Langenthal-Fans im Stimmungstief

Langenthal

Die Trommeln ruhen, die Schlachtrufe sind verstummt. Wo ist im Schoren die Unterstützung hin? Am Einsatz der SCL-Spieler fehlt es nicht, das Problem liegt tiefer.

Euphorie wie hier beim ersten Playoff-Halbfinal-Spiel gegen Ajoie vergangenen März gibt es derzeit in der Fankurve kaum.

Euphorie wie hier beim ersten Playoff-Halbfinal-Spiel gegen Ajoie vergangenen März gibt es derzeit in der Fankurve kaum.

(Bild: Marcel Bieri)

14. März 2017: Jubel brandet aus der Fankurve, die Spieler liegen sich in den Armen. Der Final ist erreicht, den Halbfinalgegner aus dem Jura lässt man chancenlos auf der Strecke. Die Euphorie ist greifbar und fast grenzenlos.

9. Dezember 2017: Wieder ein Spiel gegen Ajoie, wieder gewinnt der SC Langenthal. Ganz am Ende kommt sie doch noch auf, eine dem Spiel würdige Unterstützung von den Fans. Doch zuvor herrscht im Stadion während zweier Drittel eine schon fast beängstigende Friedhofstimmung.

Der Sektor hinter dem Tor ist verwaist, keine Trommeln werden geschlagen, keine Gesänge vom Capo angestimmt. Fahnen fehlen. Wo sind sie hin, die eingefleischten Fans des SCL?

Meisterblues eingekehrt

Dienstagabend im Chrämerhuus: Etwa 20 Personen sitzen auf Stühlen im Kreis, die Stimmung ist angespannt. Die Supporters Longvalley, der Dachverband der Fans, hat zu einer Aussprache geladen. Es geht um die derzeitige Atmosphäre im Schoren.

Kritik am Spielplan, an unattraktiven Partien gegen Farmteams, an TV-Übertragungen, derentwegen keiner mehr an ein Auswärtsspiel reist, an fehlenden gegnerischen Fans im Gästesektor. Das alles und noch viel mehr an Frust kommt in den zwei Stunden zur Sprache. Und auch etwas anderes: dass sie sich benachteiligt fühlen. Vom Verein und der Kantonspolizei.

Es geht im Kern um Stadionverbote, die wieder einmal ausgesprochen wurden. Um «falsche Beschuldigungen» der Polizei. Um «fehlende Rückendeckung» seitens des Vereins. Das alles hat dazu geführt, dass sich viele die Spiele des SCL nicht mehr antun wollen. Oder nur noch stumm ­irgendwo auf der Seitentribüne. Die Euphorie ist verflogen. Der Meisterblues dafür eingekehrt.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich im Schoren die Fronten zwischen den verschiedenen Beteiligten verhärten. Es ist allerdings neu, dass der Frust derart tief sitzt. Einige der Supporters haben vor dem letzten Heimspiel die Geschäftsstelle des Vereins aufgesucht, um das Gespräch zu suchen. Zwei Tage später gibt es nach Spielende bereits die nächsten beiden Stadionverbote. Aus Protest legen noch am gleichen Abend die beiden bisherigen Fandelegierten des SCL ihr Amt per sofort nieder.

Kein Bock mehr

«Wir zerstören unsere eigene Szene, wenn wir das Spielchen der Behörden noch länger mitmachen», sagt einer der Anwesenden an der Fanaussprache. Das, da sind sich alle einig, wolle ja schliesslich niemand. Doch weiterhin Stimmung machen, als sei nichts gewesen? Viele schütteln den Kopf. Sie haben keinen Bock mehr. Auch im Hockeyfans-Forum ist das Langenthaler Stimmungstief längst ein Thema. Ja, selbst bei den Spielern wird, wie man hört, über die biedere Stimmung im Stadion gesprochen.

Beim letzten Heimspiel, als der SCL eine beherzte Aufholjagd startet, springen im dritten Drittel zumindest die gestandenen Viejos gesanglich ein. Doch auch bei ihnen und vielen anderen stellt sich die Frage: Wie weiter mit der Kurve?

Langenthaler Tagblatt

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