Kunsthaus goes digital

Langenthal

Wie und vor allem was nehmen wir wahr? Zwei Ausstellungen und mehr als ein Dutzend Kunstschaffende loten diese Frage in Langenthal mehr oder weniger abstrakt aus.

Blauer Planet? «Untitled» spiegelt die Auseinandersetzung von Alan Bogana mit Mineralien, die er einscannte und teils in Hologrammbilder verarbeitete und damit Betrachtern das Tor zu abstrakten Welten öffnet.

Blauer Planet? «Untitled» spiegelt die Auseinandersetzung von Alan Bogana mit Mineralien, die er einscannte und teils in Hologrammbilder verarbeitete und damit Betrachtern das Tor zu abstrakten Welten öffnet.

(Bild: zvg)

Chantal Desbiolles

Es dauert einen Moment, bis die Augen in den abgedunkelten Räumen etwas erkennen können. Mit paradoxer Hologrammkunst und hypothetischen Realitäten empfängt Alan Bogana die Besucherinnen und Besucher ab Donnerstag im Kunsthaus. Die 3-D-Technologie der 50er-Jahre nutzt der in Genf wohnhafte Tessiner Kunstschaffende, um die Menschen zum Staunen zu bringen und ihre Wahrnehmung auszuloten.

Auf dass sie in der Abstraktion Bekanntes erkennen. Wissenschaft und Technik bringt der 36-Jährige in seiner ersten institutionellen Einzelausstellung «The Hypothetical Cabinet of Phlogistronics» auf einen Nenner: Er verbindet die Zukunftstechnologie der Vergangenheit mit digitalen Fertigkeiten und setzt sich eingehend mit den entstandenen Effekten auseinander.

Planeten, Kristallfeuer...

So zeigt Bogana etwa Hologramme, die auf 3-D-Scans von Mineralien zurückgehen. Die Steinbilder lässt er wie Planeten im Raum schweben, verschwinden und wieder auftauchen. Oder er bricht sie in Glasfragmente – dabei bleiben die Hologramme, von denen Bogana die meisten auf analog mit Lasern hergestellt hat, ganz. Gezielt setzt er kaustische Effekte ein – also jene Lichteffekte, die sich bei Sonneneinstrahlung am Pool spiegeln. Diese Formen sind etwa bei der Videoinstallation «Crystal Fire» zu sehen, als Feuer in einer Kaminecke.

Im einzig beleuchteten Raum wartet die Erklärung für den abstrakten Ausstellungstitel. «The Hypothetical Cabinet of Phlogistronics» spielt auf die hypothetische Substanz Phlogiston an, von der man glaubte, dass sie bei der Verbrennung allen Körpern entweicht. Bogana drehte das widerlegte Konzept des 18.Jahrhunderts weiter und schuf ein digitales Wandbild («The Phlogistronic Cairn Lab», 2015), das zu einem Steinhügel (Cairn) aufgeschichtete Geräte zeigt, die in Labors verwendet werden.

...und hypothetische Stoffe

Die Anlehnung des Künstlers an Science-Fiction wird auch anderswo deutlich, erweist er doch mit seinem Werk «Thiotimoline» (2015) dem gleichnamigen fiktiven chemischen Stoff Reverenz. Er entspringt der Fantasie des Sci-Fi-Autors und Wissenschaftlers Isaac Asimov, der ihn in einer Wissenschaftsparodie beschrieb: Der Stoff löst sich auf, kurz bevor er mit Wasser in Kontakt kommt.

Auch Alan Boganas Kunst wäre in lichtdurchfluteten Räumen augenblicklich nicht mehr zu sehen. Rein hypothetisch, natürlich.

«The Hypothetical Cabinet of Phlogistronics»: Nach der Vernissage morgen um 19 Uhr ist die Ausstellung bis 15.November zu sehen.

Berner Zeitung

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