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Die Langenthaler Eissport-Zukunft liegt im Hard

Der Langenthaler Gemeinderat hat entschieden: Im Hard soll eine neue Eissportarena entstehen. Eine Totalsanierung der Schorenhalle und ein Neubau auf dem Reitplatz sind vom Tisch. Jetzt beginnt die Suche nach Investoren.

Spielt hier künftig der SC Langenthal? Der Gemeinderat hat das Gebiet Hard als Standort für eine neue Eishalle auserkoren.

«Mir si d Fans vom Schorehoger» war einmal. Spätestens ab 2031 werden sich die Anhänger des SC Langenthal eine neue Hymne suchen müssen. Dann nämlich wird die Zeit der bald 60-jährigen Eishalle im Schoren definitiv ­abgelaufen sein.

Der Burgerrat von Schoren als Grundeigentümer habe es einstimmig abgelehnt, mit der Stadt Verhandlungen über eine Weiterführung des Eisbetriebs über den Ablauf des dannzumal bereits um zehn Jahre verlängerten Baurechtsvertrages hinaus zu führen, sagte Stadtpräsident Reto Müller (SP) am Freitag ­anlässlich einer Medienorientierung. Schon am Mittag hatte der Gemeinderat seinen Entscheid publik gemacht: Die Zukunft des Eissports in Langenthal soll nicht im Schoren und auch nicht auf dem Reitplatz liegen.

Es ist vielmehr das Gebiet Hard zwischen Parkhotel und Berufsfachschule an der Weststrasse, das die Exekutive als am idealsten erachtet als Standort für eine neue Eissportanlage. Im Rahmen einer sogenannten Public Private Partnership (PPP), einer gemeinsamen Finanzierung durch private Investoren und öffentliche Hand, soll dort dereinst ein neues Stadion entstehen.

Das Problem mit dem Wald

Die Haltung der Burgergemeinde habe natürlich Einfluss gehabt auf diesen Entscheid, sagte ­Müller. Als zweites «Killerargument» gegen die Schorenhalle gesprochen habe aber ebenso die vorhandene Forstproblematik. Rund 2500 Quadratmeter Wald hätten für die angedachte Totalsanierung der Halle gerodet und andernorts wieder aufgeforstet werden müssen. Ein klarer Nachteil, der sich entsprechend auf alle Fachbeurteilungen ausgewirkt habe, verwies Müller auf die dort zu berücksichtigenden Aspekte der Umweltverträglichkeit.

Zwar weise der heutige Standort durchaus auch Vorteile auf, so der Stadtpräsident: allem voran die Tatsache, dass dieser eben schon besteht und das «historische ­Zuhause des SC Langenthal» sei. Doch auch die schlechte Erschliessung und die fehlende ­Attraktivität für Mitinvestoren hätten am Ende gegen die Totalsanierung gesprochen.

Die Schrebergärten an der Weststrasse werden der neuen Eishalle weichen müssen: Stadtpräsident Reto Müller über die Vor- und Nachteile des Standorts Hard. Video: Thomas Peter

Der Faktor Zeit

Ebenso vermochte der wegen seiner Nähe zum Bahnhof zeitweise gar als Favorit gehandelte Reitplatz den Gemeinderat im Vergleich mit dem Hard am Ende nicht zu überzeugen. Der Reitplatz berge nicht nur das grösste Realisationsrisiko, was die zeitliche Umsetzung betreffe, verwies Müller auf die notwendige Umzonung der heutigen Grün- zu einer Zone mit Mischnutzung sowie die vorhandenen Altlasten.

Auch sei fraglich, inwiefern eine Mantelnutzung dort tatsächlich sinnvoll wäre, zumal Langenthal schon heute einen grossen Leerwohnungsbestand aufweise und man auch nicht den Einzelhandel im Stadtzentrum durch ein neues Einkaufszentrum konkurrenzieren wolle.

«Idealste Voraussetzungen»

Freilich bestünden auch im Hardgebiet Schwierigkeiten, die es zu lösen gelte, erklärte der Stadtpräsident. So wird die Stadt etwa für die dortigen Schrebergärten einen Alternativstandort finden müssen. Auch sei nicht ausgeschlossen, dass die bekannte Deponie von Abfällen unterhalb des angrenzenden Parkplatzes des Parkhotels Auswirkungen haben werde auf das Bauvorhaben.

Dennoch sei der Gemeinderat überzeugt, dass der Standort die idealsten Voraussetzungen für einen Stadionbau mit sich bringe. So entspreche das Vor­haben nicht nur dem Siedlungsrichtplan und dem Raumentwicklungskonzept. Das angedachte Areal befindet sich auch bereits in einer Zone für Sport und Freizeit und gehört erst noch der Stadt, was alle Optionen von der eigenen Bauherrschaft über die Abgabe im Baurecht bis zum Verkauf zulasse. Auch die Erschliessung sei gut, wobei ein ­direkter Anschluss an die benachbarte Bern-Zürich-Strasse angestrebt werde.

Entsprechende Gespräche mit dem Kanton würden nun aufgenommen, so Müller. Denn eine Erschliessung über die Kantonsstrasse würde auch einer Man­telnutzung entgegenkommen, so die Überlegung des Gemeinderats. Auch hier solle dabei sicher nicht eine Fläche für den Ein­zelhandel entstehen, so Müller. Dienstleistungsangebote oder eine gastronomische Nutzung ­indes könne sich der Gemeinderat durchaus vorstellen, ebenso allfälligen Wohnraum. «Weil eine Mantelnutzung die grosse Möglichkeit für eine Quersubventionierung wäre.»

«Fünf Jahre waren nie ­realistisch»: Vize­-Stapi ­Markus Gfeller (rechts, neben Stadtpräsident Reto Müller).
«Fünf Jahre waren nie ­realistisch»: Vize­-Stapi ­Markus Gfeller (rechts, neben Stadtpräsident Reto Müller).
Thomas Peter
Muss nun noch einmal in grösserem Stil in die Schorenhalle investiert werden?
Muss nun noch einmal in grösserem Stil in die Schorenhalle investiert werden?
Google Streetview
Gegen eine Totalsanierung der Schorenhalle spricht für den Gemeinderat vor allem deren Nähe zum Wald und dem Wohnquartier.
Gegen eine Totalsanierung der Schorenhalle spricht für den Gemeinderat vor allem deren Nähe zum Wald und dem Wohnquartier.
Thomas Peter
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Vor allem aber erachte der Gemeinderat eine Lösung im Hard als zeitlich am schnellsten realisierbar. «Wir haben das Gefühl, hier eine grosse Akzeptanz zu spüren», verwies Müller nicht ­zuletzt auf die vorhandenen Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Sportarten und weiteren Nutzungskonzepten. Vorderhand konzentriere man sich aber ausschliesslich auf den Eissport.

Auch will die Stadt mit ihrem Entscheid vorderhand die öffentlichen Interessen im Bereich der Stadtentwicklung und des Breitensports fördern, wie der Gemeinderat in einer Mitteilung festhält. Die Gestaltung und Entwicklung einer tauglichen Infrastruktur für den Spitzensport und der dazugehörenden Nachwuchsförderung soll indes in der Hand privater Investoren liegen.

Erst aller Arbeit Anfang

Noch bestünden keine Kontakte zu möglichen Investoren, so der Stadtpräsident. Der Gemeinderat werde nun erst die weiteren Schritte auslösen, um sowohl die Organisation und die Entwicklung eines PPP-Projekts zu initiieren als auch die technischen und planungsrechtlichen Bestimmungen für den Bau der In­frastruktur an die Hand zu nehmen. Gleichzeitig gelte es, die bestehende Schorenhalle bis zur Eröffnung eines neuen Stadions nationalligatauglich zu halten.

Es sollen nun anhand der von der Kunsteisbahn Langenthal AG ­bereits Ende 2017 vorgestellten Machbarkeitsstudie über die Sanierungsmöglichkeiten entsprechende Massnahmen festgelegt werden. Schliesslich, so Reto Müller, wolle man Spieler und Fans auch weiterhin jubeln ­sehen.

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