«Im Boden am besten aufgehoben»

Roggwil

Seit zehn Jahren wird im Gebiet Fryburg nach den Überresten einer keltischen Stadt gesucht. Mit neuen Sondierungen haben die Arbeiten diesen Herbst jetzt ihren vorläufigen Abschluss gefunden.

<b>Im Gebiet Fryburg</b> wird in Roggwil nun seit zehn Jahren nach den Überresten einer keltischen Stadt gesucht (Archivbild, 2015).

Im Gebiet Fryburg wird in Roggwil nun seit zehn Jahren nach den Überresten einer keltischen Stadt gesucht (Archivbild, 2015).

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Ganz am Rand des Oberaargaus und des Kantons gelegen, ist Roggwil heute nicht gerade der Nabel der Welt. Vor mehr als 2000 Jahren allerdings muss einer Siedlung im Nordosten des heutigen Gemeindegebiets eine überaus bedeutende Rolle zugekommen sein.

Darauf jedenfalls lassen die Forschungen schliessen, die Ehrenamtliche und Vertreter des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern seit nunmehr zehn Jahren immer wieder nach Roggwil zurückführen.

Anomalien entdeckt

Dabei hatte man nicht viel erwartet, als der Architekt bei einem Hausbau am Ahornweg, direkt neben der zum archäologischen Schutzgebiet erklärten Landwirtschaftszone im Fryburg, 2008 auf die Reste einer vorgeschichtlichen Grube stiess.

Die genauere Untersuchung der Fundgegenstände machte aber bald deutlich, dass hier in der vorrömischen Eisenzeit eine Münzwerkstatt betrieben worden sein musste. Und Münzen, das wusste man, wurden schon zur Zeit der Kelten nur in grösseren städtischen Zentren geprägt.

Nach zehnjähriger Forschung besteht für die Archäologen heute kein Zweifel mehr: Tatsächlich liegt im Erdreich im Fryburg eines jener zwölf keltischen Oppida verborgen, die Julius Cäsar in seinem Bericht über den Gallischen Krieg erwähnt.

Zu diesem Schluss hätten nicht nur die Qualität und die Menge der Funde geführt, die in den vergangenen zehn Jahren geborgen werden konnten, sagt Andrea Francesco Lanzicher vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern. Auch hätten geophysikalische Untersuchungen in den letzten fünf Jahren Anomalien im Boden im gesamten Gebiet zutage gebracht.

An sechs konkreten Stellen sind diesen Herbst deshalb erneut die Bagger zum Einsatz gekommen im Roggwiler Fryburg. Die Sondierungen hätten die geophysikalisch vermutete Struktur bestätigt, erklärt Lanzicher. Das wiederum helfe den Archäologen, ihre Kenntnisse über die Funde weiter zu verfeinern.

Weiterhin verborgen

Schon 2016 haben sich die Archäologen Peter Jud und Julia Bucher in zwei Aufsätzen ausführlich mit den Funden in Roggwil beschäftigt. In weiteren Publikationen sollen nun auch die jüngsten Erkenntnisse festgehalten werden.

Die Reste der zur Keltenzeit so bedeutenden Siedlung bleiben derweil weiter im Erdreich verborgen. «Wir graben grundsätzlich erst, wenn gebaut wird», hält Lanzicher fest. Denn im Boden, erklärt der Archäologe, sei ein Fund in der Regel doch am besten aufgehoben.

Langenthaler Tagblatt

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