Herzogenbuchsee

Hier ist der Dieselmotor weiter in

HerzogenbuchseeDie Duap AG feiert heuer ihr 75-jähriges Bestehen. Der grösste Arbeitgeber der Gemeinde hat sich von den schweren Zeiten erholt und ist optimistisch für die Zukunft.

Der langjährige Geschäftsführer Heribert Otto Geisser freut sich: Die Duap AG hat sich von den letzten Krisenjahren gut erholt.

Der langjährige Geschäftsführer Heribert Otto Geisser freut sich: Die Duap AG hat sich von den letzten Krisenjahren gut erholt. Bild: Marcel Bieri

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Wer bei einem Rundgang durch die Räumlichkeiten der Duap AG in Herzogenbuchsee mit Heribert Otto Geisser Schritt halten möchte, sollte eine gute Kon­dition mitbringen. Schnellen Schrittes führt der 86-Jährige durch die Produktionshallen. Er sei in der Branche der älteste noch aktive Unternehmer, sagt der langjährige Geschäftsführer ganz nebenbei und schmunzelt.

Auch im hohen Alter weiss er über die Abläufe in seiner Firma genau Bescheid: «Für diesen Bereich bekommen wir nächste ­Woche zwei neue, hochmoderne Schweizer Werkzeugmaschinen angeliefert», meint er an einer Stelle des Rundgangs zum Beispiel. Kostenpunkt: 1,7 Millionen Franken.

Es ist dies nur eine von vielen Investitionen, welche die Duap getätigt hat und in Zukunft noch tätigen wird. Das Unternehmen, das sich auf die Entwicklung, die Herstellung und den Verkauf hochpräziser Einspritzsysteme für Grossdiesel- und Grossgasmotoren spezialisiert hat, durchlebt derzeit viele Veränderungen.

Passend dazu wird derzeit eine interne Layoutplanung durchgeführt. «Seit mehr als anderthalb Jahren arbeitet die ­Duap an diesem Projekt», sagt Geisser, der immer noch im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung tätig ist. Dies mit dem Ziel, die Produktionskosten zu senken und die Arbeit für die Mitarbeitenden leichter zu gestalten. «Die Durchlauf­zeiten konnten massiv gesenkt werden.»

Belegschaft «durchgefüttert»

Die 1943 gegründete Duap blickt in ihrem Jubiläumsjahr auf harte Zeiten zurück. Und dies, obwohl vor zehn Jahren alles noch bestens ausgesehen hat: Die Firma, die immer noch der grösste Ar­beitgeber in Buchsi ist, trotzte damals der globalen Wirtschaftskrise und erreichte 2008 einen Rekordumsatz von über 30 Millionen Franken.

Kommt hinzu, dass sie im gleichen Jahr ihre neue Produktionshalle beziehen konnte. Denn 2005 hatte ein Grossbrand in einem Fabrik­gebäude an der Waldgasse einen Schaden von rund 14 Millionen Franken angerichtet.

Bereits in den folgenden Jahren setzte aber, wie Geisser erzählt, ein «konstanter Umsatzrückgang» ein. Dieser ging so weit, dass sich die Firma 2011 gezwungen sah, Kurzarbeit einzuführen. Und auch danach zeichnete sich zuerst keine Besserung ab: Der Umsatz brach in diesen Jahren gar um die Hälfte ein. «2014 und 2015 mussten wir unsere Belegschaft regelrecht durchfüttern», blickt Heribert Otto Geisser zurück.

Was war passiert? Die ganze Einspritzbranche war durch die Abwan­derung von zahlreichen Dieselmotorenherstellern nach Fernost in die Krise geraten. «Viele unserer Mitbewerber sind in dieser Zeit ganz verschwunden», weiss Geisser.

15 Projekte am Laufen

Und wie hat die Buchser Firma darauf reagiert? «Mit Kosten­senkungen sowie Produkte- und Prozessinnovationen», antwortet der Unternehmer stolz. «Wir haben uns neu aufgestellt.»

«Wir geben nicht auf, auch alte Motoren immer wieder zu verbessern.»Heribert Otto Geisser, Duap AG

So hat die Duap in den vergangenen Jahren die Lehrwerkstätten ausgebaut und nachhaltig neue Fachkräfte ausgebildet, in neue Werkzeugmaschinen investiert und sich gleichzeitig auf Prozesse wie Lasertechnik, 3-D-Drucken und elektronische Einspritzsteuerungen ausgerichtet.

Heribert Otto Geisser erklärt: «Mit den vollelektronischen Systemen lässt sich der Brennstoff- und Schmierölverbrauch um 10 bis 20 Prozent reduzieren.»

Mit ihren Neuentwicklungen ist die Duap AG den abgewanderten Motorenherstellern nach Fernost gefolgt. Sie verkauft diese dort zu Schweizer Preisen. Die Firma konnte mittlerweile von der Prototyp- zur Serienproduktion übergehen.

Insgesamt sind heute fünfzehn Projekte unterwegs «Jedes einzelne davon wird pro Jahr 4 bis 5 Millionen Franken Umsatz einspielen», sagt Geisser. Dies ermögliche es dem Unternehmen, langfristig konkurrenzfähig zu bleiben.

So ist der Umsatz bereits 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent gestiegen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres waren es gar 26 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im vorigen Jahr. Konkrete Umsatzzahlen kommuniziert das Unternehmen nicht.

Die Duap, die aktuell 122 Mitarbeiter beschäftigt, beliefert die Hersteller von Gas- und Dieselmotoren mit einer Leistung von 500 Kilowatt bis 100 Megawatt. Zu ihren Endkunden gehören Reedereien aus der Hochsee- und der Binnenschifffahrt genauso wie zum Beispiel Kraftwerk-, Eisenbahn- oder Minenbetreiber. Die Duap besitzt Nieder­lassungen in Ecuador, Italien, Russland und den USA.

«Motoren werden sauberer»

Auf den aktuellen Dieselskandal angesprochen, schüttelt Heribert Otto Geisser nur den Kopf. Verständnis für die derzeit herrschende Hysterie rund um diesen Treibstoff hat der Unternehmer nicht. «Die Motoren werden jeden Tag sauberer», stellt er klar.

Punkto Umweltverträglichkeit habe sich in den letzten Jahren vieles zum Guten gewendet. Dies auch dank der Duap AG. Die Oberaargauer Firma hat es sich zum Ziel gesetzt, Verbrauch und Emissionen zu verringern. «Wir geben nicht auf, auch alte Motoren immer wieder zu verbessern.» Mit ihren Neuentwicklungen sorge die Duap dafür, dass diese wirtschaftlicher und umweltfreundlicher gestaltet werden könnten.

Die Dieselmotoren hingegen einzuschmelzen, das hält der Unternehmer für die falsche Lösung. «Es handelt sich dabei um eine Energieverschwendung ersten Grades.» Und ebendieser Energieverbrauch sei schliesslich das grösste Übel für die Umwelt.

Kurz vor dem Untergang

Dass die Duap in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen feiern kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Begonnen hatte es zwar als Erfolgsgeschichte: So konnte die Firma, die als Dreimannbetrieb gegründet worden war und zu deren ersten Abnehmern führende Schweizer Traktorenhersteller gehörten, anfangs stark wachsen.

Bereits ab 1963 konnte sie mit den wichtigsten Motorenbauern zusammenarbeiten, so auch der Firma Gebrüder Sulzer. Auch der Verkauf von Werkzeugmaschinen brachte der Duap über die Jahre viel Geld ein, und zu Spitzenzeiten beschäftigte das Unternehmen über zweihundert Mitarbeiter.

Trotzdem: Als Heribert Otto Geisser 1985 die Geschäfts­leitung übernahm, stand die ­Firma kurz vor dem Untergang. Sie schrieb einen Verlust von 7,5 Millionen Franken und sah sich mit Bankschulden von über 20 Millionen Franken konfrontiert. «Es herrschten dramatisch falsche Verhältnisse, und ich musste zuerst mit der harten Hand durchgreifen.»

Mit Erfolg: Bereits ein Jahr später erzielte das Unternehmen erstmals wieder Gewinn. 1987 gelang es Geisser, die Werkzeugmaschinenproduktion, die komplett am Boden lag, zu verkaufen. Und 1992 erhielt die Duap schliesslich einen Entwicklungsauftrag der Firma Siemens, der ihr rund 4 Millionen Franken einbrachte. «Ein Glücksfall», meint Geisser, der sich selbst als «Sanierer» bezeichnet, rückblickend. «Damit konnten wir uns finanziell retten.»

Tag der offenen Tür

Was die Fehler aus der Ver­gangenheit betrifft, zeigt sich Geisser durchaus selbstkritisch. «Ich halte mir auch selbst immer wieder den Spielgel vor.» Denn Fehler seien immer dann be­gangen worden, wenn es dem Unternehmen besonders gut gegangen sei.

Anlässlich des Jubi­läums wird die Duap noch dieses Jahr ein neues Buch, «Unter­nehmensführung II», veröffentlichen. «Darin erklären wir, was wir in den vergangenen Jahren gut oder falsch gemacht und nun geändert haben», sagt Unter­nehmer Geisser.

Das Jubiläumsprogramm umfasst neben einem betriebsinternen Festanlass für Lieferanten, Kunden und Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft unter anderem auch einen Tag der offenen Tür für die Bevölkerung am Samstag, 15. September. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 17.04.2018, 09:38 Uhr

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