Langenthal/Obersteckholz

Langenthal und Obersteckholz legen Fusion auf Eis

Langenthal/ObersteckholzDie Gemeindehochzeit ist noch nicht abgesagt, der Termin allerdings geplatzt: Weil bei der Wasserversorgungsfrage trotz zeitweiliger Zuversicht noch ­immer keine Lösung vorliegt.

Die Wasserversorgung läuft in Obersteckholz heute über zwei Versorger. Will das Dorf mit der Stadt fusionieren, muss sich das ändern.

Die Wasserversorgung läuft in Obersteckholz heute über zwei Versorger. Will das Dorf mit der Stadt fusionieren, muss sich das ändern. Bild: Thomas Peter

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«Die Enttäuschung ist gross, es ist schon fast eine Ohnmacht», sagt ein resignierter Heinrich Jörg, Gemeindepräsident von Obersteckholz.

Nachdem der Grundsatzentscheid zur Fusion mit Langenthal von Stadtparlament und Gemeindeversammlung im Juni positiv ausgefallen war, hätten bis Ende Oktober nun Fusionsvertrag und -reglemente ausgearbeitet und sodann die Mitwirkung gestartet werden sollen, sodass im September 2017 der definitive Fusionsentscheid hätte gefällt werden können.

Es wäre ein schöner Abschluss gewesen für den Gemeindepräsidenten, dessen Amtszeit Ende 2017 nach 16 Jahren ohnehin endet. Nun aber sind die Fusionsverhandlungen bis auf weiteres sistiert, ein Zusammenschluss mit Langenthal per 2018 ist nicht mehr denkbar.

Der Grund: Nach wie vor hat sich die Gemeinde Obersteckholz mit ihrer privaten Wasserversorgungsgenossenschaft nicht einigen können betreffend die Übernahme von deren Leitungsnetz. Doch genau diese Übernahme ist für die Stadt Voraussetzung für eine Fusion.

Lösung «nicht in Aussicht»

«Langenthal wird nicht bedingungslos fusionieren», hatte Stadtpräsident Thomas Rufener schon im Februar klargemacht. Auch der Grundsatzentscheid zur Fusion stand im Juni deshalb unter dem Vorbehalt, dass die Übertragung des öffentlichen Versorgungsauftrags und des Leitungsnetzes vor der definitiven Fusionsabstimmung von der Genossenschaft auf die Gemeinde Obersteckholz sichergestellt sein müsse.

«Ein Alleingang der Genossenschafter mit einem parallelen Leitungsnetz und einem eigenen Gebührensystem wurde als nicht hinnehmbarer Nachteil bezeichnet, welcher einer Fusion klar entgegensteht», wird in der am Mittwochnachmittag versandten gemeinsamen Mitteilung beider Gemeinderäte neuerlich betont.

Eine einvernehmliche Lösung habe aber nicht erwirkt werden können «und steht derzeit auch nicht in Aussicht».

Verhärtete Fronten

Noch vor dem Grundsatzentscheid hatte sich Heinrich Jörg zuversichtlich gezeigt: Eine Lösung zeichne sich ab, sagte er an der Gemeindeversammlung. Nach personellen Wechseln im Vorstand der Genossenschaft haben sich die Fronten aber offenbar nun noch verhärtet.

«Wir haben dreimal das Gespräch gesucht, und dreimal ist es uns ­verweigert worden», sagt ein resignierter Gemeindepräsident. Lösungsvorschläge seien nur noch schriftlich ausgetauscht worden – ohne Ergebnis.

«Wir haben dreimal das Gespräch gesucht, und dreimal ist es uns verweigert worden.»Heinrich Jörg, Gemeindepräsident

Die Situation sei verzwickt, zeigt Jörg Verständnis sowohl für die Stadt, die sich durch die Fusion in ihren Organisations- und Versorgungsstrukturen nicht verzetteln will, wie ein Stück weit auch für die Genossen, die weiterhin unabhängig bleiben wollen.

Andererseits könnten diese die Auflagen gar nicht mehr erfüllen, verweist er auf den dringenden Sanierungsbedarf der Wasserversorgung. «Insofern wäre der Anschluss eine gute Lösung gewesen, die allen gedient hätte.»

Diskussion im Dezember

Wie es nun weitergehen wird, ist offen. Die finanzielle Situation in Obersteckholz ist angespannt, darauf hat der Gemeinderat immer wieder hingewiesen. Man werde weiterhin um eine Lösung bemüht sein, damit die Fusionsverhandlungen fortgesetzt werden können, versichert Jörg.

Und auch der Stadtpräsident hält fest, dass die Fusion keinesfalls bereits gestorben sei. Die Sistierung sei bedauerlich. «Es wäre aber nicht ökonomisch, jetzt fortzufahren.»

Die Obersteckholzer Bevölkerung wird heute Donnerstag im Informationsblatt der Gemeinde orientiert. Traktandiert ist die Wasserversorgung ausserdem für die Gemeindeversammlung vom 13. Dezember.

Als die Traktandenliste verschickt worden sei, habe man noch gehofft, einen ­Beschluss fassen zu können, sagt Heinrich Jörg. Nun wird mindestens informiert. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 23.11.2016, 20:09 Uhr

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