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Mehrheit verlangt Lösung

Nach wie vor sind die Einwohner von einer Fusion mit Langenthal überzeugt. Sie forderten die Wasserversorgungsgenossenschaft auf, reinen Tisch zu ­machen.

«Die Sistierung des Fusionstermins ging fast wie ein Schock durch die Bevölkerung», sagte der Obersteckholzer Gemeindepräsident Heinrich Jörg. Der Gemeinderat hatte deshalb die Gemeindeversammlung vorgestern vorsorglich von der alten Turnhalle in die Mehrzweckhalle verlagert. Zu Recht: Von 324 Stimmberechtigten nahmen ganze 117 Personen teil.

Ursprünglich hätte der Gemeinderat an der Versammlung einen Beschluss fassen lassen wollen zu einer Vereinbarung mit der privaten Wasserversorgungsgenossenschaft Obersteckholz (WVGO). Eine Einigung kam jedoch bis dato nicht zustande, kommuniziert wurde nur schriftlich. Da die Übertragung des öffentlichen Versorgungsauftrags und des Leitungsnetzes der WVGO auf die Gemeinde Obersteckholz Bedingung für eine Fusion mit Langenthal ist, wurden die Fusionsverhandlungen Ende November bis auf weiteres auf Eis gelegt (wir berichteten).

Zwei Varianten vorgelegt

«Wasser ist ein Allgemeingut und nach Gesetz eine Gemeindeaufgabe», sagte der Gemeindeprä­sident. Sie hätten nun mehr als eineinhalb Jahr mit der WVGO verhandelt, so Jörg. «Jetzt wissen wir nicht mehr, in welche ­Richtung wir weiterverhandeln ­sollen.»

Deshalb unterbreitete der Gemeinderat der Versammlung zwei Vorschläge zum weiteren Vorgehen. Die Variante der Gemeinde sieht vor, das gesamte Leitungsnetz der WVGO zu übernehmen, die Genossenschaft jedoch weiterhin das Wasser liefern zu lassen. Der Kuhnhubel soll über eine Basisleitung beim Schulhaus durch die Wasserversorgung Untere Langete versorgt werden, damit das Druckproblem gelöst werden kann.

Auch der Gegenvorschlag der WVGO sieht vor, die Leitungen zum Kuhnhubel und zum Hubel der Gemeinde abzutreten. Der restliche Teil des Leitungsnetzes soll jedoch in Besitz der WVGO bleiben. «Dieser Variante würde Langenthal jedoch nicht zustimmen», betonte Heinrich Jörg.

Sorge um Zukunft

Wasser sei Leben und wecke Emotionen, sagte der Gemeindepräsident. In Anbetracht der regen, emotionsgeladenen Diskussion an der Versammlung scheint er richtig zu liegen. Viele Anwesende sorgten sich um die Zukunft der Gemeinde und ärgerten sich, dass die Fusion wegen der Blockade durch die WVGO am seidenen Faden hängt. So erhielt die Genossenschaft Anfang Dezember einen offenen Brief mit der Unterschrift von über hundert Einwohnern und der Aufforderung, sich für eine Lösung des Problems einzusetzen. Zu den Initianten gehört die Obersteckholzer Grossrätin Monika Gygax-Böninger (BDP).

Auch sie meldete sich an der Versammlung zu Wort. Es sei gegen unser Demokratieverständnis, wenn die WVGO mit ihrer Gesprächsverweigerung die Umsetzung eines deutlichen Mehrheitsentscheides verhindere, so Gygax. Aufgrund ihres öffentlichen Versorgungsauftrags hätte die WVGO die öffentlichen Interessen über ihre eigenen zu stellen. «Die Genossenschaft sollte jetzt einlenken und die Aufgabe der Wasserversorgung an die Gemeinde übertragen», so die Grossrätin.

Die WVGO ihrerseits ist stolz auf ihr Wasser und berief sich auf ihr im Grundbuch eingetragenes Quellenrecht. «Das sind unsere Brunnen. Diese wollen wir auch weiterhin nutzen», sagte ein Genossenschafter. Bevor sie das Netz der Gemeinde übertragen, wollten sie wissen, wie viel diese überhaupt für das Wasser zahlen würde, meinte ein anderer.

Während der Diskussion kam zudem die Uneinigkeit innerhalb der WVGO zur Sprache. So wurde der Vorschlag der Genossenschaft nur vom Vorstand, nicht aber von allen Mitgliedern abgesegnet. Eine andere Mitinitiantin des offenen Briefs forderte die Genossenschafter auf, innerhalb der WVGO schnellstmöglich reinen Tisch zu machen.

Klar für Variante Gemeinde

Die Stimmberechtigten sprachen sich schliesslich mit 90 zu 14 Stimmen und 11 Enthaltungen für den Vorschlag der Gemeinde aus. Diese wird nun den Regierungsstatthalter als Mediator für die Verhandlungen beiziehen. Genossenschaftspräsident Markus Steffen habe sich mittlerweile zudem für ein Gespräch bereit erklärt, so Heinrich Jörg. Eine erste Sitzung soll in der zweiten Januarwoche stattfinden.

Das Budget von Obersteckholz sieht einen gleich bleibenden Steuersatz von 1,84 Einheiten einen Umsatz von 1,587 Millionen Franken und einen Aufwandüberschuss von 116 000 Franken vor.

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