Im Graubereich der Schwarzarbeit

Herzogenbuchsee

Jemand beschäftigte illegal für einen Hausbau einen Ausländer ­ohne Arbeitsbewilligung. Wers war, ist unklar. Ein Mann wurde vom Regional­gericht freigesprochen.

Der Verurteilte – ein einschlägig vorbestrafter Albaner – behauptete, er habe in Herzogenbuchsee nie eine Baustelle unterhalten.

Der Verurteilte – ein einschlägig vorbestrafter Albaner – behauptete, er habe in Herzogenbuchsee nie eine Baustelle unterhalten.

(Bild: Keystone)

Johannes Hofstetter

Die Geschichte ist fast drei Jahre alt. In Herzogenbuchsee liess ein Baumeister im Sommer 2015 drei Mehrfamilienhäuser erstellen. Weil er dafür nicht genügend Personal zur Verfügung hatte, spannte er ein Subunternehmen ein. Zwei Arbeitsmarktkontrolleure kontrollierten die Baustelle.

Zwei der drei balkanstämmigen Arbeiter waren «sauber», doch ihr Landsmann verfügte weder über eine Aufenthalts- noch über eine Erwerbsbewilligung.Die Staatsanwaltschaft verknurrte den vermeintlichen Arbeitgeber wegen einer Widerhandlung gegen das Ausländergesetz zu einer Geldstrafe von 600 Franken.

Der Verurteilte – ein einschlägig vorbestrafter Albaner – behauptete, er habe in Buchsi nie eine Baustelle unterhalten. Den kosovarischen Schwarzarbeiter kenne er nicht. Er sei weder von ihm angestellt noch bezahlt worden. Der Beschuldigte zog den Fall ans Regionalgericht Emmental-Oberaargau.

Ein grosses Durcheinander

Einen Tag lang versuchte Einzelrichterin Nicole Fankhauser, Ordnung in ein Wirrwarr aus mündlich vergebenen Aufträgen, telefonisch vereinbarten Spontanbeschäftigungen und gegenseitigen Abhängigkeiten zu bringen. An schriftlichen Vereinbarungen konnte sie sich nur sehr bedingt orientieren.

Der Geschäftsmann, der den Albaner mit den Maurerarbeiten betraut haben soll, erinnerte sich nicht an eine solche Auftrags­vergabe. Wahrscheinlicher – aber eben: nicht dokumentiert – sei, dass er die Arbeiten in Buchsi kurzfristig an ein Baugeschäft mit einem italienischen Namen vergeben habe, sagte er.

«Einfach so.»Der Zeuge

Tatsächlich gehört in dieses zigteilige Puzzle, wie sich im Verlauf der Verhandlung zeigte, eine italienisch betitelte Firma. Sie ­gehört der Freundin eines Ar­beiters, der den Schwarzarbeitscheck bestanden hatte. Je länger die Befragung fortschritt, desto unwilliger gab der Mann Auskunft.

Grossen Wert legte er allerdings darauf, dass der illegale Ausländer nicht von ihm, sondern vom Angeklagten nach Buchsi ­beordert worden sei. Als ihn die Richterin fragte, wieso er zu seiner ersten Befragung bei der Polizei eine Anwältin mitgebracht habe, obwohl er als Zeuge nichts zu befürchten gehabt hätte, antwortete er patzig: «Einfach so.»

Schwarzarbeiter ist abgetaucht

Im Namen seines Mandanten plädierte der Verteidiger auf einen Freispruch. Der längst abgetauchte Schwarzarbeiter sei nicht im Auftrag des Angeklagten auf der Baustelle gewesen, sagte der Anwalt, sondern als Arbeitnehmer jenes Maurers, der vor dem Vorfall vom 27. August 2015 als Selbstständigerwerbender in der Baubranche aktiv gewesen sei.

Er habe jahrelang geschäftliche Kontakte mit dem Beschuldigten gepflegt, sich aber irgendwann wegen einer Schuldenrückzahlung mit ihm überworfen. Nun versuche der Mann, die Schuld seinem Klienten in die Schuhe zu schieben.

«Dubiose Gestalten»

Die Aussagen des Arbeitsmarktkontrolleurs seien «widersprüchlich und diffus», fügte der Verteidiger an. Der Polizei habe der Inspektor mitgeteilt, eine Firma mit einer englischen Bezeichnung habe in Buchsi einen Schwarzarbeiter beschäftigt.

In einer Mail an die Staatsanwaltschaft sei später von einem Geschäft mit einem italienischen Terminus die Schreibe gewesen. Schriftliche Unterlagen über den Vorgang würden weitgehend fehlen. Der Kontrolleur hatte vor Gericht eingeräumt, einen Teil seiner Notizen vernichtet zu haben.

Nicole Fankhauser sprach den Angeklagten frei. Die Kosten für seine Verteidigung übernimmt der Staat ebenso wie die Auslagen für das Verfahren und die 1000 Franken, welche die Justiz dem Beschuldigten als Entschädigung für dessen Arbeitsausfall entrichtet.

Das Gericht habe in diesem Prozess «zum Teil etwas dubiose ­Gestalten» vor sich gehabt, sagte Fankhauser. Auch die Arbeit des Inspektors sei «nicht über alle Zweifel erhaben gewesen». Sein könne vieles, fasste die Vorsitzende zusammen. Beweisen lasse sich aber nichts. An der Schuld des Angeklagten gebe es «nicht zu unterdrückende Zweifel», daher der Freispruch.

Langenthaler Tagblatt

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