Langenthal budgetiert einmal mehr ein Defizit

Obschon das Minus in Langenthals Budget 2019 grösser ausfällt als im Vorjahr, zeigt sich der Gemeinderat optimistischer als auch schon. Denn die Stadt erwartet künftig mehr Geld vom Kanton.

Alterszentrum Haslibrunnen: Der Neubau und die damit verbundene Aktienkapitalerhöhung macht für die Stadt bei den Investitionen 2019 den grössten Anteil aus.

Alterszentrum Haslibrunnen: Der Neubau und die damit verbundene Aktienkapitalerhöhung macht für die Stadt bei den Investitionen 2019 den grössten Anteil aus.

(Bild: Thomas Peter)

Julian Perrenoud

Als er im März das Rohbudget für das kommende Jahr auf den Tisch gelegt bekam, musste Roberto Di Nino (SVP) erst zweimal leer schlucken. «Vielleicht auch dreimal», sagte der Finanzvorsteher rückblickend. Denn die erste Fassung des Budgets sah ein Defizit von 5 Millionen Franken vor. Di Nino wusste: Politisch wäre ein solches Minus nicht vertretbar gewesen.

Also gab der Gemeinderat der Verwaltung der Stadt Langenthal vor, Sparmassnahmen zu ergreifen. 0,5 Prozent sollten es etwa beim Sachaufwand sein – herausgekommen fürs Budget 2019 sind schliesslich gar 0,7 Prozent.

«Ohne zu sparen wären wir nicht unter 3 Millionen Franken gekommen.»Roberto Di Nino, Gemeinderat

«Ohne zu sparen wären wir nicht unter 3 Millionen Franken gekommen», sagte Di Nino gestern an der Medienkonferenz, als er die Zahlen für das nächste Jahr vorstellte. Der steuerfinanzierte und politisch gewichtige Haushalt sieht nun ein Defizit von 2,96 Millionen Franken vor, was zehn Prozent höher ist als letztes Jahr. Und trotzdem sagte Di Nino: «Für mich ist dieses Defizit positiv.»

Lastenausgleich soll helfen

Höhere Ausgaben plant die Stadt im Personalwesen: 2019 sind 360 zusätzliche Stellenprozente auf der Verwaltung vorgesehen. Bei der Kommunikation, den Einwohnerdiensten oder der Raum- und Verkehrsplanung. Zudem ist eine pauschale Lohnerhöhung beim Gemeinderat geplant.

Auch zunehmen sollen Abschreibungen und Transferaufwände. Auf der Ertragsseite erwartet der Gemeinderat dagegen leicht höhere Steuereinnahmen (ein Plus von 200'000 Franken). Diese Annahme sei auf die Beschäftigungs- sowie Bevölkerungsentwicklung und auf kantonale Prognosen zurückzuführen.

Auch deutlich mehr Geld soll Langenthal 2019 vom Kanton Bern erhalten. Genauer gesagt 2,1 Millionen Franken aus dem Lastenausgleich und eine Million Franken aus dem Finanzausgleich. Im Finanzplan wird das strukturelle Defizit Langenthals über die nächsten fünf Jahre weiter zunehmen, trotz einzelner Sparmassnahmen.

Langenthal unterhält als regionales Zentrum diverse öffentliche Anlagen, die Auswärtigen nutzen. Diese Anlagen, darunter etwa das Schwimmbad, sind nicht kostendeckend und werden daher im Lastenausgleich berücksichtigt. Die Höhe des Beitrags basierte bisher auf einer Erhebung aus dem Jahr 2008.

«Allerdings sind wir damals zu tief entschädigt worden», so Di Nino. Denn acht Jahre später zeigte eine erneute Erhebung, dass die Stadt pro Einwohner 491 Franken an Zentrumslasten bezahlt, und nicht wie zuvor berechnet nur 371 Franken. Damit liegt Langenthal kantonal nach Bern an zweiter Stelle – noch vor Biel, Burgdorf und Thun.

23 Millionen an Investitionen

Bis Ende 2023 werden sich Stand heute die Defizite der Stadt auf 12,8 Millionen Franken kumu­lieren. Das Eigenkapital, das im Budget mit knapp 75 Millionen Franken veranschlagt ist, wird so auf unter 65 Millionen Franken schrumpfen. «Im kantonalen Vergleich ist dieser Wert aber immer noch sehr hoch», sagt Finanzvorsteher Di Nino.

Da sei auch der tiefe Selbstfinanzierungsgrad von 14,9 Prozent (Stand 2018) vertretbar. Dieser soll innerhalb von fünf Jahren nach einem zwischenzeitlichen Anstieg wieder auf nur knapp über 10 Prozent sinken. Langfristig wären eigentlich 100 Prozent notwendig, aber mit Blick auf all die grossen Investitionsprojekte, die in Langenthal in dieser Zeit anstehen, bleibt dies bestenfalls Wunschdenken.

Nächstes Jahr stehen mit fast 23 Millionen an Nettoinvestitionen auf den ersten Blick zwar hohe Beträge an. Allerdings fliessen davon 13 Millionen in die Aktienkapitalerhöhung des Alterszentrums Haslibrunnen.

Dieses zusätzliche Kapital ist laut den Verantwortlichen für den Neubau zwingend. Die eher tiefe Investitionsquote soll sich jedoch kontinuierlich erhöhen – auf total 100 Millionen Franken über fünf Jahre. Darin enthalten ist etwa das Jahrhundertprojekt Entwicklungsschwerpunkt Bahnhof.

Steuern sollen nicht steigen

«Die Bedürfnisse nach neuer In­frastruktur sind bei uns nach wie vor hoch», sagte Stadtpräsident Reto Müller (SP). Und ja, man habe nun dieses strukturelle Defizit, das man laufend versuche zu reduzieren.

«Wir wollen dieses Defizit nicht mit dem Zweihänder angehen.»Reto Müller, Stadtpräsident

«Allerdings wollen wir dieses nicht mit dem Zweihänder angehen», sagte Müller weiter. Sprich: Eine markante Steuererhöhung der aktuellen Anlage von 1,38 oder einen Personalabbau auf der Verwaltung soll es daher nicht geben.

Obschon die finanzielle Lage Langenthals weiter angespannt ist, sah Finanzvorsteher Roberto Di Nino das Glas an der gestrigen Medienkonferenz eher halb voll als halb leer. «Das kumulierte Defizit über mehrere Jahre hinweg ist tiefer als noch vor einem Jahr. Und wir erhalten bald mehr vom Lastenausgleich.» Das soll vorerst reichen, damit in der Stadt, gerade bei den Steuern, bis auf weiteres alles beim Alten bleibt.

Berner Zeitung

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