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Ihr Wahlkampf spielt sich online ab

Plakate gibt es von ihnen keine zu sehen. Die Jungliberalen setzen voll auf digitale Plattformen. Mit dieser Strategie wollen sie sowohl junge als auch ältere Wähler abholen.

Auf moderne Art wollen sie ihre Ziele vermitteln (v.l.): Jon Baumann, Carole Howald, Helga Rösch, Leonie Eyer, André Rentsch und Michel Giesser beim Filmdreh.
Auf moderne Art wollen sie ihre Ziele vermitteln (v.l.): Jon Baumann, Carole Howald, Helga Rösch, Leonie Eyer, André Rentsch und Michel Giesser beim Filmdreh.
Olaf Nörrenberg

Erstmals zeigt sich dieser Tage nach langer Abwesenheit wieder die Sonne. Auf dem Wuhrplatz ist es ruhig, nur wenige Leute sind zu sehen. Eine Gruppe junger Frauen und Männer bewegt sich zielstrebig Richtung Langete. Aus­gerüstet sind sie mit Kamera, Mikrofon und Stativ. Die sechs Oberaargauer sind allesamt Vorstandsmitglieder der Jungliberalen Langenthal und Umgebung (JLL). Und sie kandidieren für den Grossen Rat.

Die jungen Erwachsenen nutzen diesen schönen Tag für einen Filmdreh. Das Video soll quasi als Prestige­objekt ihres Wahlkampfes fungieren. An ausgewählten Orten in Langenthal wird gedreht. So hat die Gruppe an diesem Tag bereits die Industrie, den Wald und das Gymnasium aufgesucht. Nun ist die Langete an der Reihe. «Im Film werden zugleich unsere Schlagworte Freiheit, Nachhaltigkeit und Digitalisierung repräsentiert», erklärt Stratege Jon Baumann.

Niemanden ausschliessen

Digitalisierung. Im Wahlkampf setzen die JLL voll und ganz auf Videos, Bilder und kleine Beiträge, die sie im World Wide Web veröffentlichen. Sie bewirtschaften zahlreiche Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram. Und natürlich ihre eigene Website, auf der das Video zu finden ist.

Plakate und Flyer von den insgesamt zwölf JLL-Kandidaten – je sechs Frauen und Männer – sucht man in der realen Welt ­indes vergebens. «Unser Wahlkampf ist jung verpackt. Alles kurz, prägnant und online», sagt Jon Baumann. Dementsprechend ist auch das Motto für die Grossratswahlen: «Wähle dein Superlike für den Kanton Bern!»

Lässt die Jungpartei mit dieser Strategie die ältere Generation bewusst links liegen? «Natürlich zielen wir als Jungpartei primär auf junge Leute ab, aber wir wollen niemanden ausschliessen», betont Baumann. Zumal mittlerweile auch viele ältere Semester auf Facebook zu finden seien, ­ergänzt Parteipräsident Michel Giesser. «Nur mit der jungen Generation könnten wir kaum ausreichend Stimmen sammeln», sagt Vizepräsident und Wahlkampfleiter André Rentsch.

Zeit statt Geld

Sein Budget beziffert der JLL-Vorstand mit lediglich 4500 Franken. Rund 3000 Franken seien in die Flyer, die dem Stimmmaterial beigelegt worden seien, investiert worden. Und ihre Beiträge auf Facebook würden sie jeweils für ein paar wenige Franken bewerben.

Viel mehr als das Geld zählt bei den Jungliberalen der Faktor Zeit. Die zwölf Kandidaten investieren viel von diesem Gut in den laufenden Wahlkampf. «Bei mir sind es sicher eine bis zwei Stunden pro Tag», sagt Parteipräsident und Jusstudent Michel Giesser. Er ist überzeugt, dass der Einsatz bei den Wählern gut ankommt: «Mit Eigenleistung erreicht man viel.»

Dazu zählen die Kandidaten – nebst den virtuellen Auftritten – auch die Pflege von persönlichen Kontakten. So zum Beispiel bei Gesprächen mit Sympathisanten oder Präsenz an Anlässen der Mutterpartei FDP. Und genau für die sehen sich die JLL-Kandidaten als Stimmengenerator.

Neu formierter Vorstand

Trotz geringer Chancen bei den diesjährigen Wahlen sind die Jungliberalen überzeugt, dass ein Grossratssitz in Zukunft möglich sein wird. «Unser Vorstand wurde letzten Mai neu konstituiert. Es sind nun die ersten Wahlen, bei denen wir Neues ausprobieren, um zu sehen, wie die Wähler auf digitale Inhalte reagieren», sagt Jon Baumann.

Präsident Michel Giesser hat sein Amt vor knapp einem Jahr von Zugpferd Lukas Bissegger übernommen. Der Parteivorstand kommt nun sehr jung daher: Giesser selbst hat Jahrgang 1993. Die weiteren Mitglieder wurden allesamt zwischen 1991 und 1997 geboren. Bissegger, der noch als Beisitzer amtet, ist mit Jahrgang 1986 der Älteste im Bunde.

Stadtratssitz zurückholen

Den aktuellen Probelauf will der neue Parteivorstand zugleich für die Stadtwahlen 2020 nutzen. Dann nämlich will die Jungpartei ihren vor zwei Jahren verlorenen Stadtratssitz zurückgewinnen. Und auch den aktuellen Wahlkampf nähmen sie durchaus ernst, andernfalls würden sie nicht so viel Zeit investieren, bekräftigt Michel Giesser. Um sich dann wieder seiner Kamera und der Parteikollegen an der Langete anzunehmen.

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