Gesucht: Ein Tower, der ins Bild passt

Madiswil

Am nächsten Wochenende kommt es in der Gemeinde zu einer Premiere: Erstmals haben die Stimmberechtigten fürs Präsidium eine Wahl: zwischen Markus Roth (SVP) und Ueli Werren (Freie Wähler).

Markus Roth (links) und Ueli Werren attestieren sich gegenseitig, das Rüstzeug zum Präsidenten zu haben.

Markus Roth (links) und Ueli Werren attestieren sich gegenseitig, das Rüstzeug zum Präsidenten zu haben.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Jürg Rettenmund

Sie wollen Madiswil in die Zukunft führen. Wie sieht Ihre Gemeinde im Jahr 2040 aus?

Ueli Werren: Für mich wäre es absolut genial, wenn Madiswil zu diesem Zeitpunkt energiemässig autark wäre, indem wir zum Beispiel unseren nachwachsenden Rohstoff Holz besser nutzen und Fotovoltaikanlagen auf alle Dächer bauen.

Markus Roth:Ich werde 2040, wenn mir das Leben bis dahin geschenkt wird, über 80 Jahre alt sein. Ich möchte dann mit einem guten Gefühl sagen können, dass ich den folgenden Generationen oder meinen Nachkommen Madiswil so weitergeben konnte, wie es ist: als gute, schöne Wohngemeinde, die in jeder Beziehung lebenswert ist. Dazu kann auch die Energieautarkie gehören, die Ueli Werren anstreben will. Zudem soll Madiswil keine Schlafgemeinde werden.

Werren: Das alles sollte aber möglich sein, ohne neues Land einzuzonen. Es reicht, wenn wir unsere Lücken füllen und in die Höhe wachsen. So bleibt die Landwirtschaftsfläche erhalten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem «Oberaargauer Tower» anstelle des Silos der Landi, des höchsten Gebäudes des Dorfes, wenn wir schon Visionen entwickeln?

Roth: Beim Bauen ist das Ei des Kolumbus noch nicht gefunden. Bauen in die Höhe muss dann auch noch in die Landschaft passen. Verträgt sich ein Tower mit Madiswil? Hier sind die Herausforderungen enorm. Ein Stopp für neues Bauland ist mir zu absolut. Wir müssen dort kritisch sein, wo wie im Moment einfach gebaut wird, ohne dass nach dem konkreten Bedarf gefragt wird.

Sie werden nicht bis 2040 gewählt, sondern bloss für die nächsten vier Jahre. Was sind Ihre Prioritäten für die Legislatur?

Roth: Ich lasse hier zuerst Ueli Werren reden: Du bist voll drin in den Geschäften.

Werren: Auch in unserer Gemeinde ist schnelles Internet wichtig. Wir müssen feststellen, dass die Swisscom zum Beispiel an Leimiswil kein Interesse hat. 95 Prozent Abdeckung erreicht sie auch ohne dieses. Deshalb müssen wir das als Gemeinde an die Hand nehmen. Wir können zum Beispiel aus der bestehenden Fernsehgenossenschaft einen Gemeindebetrieb machen. Von meinem Beruf her strebe ich in Madiswil eine Basisstufe an. Die Schulsozialarbeit konnten wir ja glücklicherweise auf das nächste Schuljahr aufgleisen. Markus Roth und ich haben das bereits diskutiert, er sieht das gleich.

«Ich muss die Gemeinde mit allen Räten als Team führen können.»Markus Roth

Ist das so?

Roth: Im Bildungsbereich kann ich naturgemäss weniger mitreden als Ueli Werren. Mir fehlen die fundierten Einblicke. Ich kann noch nicht beurteilen, ob die Basisstufe das Gelbe vom Ei ist. Für mich gilt es deshalb, Varianten zu prüfen, sie zu analysieren und eine Richtung festzulegen.

Damit sind wir von der Sachebene bereits auf die Handlungsebene umgeschwenkt: Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit im Rat vor, wenn Sie als Präsident gewählt werden?

Roth: Mir ist es sehr wichtig, dass ich Ueli Werren mit im Boot habe. Ich erlebte ihn als Finanzkommissionspräsident und stellte dabei fest, dass er sich nicht nur um seine Kernaufgabe als Gemeinderat kümmerte: die Zahlen. Er schaute zu allem. Das ist mir sehr wichtig: Ein Gemeinderat muss für die ganze Gemeinde sorgen, und ich muss mit allen Räten als Team die Gemeinde führen können.

Ueli Werren, sie haben bereits vier Jahre hinter sich: Wie realistisch sind die Vorstellungen von Markus Roth?

Werren: Sie sind sehr realistisch. Wobei man sich bewusst sein muss, dass der Spielraum der Gemeinden heute sehr klein ist. Der Kanton verfügt über den grössten Teil des Budgets. Deshalb steht auf Gemeindeebene die Parteipolitik eigentlich nicht im Vordergrund. Wir haben Sachfragen zu lösen. Wir müssen die Leute nicht «überschnorren», sondern für etwas gewinnen. Die Schulsozialarbeit konnten wir nur so aufgleisen.

«Wir müssen die Leute nicht ‹überschnorren›, sondern sie für etwas gewinnen.»Ueli Werren

Wenn Sie vom Sichfinden sprechen: Die Gemeinde Madiswil ist ja immer noch das Produkt einer Fusion. Ueli Werren, als Kleindietwiler befürworteten Sie den Zusammenschluss. Nach acht Jahren: Hat sich die Fusion gelohnt?

Werren: Ich bin immer noch felsenfest überzeugt, dass sie eine Notwendigkeit und der richtige Weg war. Ich selbst fühle mich unterdessen als Madiswiler, gehöre seit acht Jahren der Finanzkommission an, seit vier Jahren dem Gemeinderat. Ich fühlte mich als einziger «Übrigbleibender» prädestiniert, für das Präsidium anzutreten.

Sie gestehen auch Ihrem jeweiligen Konkurrenten das Format für das Präsidium zu. Wagen Sie zum Schluss eine Prognose: Wer wird es?

Roth: Ich habe mit der SVP das stärkste Lager hinter mir. Das war auch der Grund, warum ich mich dieser Wahl stelle: Es kann nicht sein, dass die grösste Partei nicht antritt. Ich kann deshalb davon ausgehen, dass ich gewählt werden könnte. Doch Wahlen sind immer unvorhersehbar. Zudem habe ich mit Ueli Werren einen sehr valablen Gegenkandidaten.

Werren: Für mich sind wohl 40 Prozent ein realistisches Ziel. Wenn alle, die nicht SVP wählen, mir die Stimme geben, könnte ich die Überraschung schaffen.

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