«Gute Kunst muss berühren»

Lotzwil

Drei in der Region bekannte Gesichter stellen derzeit mit «Lebenslinien» im Kunstkreis 49 aus. Daneben engagieren sich alle auch für den gleichnamigen Verein.

Haben gemeinsam angepackt: Die Künstler (v. l.) Rolf Frischherz, Mira Strub und Christoph Nikolaus.<p class='credit'>(Bild: Andreas Marbot)</p>

Haben gemeinsam angepackt: Die Künstler (v. l.) Rolf Frischherz, Mira Strub und Christoph Nikolaus.

(Bild: Andreas Marbot)

«Wir wollten etwas Gemeinsames kreieren, das war von Anfang an klar», sagt Christoph Nikolaus, einer der Künstler, die momentan im Kunstkreis 49 in Lotzwil ausstellen. So sind die Ausstellungsteile der drei Kunstschaffenden nicht strikte getrennt, sondern ­geschickt miteinander verwebt.

Ausserdem haben sie im Eingangsbereich eine organische, baumartige Installation geschaffen, die Besucher an verschiedenen Orten im Raum berührt. Berühren – das soll auch der Rest der Ausstellung.

Denn das Ziel guter Kunst sei es, ihre Betrachter emotional anzurühren, da sind sich die drei Kunstschaffenden einig. So haben sie für ihre erste Ausstellung mit dem Titel «Lebenslinien» auch ein sehr persönliches Thema gewählt.

Mira Strub verarbeitet in ihren Bildern, die sie mit Acryl, Bitumen und selbst gemachter Rostfarbe malt, oft Geschichten und berufliche Erfahrungen als Kunst- und Gestaltungstherapeutin. «Ich glaube, dass mir die Kunst geholfen hat, so lange in der Psychiatrie zu arbeiten und trotzdem ein fröhlicher Mensch zu bleiben», sagt sie.

Ein innerer Zwang

Auch für Rolf Frischherz, Vorstandspräsident des Kunstkreises 49, ist die Kunst ein Ventil für die Erfahrungen, die er in seinem Beruf als Change-Management-Coach macht: Viele seiner Werke erzählen die Geschichte ehema­liger Klienten.

So ist für ihn vor ­allem der Entstehungsprozess wichtig. «Ich muss all diese Eindrücke einfach irgendwie verarbeiten. Das ist wie ein innerer Zwang», sagt Frischherz.

Mit der Fertigstellung war dieser Prozess früher für ihn erledigt, und er zerstörte die Werke wieder; auch weil sich in jedes Kunstwerk unweigerlich Fehler und Imperfektionen einschleichen. Nach einiger Überzeugungsarbeit von Freunden habe er dann aber angefangen, die Werke zu behalten.

Die Skulpturen sind stets mit Blattgold oder -silber überzogen – ein Zeichen seiner Wertschätzung gegenüber dem Menschen. «Der Mensch ist etwas unwahrscheinlich Wertvolles. Jeder Person schuldet man Respekt», sagt Frischherz, «das will ich mit meiner Materialwahl zum Ausdruck bringen.»

Zu vielen seiner Werke liefert der Künstler Geschichten und Gedanken dazu gleich mit. Sie stehen auf einem Notenständer daneben. «Ich bin schliesslich Coach», sagt er lachend.

Fundstücke

Christoph Nikolaus dagegen gibt mit seinen Holzskulpturen Fundstücken ein neues Leben, die er oft von Spaziergängen, Wanderungen oder Reisen mitbringt. Nicht selten begleiten ihn die Holzstücke bereits über längere Zeit, bevor er sich entschliesst, sie zu bearbeiten.

Denn Reinschneiden ist immer ein grosses Wagnis, wie der Künstler betont. Die Skulpturen, zu denen Nikolaus immer angibt, woher das verarbeitete Holz stammt, zeigen zum Teil auch mathematische Figuren.

Zum Beispiel ein Möbiusband. Das hat mit seiner eigenen Lebenslinie zu tun, hat sich der pensionierte Ingenieur doch in seinem Beruf intensiv mit Mathematik und auch Geometrie befasst.

Langenthaler Tagblatt

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