Langenthaler Pommes-Hersteller rüstet auf

Die Kadi AG hat im vergangenen Jahr rund neun Millionen Franken in ihren Frittierprozess investiert. Ein Besuch in der Pommesfabrik.

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Dieser Anblick macht hungrig: Unablässig rollen auf dem Förderband kiloweise neue Pommes frites heran, frisch aus dem Frittierbehälter. Auf halber Strecke schüttelt sie die Maschine auf einem Gitter so richtig durch, damit auch nicht zu viel Sonnenblumenöl zurückbleibt. Danach geht es weiter in den Schockkühler, wo die Fritten bei minus 20 Grad ­heruntergekühlt werden. Sobald alles verpackt ist, gehen die Tiefkühlprodukte raus zu den Kunden, vorwiegend Gastronomiebetrieben – auch die Eishalle Schoren ganz in der Nähe.

Man sei mit 180 Angestellten nur ein Kleiner im Wettbewerb, das wird Christof Lehmann nicht müde zu sagen. Zumindest gegenüber der grossen Konkurrenz Migros und Fenaco. Aber der Geschäftsführer der Kadi AG in Langenthal sagt auch, dass sein Unternehmen marktführend sei, jetzt, da es neun Millionen Franken investiert habe. Und über die modernste und technisch innovativste Frittierproduktion in der Schweiz verfüge.

Abluft wird verbrannt

Mitte August letzten Jahres hat die Kadi ihre neue Anlage hochgefahren. Sie soll unter anderem das Aufbereiten der Energie, das Trocknen der Fritten und das Frittieren selber markant verbessern. Auch hat die Firma in neue Öltanks investiert. Ziel: Kein Altöl produzieren beim Kartoffelnverarbeiten, die Abwärme nutzen können und die Abluft daran hindern, dass sie nach aussen tritt. Diese Abluft enthält feinste Fettpartikel, der daraus resultierende Gestank hatte in der Vergangenheit bei den angrenzenden Siedlungen schon öfters für dicke Luft gesorgt (wir berichteten).

«Bei einer solchen Investition geht es auch darum, Geldgeber zu überzeugen.»Christof Lehmann, Geschäftsführer

Das soll nicht mehr geschehen, seit die neun Millionen Franken schwere Anlage seit Oktober auf Hochtouren läuft und pro Stunde sechs Tonnen Kartoffeln verarbeiten kann. Denn die Frittierabluft wird in einem Ofen bei 750 Grad Celsius verbrannt. Der neue Ofen ist in einem Trakt aus­serhalb der Produktionsan­lage untergebracht. «Wir haben hier viel investiert. Die Verbesserung der Luftqualität ist markant», sagt Lehmann, im Wissen, wie wichtig dieser Aspekt fürs Unternehmen ist. Gerade weil es sich so nahe bei den Leuten befindet.

Schlaflose Nächte

Die hohen Kosten, das äusserst knappe Zeitfenster und technische Herausforderungen mit der bestehenden Infrastruktur haben dem Kadi-Geschäftsführer die eine oder andere schlaflose Nacht beschert. «Bei einer solchen Investition geht es schliesslich auch darum, die Geldgeber zu überzeugen», sagt Lehmann. Das sei gelungen. Nun kann er also beruhigt eine Medienschar durch seine Fabrik führen.

Obwohl: Ganz alles sehen dürfen die Besucher dann auch wieder nicht. Schliesslich habe man viel eigenes Know-how in die Neubeschaffung gesteckt. Diesen technischen Vorsprung will die Kadi auf keinen Fall an die Konkurrenz abgeben.

Kontinuität und Qualität

Lehmann, der bereits seit zwölf Jahren für den hiesigen Tiefkühlhersteller arbeitet, davon bald fünf Jahre als Geschäftsleiter, hat für sich den Anspruch, mit der Kadi ein Qualitätsführer zu sein. Trotz oder gerade wegen Kostendruck von grösseren Unternehmen und Herstellern aus dem Ausland. Er sagt: «Die Kunst in der Lebensmittelproduktion ist die: hohe Kontinuität und konstant gute Qualität.»

Ebenfalls auf dem Rundgang ist Christoph Ammann (SP). Der Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor ist nach seinem Besuch von letzter Woche bei der Firma Güdel bereits wieder in Langenthal. Er hebt in seinem Grusswort die Wichtigkeit der «Hidden Champions», also der versteckten Meister des Metiers, hervor. Die Kadi sei punkto lokaler Wertschöpfung ein gutes Beispiel dafür. Ihr Engagement komme auch der lokalen Landwirtschaft zugute. Das sei zentral für die Wettkampffähigkeit der Lebensmittelindustrie im Kanton Bern.

Berner Zeitung

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