker als anderswo verpflichtet, selbst Verantwortung zu übernehmen. Deshalb, ist Thomas Schneeberger überzeugt, sei es dem Gemeinderat bisher immer gelungen, nach Rücktritten die Lücken wieder zu schliessen. Eine Auswahl konnte er den Stimmberechtigten zwar schon lange nicht mehr unterbreiten, doch auch diejenige, die Schneeberger selbst durchs Aufrücken ins Präsidium hinterliess, konnte wieder geschlossen werden.

Auch deshalb wohl war eine Fusion in den letzten Jahren kein Thema. «In den drei Jahren, seit ich im Gemeinderat sitze, jedenfalls nicht», stellt der künftige Präsident fest. Mit seinen 30 Jahren hat dieser die Aussicht, mehr als diese Zeit als Präsident zu amtieren. Ob er sich bis dann doch noch mit Fusionsabklärungen befassen muss, steht für ihn in den Sternen. «Das hängt mehr von äusseren Faktoren ab als von uns selbst.» Doch Sinn machen solche für ihn nur in einem grösseren Rahmen. «Mit den Nachbargemeinden beherrschen immer noch alte Animositäten die Köpfe.» Die, so gibt er sich realistisch, bringe auch ein 30-Jähriger nicht aus diesen heraus.

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