Hungernde Bienen waren weniger fleissig

Kanton Bern

Der kalte Frühling und der trockene Sommer brachten letztes Jahr im Kanton Bern viele Imker ins Schwitzen. Die Bienen fanden weniger Nahrung und brauchten mehr Aufmerksamkeit.

Bleibt zu hoffen, dass die Bienen diesen Frühling genug Nahrung finden. Foto: Keystone

Bleibt zu hoffen, dass die Bienen diesen Frühling genug Nahrung finden. Foto: Keystone

Die Nase läuft, der Hals kratzt und tut weh, der Schädel brummt: Die Grippewelle ist angerollt, und somit hat eines der ältesten Hausmittel dagegen Hochsaison: Honig. Im Tee, im Hustenbonbon oder auf die trockene Lippe. Just während der Grippesaison halten die Imkerinnen und Imker sowie der Verband Bernischer Bienenzüchtervereine (VBBV) ihre Generalversammlungen ab.

Dabei zeigt sich: Das Jahr 2018 war eine Herausforderung. Abgesehen von der Varroamilbe, der Sauer- und der Faulbrut sowie anderen Krankheiten litten die rund 32'000 Bienenvölker und somit auch die rund 3700 Imkerinnen und Imker im Kanton Bern unter dem Klima: Die Tiere hatten Hunger.

Knapper Treibstoff

Fritz Augsburger, Obmann Bienengesundheit des VBBV, schreibt in seinem Jahresbericht: «Zuerst die lange Kälte und danach ein rasanter Frühling. Das hatte zur Folge, dass in rund zwei Wochen die Bäume verblüht waren und die Wiesen gemäht wurden.» Danach sei nicht viel nachgewachsen, es war zu heiss und zu trocken.

«Die Imker mussten auf der Hut sein, dass ihre Bienen genügend Futterreserven hatten.» Fritz Augsburger, Obmann Bienengesundheit der Berner Bienenzüchter

Augsburger, der sich Beieli-Fritz nennt: «Die Imker mussten auf der Hut sein, dass ihre Bienen genügend Futterreserven hatten. Wer dies nicht beachtete, wurde möglicherweise schnell bestraft: Die Völker stellten die Brut ein, brachen zusammen und wurden gar krank.» Für Laien fasst der Obmann Bienengesundheit in seinem Jahresbericht zusammen: «Ohne Futter, sprich Treibstoff, geht auch bei den Bienen gar nichts mehr.»

Und einige Imker hätten bereits im Juli begonnen, mit Ameisensäure ihre Völker von der Varroamilbe zu befreien. Das hatte zur Folge, dass der Honig, den die Bienen danach produzierten, nicht konsumiert werden durfte.

Deutlich weniger Honig

Thomas Wegmüller, Obmann Honig VBBV, doppelt in seinem Jahresbericht nach: Im Vergleich zum Vorjahr habe 2018 keinen «imkerlichen Normalitäten» entsprochen. Der gerade neu gewählte Präsident des VBBV erklärt: «Im ländlichen Mittelland und in Höhenlagen bis 1000 Meter über Meer hungerten die Bienenvölker, weil die Natur nichts mehr hergab.»

Im Durchschnitt habe im Kanton Bern ein Volk zwischen 15 und 18 Kilogramm Honig geliefert. Apisuisse, der gesamtschweizerische Bienenverband, meldet eine Durchschnittsmenge von 23,2 Kilogramm. 2017 waren es 26, im Jahr 2016 betrug der Durchschnitt 13,9 Kilogramm. Das Rekordjahr war 2011 mit 29,1 Kilogramm Honig pro Volk.

Bienen mögen Siedlungen

Ein Volk, das hungert und ums Überleben kämpft, begibt sich seit je auf Wanderschaft. Bienen machen das nicht. Wenn ein Schwarm ausbüxt, dann tut er das, weil er sich abspaltet, eine neue Bienenkönigin ein Volk gründet und sich gemeinsam mit ihm in der Nachbarschaft eine neue Behausung sucht. Meistens werden diese Schwärme von Imkern eingefangen.

«Heute ist es oft so, dass Siedlungsgebiete recht attraktiv sind».» Ruedi Ritter, Fachstelle Bienen des Kantons

Nach einer Studie von Tom Seeley sammelt ein Bienenvolk die Hälfte des Honigs im Umkreis von 1,6 Kilometern, weitere 45 Prozent innerhalb von 5 bis 6 Kilometern, den Rest auf bis zu 10 Kilometern Distanz. Somit gibt es weder Land- noch Stadtbienen.

«Heute ist es oft so, dass Siedlungsgebiete recht attraktiv sind», erklärt Ruedi Ritter von der Fachstelle Bienen des Kantons Bern. Zunehmend herrsche dort aber eine hohe Bienendichte, wegen der Konkurrenz werde die Attraktivität dieser Gebiete, zu denen auch Friedhöfe gehörten, schlechter.

Vorsicht bei Umplatzierungen

Bienen werden zunehmend gezielt in Plantagen eingesetzt. Das wäre doch eine Möglichkeit, bei Hungersnöten die Bienen zu der Nahrung anstatt Nahrung in Form von Puderzuckerteig oder Honig zu den Bienen zu bringen? Jede Umplatzierung muss beim Zuständigen gemeldet und sehr genau geplant werden.

Denn wenn die Bienen durch die Blüten zu viele Pestizide und andere Giftstoffe einsammeln, ist nicht nur deren Gesundheit bedroht, sondern auch der Honig. Zudem muss strikt darauf geachtet werden, keine Völker aus Sperrgebieten von Faul- und Sauerbrut zu verschieben oder in Sperrzonen zu bringen.

Bienenstände müssen registiert sein. Laut Ruedi Ritter blieb der Bestand der Bienen im Vergleich zu den Vorjahren unverändert. Nach wie vor sei jede fünfte Schweizer Biene im Bernbiet daheim.

Das Interesse an der Imkerei ist hoch: Alle Ausbildungskurse des VBBV waren 2018 ausgebucht. Das ist auch in diesem Jahr bereits der Fall.

Langenthaler Tagblatt

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