Im Museum ist angezapft

Langenthal

Seit 1785 wird in Langenthal Bier hergestellt. Eine Sonderausstellung ­widmet sich nun dem gesellschaftlichen Aufstieg des Hopfensafts im Oberaargau.

  • loading indicator

«Bier ist etwas Gutes» und «Unsere Schweiz. Unser Bier» steht auf den bunten Plakaten, die derzeit im Museum Langenthal hängen. Gläser gefüllt mit dem goldenen Hopfengetränk und mit weisser Schaumkrone zieren die Illustrationen. Da läuft dem Betrachter das Wasser im Mund zusammen.

Die Plakate stammen aus einer Zeit, in der ein Gasthaus in der Schweiz nicht einfach mehrere verschiedene Biere in sein Sortiment aufnehmen konnte. Konkurrenzdruck durch Modernisierung, zunehmende Importe aus dem Ausland und die beiden Weltkriege stellten den Schweizer Braumarkt im 20. Jahrhundert vor grosse Herausforderungen.

Vor diesem Hintergrund setzte sich die Meinung durch, dass ein weiteres Überleben der Brauereien nur durch eine geregelte Marktordnung, also ein Bierkartell, möglich sei. Dies beinhaltete nicht nur, dass die Brauereien ausschliesslich an ­bestimmte Wirtshäuser liefern konnten. Es war ihnen auch untersagt, für ihre eigene Marke Werbung zu machen.

Um das Produkt schweizweit zu bewerben, seien Werbeprofis engagiert worden, sagt Beat Gugger und meint weiter: «Diese schönen Plakate hier haben wir also dem Kartell zu verdanken.» Gugger ist Kurator der Sonderausstellung «Bier her!». Vom 13. Oktober bis zum 4. Februar können Interessierte im Museum Langenthal in die Geschichte der Oberaargauer Braukunst eintauchen.

Es erregt die Gemüter

Im Zentrum der Ausstellung, die das Museum in Zusammenarbeit mit der Brau AG Langenthal und dem Restaurant Braui realisiert, steht das alte Langenthaler Bier. 1785 erwarb der Arzt Johann Georg Mumenthaler die erste Braukonzession für den Platz Langenthal. Er übergab diese an seinen Sohn Samuel, der in München eine Brauereiausbildung ­gemacht hatte. 1822 ging die Konzession an Jakob Marti über.

Mit Jakob Baumberger folgte 1859 schliesslich der Durchbruch des Langenthaler Biers. Er war zuerst Pächter, dann Käufer der Brauerei. Während vier Generationen, zuletzt unter Hans Baumberger, produzierte die Familie das bekannte Baumberger-Bier. 1983 wurde der Betrieb an die Zürcher Grossbrauerei Hürlimann verkauft. Deren Fusion mit Feldschlösschen dreizehn Jahre später bedeutete zugleich das vorläufige Aus der Langenthaler Braukunst.

Dieses Ereignis errege die Gemüter bis heute, sagt Beat Gugger. Zahlreiche Sammler haben Gegenstände wie Bierdeckel, Flaschen oder Plakate aus der Baumberger-Ära zusammengetragen. So ergänzen auch die Langenthaler Andreas und Samuel Geiser mit ihrer umfangreichen Sammlung die Ausstellung.

Im selben Raum wird der Bogen geschlagen zum Hasli-Bier, das 2001 lanciert wurde und mittlerweile dem 49er-Bier weichen musste.

Zwölf Brauereien

Erst mit der Aufhebung des Kartells Anfang der Neunzigerjahre wurde Platz geschaffen für Lokalbrauereien und die Vielfalt des Bieres. Deshalb wird im oberen Stock von jeder der zwölf Brauereien im Oberaargau eine Flasche präsentiert. Diese zusammenzutragen, sei für ihn der aufwendigste Teil gewesen, sagt Beat Gugger. Auf der offiziellen Liste der Brauereien seien nur diejenigen mit einer Biersteuernummer zu finden. Da viele Kleinstbrauereien zu kleine Mengen produzieren würden und deshalb keine Nummer hätten, musste er diese aktiv suchen.

Politisieren am Stammtisch

Die Idee für die Ausstellung hatte Jana Fehrensen, Co-Präsidentin des Museumsstiftungsrats, vor zwei Jahren. Sie beobachtete einen gesellschaftlichen Aufstieg des Hopfengetränks. «Bier wurde ursprünglich nur von Arbeitern und der Unterschicht konsumiert», sagt sie. Im 19. Jahrhundert hätten die Männer dann begonnen, in Bierhäusern am Stammtisch dazu zu politisieren. Aber: «Eine Frau in einem Bierhaus, das war unvorstellbar», so Fehrensen. Mittlerweile sei Bier auch unter Frauen beliebt. «Es ist heute ein Lifestylegetränk.»

Bei ihren Recherchen ist Fehrensen auf die Tradition der Biermarken gestossen. Dank diesen waren die Arbeitsstellen in der Langenthaler Brauerei besonders beliebt: Mitarbeiter erhielten jeweils Biermarken, die sie nach Feierabend im Restaurant Braui gegen ein Gratisbier eintauschen konnten. «Es gab Leute, die die Marken sammelten und für ihre Pension aufsparten. Als die Brauerei dann schloss, waren sie am Boden zerstört», erzählt Fehrensen.

Nun lebt die Tradition wieder auf: 1000 Stück wurden für die Ausstellung gestanzt. Die Marken können im Museum gekauft und im Restaurant Braui für ein Museumsbier eingelöst werden. Das Red Ale wird während der Ausstellungszeit von der Brau AG Langenthal gebraut. Und mit dem Bierquiz des Museums können Biertrinker sich die Zeit verkürzen. Denn: «Auf ein gutes Bier mit schöner Schaumkrone muss man im Restaurant manchmal warten», sagt Jana Fehrensen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt