Im richtigen Alter aufhören

Eriswil Das Restaurant ­Bären steht zum Verkauf. Während 18 Jahren betrieben Marco und Susanne Lüthi den Dorfgasthof als engagierte Gastgeber. Ende Juni 2017 ­hören sie auf.

«Was wir danach machen, wissen wir noch nicht»: Susanne und Marco Lüthi mit Gästen im Restaurant Bären, in der Dorfbeiz von Eriswil.

«Was wir danach machen, wissen wir noch nicht»: Susanne und Marco Lüthi mit Gästen im Restaurant Bären, in der Dorfbeiz von Eriswil. Bild: Thomas Peter

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Samuel Nyffenegger, Ernst Liechti und Willi Tanner sitzen an einem der langen Holztische im Restaurant Bären in Eriswil. Sie sind sich einig: «Für unser Dorf ist es wichtig, dass es hier im nächsten Sommer weitergeht.» Denn im Bären stehe man praktisch immer vor einer offenen Tür. Nur am Mittwoch haben ­Susanne und Marco Lüthi Wirte-sonntag. Seit 18 Jahren sorgen die beiden Wirtsleute nun dafür, dass der Treffpunkt im Dorf offen bleibt. «Und so wollen wir es noch halten, bis wir aufhören», sagen sie.

Einmal, präzisiert Susanne ­Lüthi, hätten sie sich Gedanken gemacht, ob sie nicht einen Ruhetag mehr einführen könnten. Der Dienstag wäre dafür infrage gekommen. Doch an diesem Abend turnen die Frauen vom Damenturnverein, üben die Jodler und die Musikgesellschaft – und kommen für den geselligen Teil ­anschliessend in den Bären. «Ruhetag? Nein, das kommt nicht infrage», sagten sich Susanne und Marco Lüthi damals und fuhren weiter wie bis dahin.

Jung eingestiegen

Die beiden sind jung ins Wirte­leben eingestiegen. «Ich hatte als Schülerin bereits hier meinen Wochenplatz», blickt die Wirtin zurück. Später lernte sie Servicefachfrau. Für ihren heutigen Mann stand bereits früh fest: Er wollte Wirt, Bäcker oder Metzger lernen. Nach der Lehre und erster Berufserfahrung kehrte er mit seiner Frau in den elterlichen ­Betrieb zurück, weil Mutter und Stiefvater gesundheits- und altershalber kürzertreten wollten. 1999, mit gerade 29 und 24 Jahren, übernahmen sie den Betrieb.

«Die weite Welt hat uns nie ­gelockt», sind sich Susanne und Marco Lüthi einig. Dafür fanden sie in Eriswil eine Aufgabe, die ­ihnen zur Leidenschaft wurde. Hobbys oder eine Vereinstätigkeit lagen daneben nicht drin. Und bloss einmal im Jahr machten sie Ferien. «Dafür kam das Dorf, kamen die Vereine zu uns», stellen sie fest. Und sie kommen bis heute. Ins Jammern über das Vereinssterben und über Einbrüchen wegen Promillegrenzen und Rauchverbot mögen die beiden nicht einstimmen, obschon Eriswil ja beileibe nicht der Nabel der Welt ist und die Gäste zum Teil von weither in die Dorfbeiz kommen.

Es läuft gut

Dabei hätten sie zwar lange und hart gearbeitet, gestehen Susanne und Marco Lüthi ein, aber auch wirtschaftlich gut gelebt. Im Haus mit der bemalten Ründi und Baujahr 1763/1764 weht zwar überall der Hauch des Althergebrachten, es ist aber sehr gut instand gehalten. Eines ist den beiden denn auch wichtig zu betonen: Es sind nicht wirtschaftliche Gründe, die sie dazu bewogen ­haben, ihren Betrieb Ende Juni 2017 zu schliessen und die Liegenschaft zu verkaufen.

«Wir tun das durchaus auch mit einem weinenden Auge», räumt Susanne Lüthi ein. Und dann schwärmen sie und ihr Mann gemeinsam von den langen und rauschenden Feuerwehrabenden, die sie ausrichten konnten; von Taufen, Konfirmationen und Hochzeiten, oft aus den ­gleichen Familien, die für jedes Fest zu ihnen kamen – buchstäblich für Freud und Leid, wenn am Schluss die Angehörigen und Bekannten von einem langjährigen Gast an der Grebt Abschied nehmen mussten.

Es seien aber ebenso die kleinen Ereignisse, die ihnen in Erinnerung bleiben würden, gestehen sie ein: Die Frau, die jeden Morgen für den Kaffee in den Bären kam, die Männer, die für ihr Mittagessen einen Stammplatz hatten, deren Vorlieben und Abneigungen der Wirt kannte und berücksichtigte. Allein hätten sie das allerdings nicht geschafft, halten sie dankbar fest. Immer hätten sie auf zuverlässiges und flexibles Personal zählen können.

Was ist in fünf, zehn Jahren?

Was die Wirtsleute im Bären nun zum Aufhören bewegt, ist einerseits ihre Kinderlosigkeit. «Auch in der Verwandtschaft ist niemand in Aussicht, der in unsere Fussstapfen treten will», erklärt Marco Lüthi. Zudem seien sie inzwischen 46 respektive 41 Jahre alt. «Bisher hatten wir grosses Glück, wir waren nie ernsthaft krank.» In ihrem Alter hätten sie wohl die letzte Chance, noch etwas anderes anzupacken. «In fünf, zehn Jahren sähe es vermutlich anders aus, wenn wir dann kürzertreten müssten.» Was sie nach dem 30. Juni 2017 machen, wissen beide nicht. «Ich habe noch keine fünf Minuten an solche Gedanken verwendet», gesteht Marco Lüthi. «Wir hoffen, dass wir beim Verkauf noch einmal so viel Glück haben wie bisher», sagen sie.

Die Verkaufsdokumentation hat die Tona AG in Langenthal ­erstellt. Dass der Verkauf eines Gastronomiebetriebes nicht einfach ist, weiss Geschäftsführer Sacha Fuhrer ebenso wie seine Auftraggeber. Trotzdem ist er in diesem Fall zuversichtlich. Dazu tragen die moderaten Preisvorstellungen der Verkäufer bei. «Die 850 000 Franken sind ein Betrag, für den ein engagiertes Wirtepaar eine Existenz aufbauen kann. Sie können damit ohne weitere Investitionen sofort loslegen.»

Fuhrer ist selbst häufig Gast im Bären und schätzt den Charme und die Gastfreundschaft des Hauses. Mit den Eriswiler Stammgästen Samuel Nyffenegger, Ernst Liechti und Willi Tanner ist er einig: «Es ist wichtig, dass es dort im nächsten Sommer weitergeht.» (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 25.11.2016, 07:40 Uhr

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