Im «Wyssachen-Poschi» über die Fritzenfluh

Wyssachen

Einst verkehrte es zwischen Huttwil und Wyssachen, heute ist das 57-jährige Postauto von Susi Loosli bei Oldtimerfahrten im Einsatz. Für die Huttwiler Dampftage holen sie und ihr Schwiegersohn Roland Stalder das Gefährt aus der Garage.

«Das Fahren bedeutet für mich Nostalgie»: Susi Loosli  lässt heute Schwiegersohn Roland Stalder ans Postautosteuer.

«Das Fahren bedeutet für mich Nostalgie»: Susi Loosli lässt heute Schwiegersohn Roland Stalder ans Postautosteuer.

(Bild: Marcel Bieri)

«Tüü-taa-too» – die gelben Postautos mit ihrem unverkennbaren Dreiklanghorn gehören zur Schweiz wie die Alpen oder die Milchschoggi. Von 1963 bis 2001 transportierten Postautos auf der Strecke Huttwil–Wyssachen Personen, Briefe und Pakete. «Wir haben die Post jeweils am Bahnhof aus dem Güterwagen geholt und nach Wyssachen gebracht», erzählt Susi Loosli. Die Wyssacherin hat in ihrer Garage ein Prunkstück der Marke Saurer L4C mit 31 Sitzplätzen aus dem Jahr 1958 stehen. «Das Postauto war der ganze Stolz meines Mannes. Es bedeutete ihm fast mehr als seine eigene Frau», sagt Susi Loosli schmunzelnd.

Die 74-Jährige teilt die Begeisterung ihres Mannes für die gelben Fahrzeuge. 1963 übernahm Fritz Loosli den Postautohalterbetrieb der Schweizerischen Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe (PTT) von seinem Vorgänger Fritz Aebi aus Huttwil. Nachdem er zusätzlich die Nachfolge seines Vaters im Sägereibetrieb der Familie angetreten hatte, stellte der Postautohalter mehrere Chauffeure ein und übernahm den Ablösedienst für die Frei- und Ferientage. Als Susi Loosli 1988 die Lastwagen- und die Carprüfung erfolgreich bestanden hatte, setzte sich die gelernte Kinderkrankenschwester ebenfalls ans Post-autosteuer.

Anderes Fahrgefühl

Nach 23 Jahren Dienst wurde das Schnauzenpostauto 1981 durch ein Postauto der Marke Iveco ersetzt und noch als Ersatzfahrzeug verwendet. Susi und Fritz Loosli nahmen den Saurer aber mehrmals im Jahr für Touristen aus der Garage und transportieren sie zu Ausflugszielen im Emmental und im Oberaargau.

Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Susi Looslis Schwiegersohn Roland Stalder das Steuer des Postautos. «Es braucht ziemlich Erfahrung dafür, dieses Fahrzeug zu lenken», erklärt der Buschauffeur. Es sei ein ganz anderes Fahrgefühl als mit einem Linienbus. Das Postauto wird nicht mit einem Zündschlüssel, sondern mit einem Nova-Starter durch Luftdruck gestartet. Eine Batterie benötigt das Schnauzenpostauto lediglich für Beleuchtung und Blinker. «Das Fahren mit dem Postauto bedeutet für mich Nostalgie», sagt der 46-Jährige. Susi Loosli und Roland Stalder bieten Oldtimerfahrten an.

Der Stolz des ganzen Dorfes

Nächstes Wochenende wird das Schnauzenpostauto für die Huttwiler Dampftage aus der Garage geholt. Postautofans können nostalgische Zeiten bei einer Oldtimerfahrt über die Fritzenfluh aufleben lassen. Nicht nur Susi Loosli und ihre Familie sind stolz auf den alten Saurer. Das Postauto ist im Dorf bekannt und beliebt. «Die Leute nennen es hier einfach das Wyssachen-Poschi. Es gehört ein bisschen allen Wyssachern», sagt Susi Loosli.

Berner Zeitung

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