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Kein neuer Wohnraum, dafür Arbeitsplätze

Die Umzonung des Schulhausareals im Seeberger Ortsteil Riedtwil ist gestorben – vorerst zumindest. Die Kompensationsfläche, die für die Realisierung nötig ­wäre, ist zu gross.

Neben dem umgebauten Schulhaus (links) sollten neue Wohnungen entstehen. Nun verzichtet der Gemeinderat aber darauf.
Neben dem umgebauten Schulhaus (links) sollten neue Wohnungen entstehen. Nun verzichtet der Gemeinderat aber darauf.
Thomas Peter

Dass es nicht einfach werden würde, das war klar: War die Umzonung des Schulhausareals in Riedtwil im Rahmen der Ortsplanungsrevision doch nur über eine Auszonung als Kompensation möglich. Die 4800 Quadratmeter grosse Parzelle 53 zwischen dem früheren Schulhaus und dem bewohnten ehemaligen Lehrerhaus hätte sogar doppelt kompensiert werden müssen.

Letzten Dezember hatte der Gemeinderat erklärt, dass er hierfür noch einmal das Gespräch mit den Grundeigentümern suchen wolle. Dies nachdem das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) für die Umzonung des Rasenplatzes eine Nichtgenehmigung in Aussicht gestellt hatte.

«Das ist unrealistisch»

Es habe sich aber bald einmal gezeigt, dass es unrealistisch sei, eine Fläche von 9600 Quadratmetern auszuzonen, sagt Gemeindepräsident Roland Grütter (BDP). Hierfür hätte es nur gerade eine mögliche Option gegeben: das Gebiet in der Zone für Planungspflicht (ZPP) «Dorf Hermiswil».

Für dieses Land wurde jedoch im Rahmen der Ortsplanungsrevision eine neue Planung zur Erschliessung und Überbauung gestartet. Die ZPP-Vorschriften wurden so angepasst, dass bei Bedarf maximal zwei Teilüberbauungen realisierbar sein sollten. «Wir sind zuversichtlich, dass die Überbauung Dorf zustande kommt», sagt Grütter. Womit dieses Land als Kompensationsfläche keine Option mehr darstelle.

«Das Vorhaben ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.»

Roland Grütter Gemeindepräsident

Der Gemeinderat hat deshalb, wie er gestern in einer Medienmitteilung informierte, beschlossen, auf eine Umzonung des Schulhausareals zu verzichten. Die Parzelle bleibt somit in der Zone für öffentliche Nutzung.

Keine Teilumzonung

Roland Grütter bedauert es, dass somit kein neuer Wohnraum entstehen kann – es wäre der Bau von 7 bis 8 Wohnungen denkbar gewesen. Er sagt aber auch: «Das Vorhaben ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.»

So sei er überzeugt, dass dieses Land irgendwann überbaut werden könne – nach einer nächsten Ortsplanungsrevision in knapp 10 Jahren vielleicht. «Bis dahin sind unsere Baulandreserven womöglich nicht mehr so gross. Sodass nur noch eine einfache und keine doppelte Kompensation mehr nötig wäre.»

Sorgen, dass nun das Wachstum der Gemeinde gebremst werden könnte, macht sich Grütter sowieso nicht. «Wir haben noch genügend Bauland.» Neue Wohnungen entstünden zudem auch im Rahmen des Projekts «Generationenwohnen Seeberg». Auf den Wohnraum in Riedtwil sei man derzeit nicht zwingend angewiesen.

Der Gemeinderat verzichtet deshalb auch darauf, nur einen Teil des Schulhausareals umzuzonen. «Dies würde aus unserer Sicht wenig Sinn machen», sagt der Gemeindepräsident. «In diesem Fall würden nämlich trotzdem die Erschliessungskosten für die ganze Parzelle anfallen.»

Zudem will der Gemeinderat einem langwierigen Verfahren mit dem Kanton aus dem Weg gehen. Er verzichtet deshalb darauf, die Umzonung durch die nächsthöhere Instanz beurteilen zu lassen. Die Erfolgsaussichten in diesem Fall wären laut Grütter «äusserst gering» gewesen.

Neuer Betrieb siedelt sich an

Mittlerweile steht aber auch fest: In Riedtwil wird trotzdem gebaut. Nur entstehen eben keine neuen Wohnungen, sondern neue Arbeitsplätze. Wie der Gemeinderat in seiner Mitteilung informiert, ist vorigen Sommer eine Anfrage zur Ansiedlung eines Handwerksbetriebes eingegangen.

Der Gesuchsteller, der namentlich nicht genannt wird, hat die Absicht, seinen ganzen bestehenden Betrieb nach Riedtwil zu verlegen. Infrage komme dafür, heisst es, die unüberbaute Baulandfläche auf Parzelle 1311. Diese liegt im «Zälgli», oberhalb der Garage Greub, und befindet sich in der gemischten Zone. Das Problem: Der oberste Teil des Landes ist so steil, dass eine Bebauung dort nur sehr schwer realisierbar und mit einem hohen Aufwand verbunden wäre.

Es soll deshalb nun ein Teilstück aus der Bauzone entlassen und unmittelbar an den unteren Teil der Baulandfläche angefügt werden. Es handle sich somit um eine Aus- und Einzonung, teilt der Gemeinderat mit. Soll heissen: Auch dort muss die neu eingezonte Fläche doppelt kompensiert werden.

In diesem Fall gehe es aber um eine Kompensationsfläche von nur gerade rund 1500 Quadratmetern, sagt Grütter. Es hätten sich schon zwei Grundeigentümer bereit erklärt, hierfür ein Teilstück ihres Landes auszuzonen. Weitere Angaben zum geplanten Neubau kann die Gemeinde noch nicht machen.

Alle nachträglichen Änderungen zur Ortsplanungsrevision, die unter anderem auch einen neuen Richtplan für das Fusswegnetz umfassen, werden nun erneut öffentlich aufgelegt. Sofern die Rückmeldung des AGR bis Ende Juli positiv ausfällt, sollte dies voraussichtlich im August der Fall sein. Eine erneute Beschlussfassung durch die Gemeindeversammlung sei nach Auskunft des Kantons nicht notwendig, heisst es.

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