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Herausforderung Holzpreis

Vor 150 Jahren trennte sich die Burgergemeinde Melchnau von der Einwohnergemeinde. Dieses Jubiläum feierte der Burgerrat mit einem Apéro für die Bevölkerung.

Anstossen auf eine lange Tradition: Burgerpräsident Thomas Schulthess (links) und sein Vorgänger Urs Leuenberger (ganz rechts).
Anstossen auf eine lange Tradition: Burgerpräsident Thomas Schulthess (links) und sein Vorgänger Urs Leuenberger (ganz rechts).
Thomas Peter

Mit dem Ausscheidungsvertrag vom 10. Juli 1867, der am 1. Januar 1868 in Kraft trat, einigte sich die Burgergemeinde Melchnau mit der Einwohnergemeinde über die Zuteilung der Güter.

Gemäss Ausscheidungsvertrag besass die Burgergemeinde 1867 rund 194 Hektaren Allmendland mit einem Wert von 231'000 Franken. Dieses Land wurde 1873 den nutzungsberechtigten Burgern abgetreten. Beim Häisiwilweiher besass die Burgergemeinde zusätzlich 50 Aren Land und bewirtschaftete zudem 214 Hektaren Wald.

«Heute ist die Burgergemeinde noch Eigentümerin eines Hauses mit zwei Wohnungen an der Madiswilstrasse und im Besitz von Wald. Land hat die Burgergemeinde heute keines mehr», erklärt Thomas Schulthess, seit Januar 2018 Präsident der Burgergemeinde Melchnau.

«Bettlerjagden»

Der Ursprung der Burgergemeinden reicht jedoch beträchtlich weiter zurück als ins 19. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert litten die Dorfgemeinschaften unter dem «Vaganten- und Bettlertum». Es kam zu regelrechten «Bettlerjagden», um die Armen dorthin ­zurückzuschicken, wo sie herkamen oder eben Burger waren. Erst mit den Mandaten vom 29. März 1676 und vom 14. Oktober 1679 verbot die Regierung von Bern, Arme abzuschieben.

«Die Burger­gemeinde Melchnau verfügt über gesunde finanzielle Verhältnisse. Wir schreiben schwarze Zahlen.»

Thomas Schulthess, Präsident

Das Hungerjahr 1817 war vermutlich Anlass dafür, dass sich Hans Jenzer als erster Melchnauer Burger entschloss, die unsichere dreimonatige Schiffsreise nach Amerika auf sich zu nehmen. Als 1845 die sogenannte Erdäpfelpest ausbrach und sieben Jahre grassierte, entschlossen sich viele Melchnauer Burger ebenfalls zum Auswandern. Von 1850 bis 1853 stellten 96 Personen einen Ausreiseantrag.

Bis ins Jahr 1984 bezahlte die Burgergemeinde den im Dorf wohnenden Burgern einen so­genannten Burgernutzen. Der schlechte Ertrag der Wälder erlaubte es danach jedoch nicht mehr, eine solche Auszahlung zu tätigen.

245 Burger

Von 1823 bis 1998 wurden exakte Burgerregister geführt, die auch heute noch der Familienforschung dienen. Mit den 1929 ­eingeführten Familienregistern wurde die Registrierung der Burgerfamilien vom Zivilstandsamt übernommen. Auch heute leben noch viele Melchnau-Burger in der Gemeinde. 245 Burger sind registriert. Beispiele dafür sind die Geschlechter Bösiger, Duppenthaler, Jenzer, Jufer, Käser, Leibundgut, Leuenberger, Roth, Schärer oder Schulthess.

Viel Sturmholz

Präsident Thomas Schulthess sieht als Herausforderung für die Zukunft der Burgergemeinde das Preisniveau des Holzes. «Beim Holzverkauf ist der Preis gefallen, weil viel Sturmholz vorhanden ist.» Bereits heute arbeitet die Burgergemeinde Melchnau im Forst mit Lotzwil und Madiswil zusammen und betreibt einen gemeinsamen Maschinenpark. «Diese Zusammenarbeit, die sich sehr bewährt, wird in Zukunft noch intensiviert.» Die Burger­gemeinde Melchnau verfüge über gesunde finanzielle Verhältnisse. «Wir schreiben jährlich schwarze Zahlen mit jeweils einem kleinen Gewinn», so Schulthess.

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