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Für Grosis und Enkel von heute

Die Bibliothek umwirbt die älteren Generationen. Den Besuch im Seniorenpark Sonnegg ergänzen seit heute Koffer. Sie können von allen ausgeliehen werden, die temporär Kinder betreuen.

Das neueste Angebot der Bibliothek Huttwil: Franziska Heiniger und die von ihr entwickelten Generationenkoffer.
Das neueste Angebot der Bibliothek Huttwil: Franziska Heiniger und die von ihr entwickelten Generationenkoffer.
Olaf Nörrenberg

Seit einem guten halben Jahr packen zwei Mitarbeiterinnen des Ausleihteams aus der Bibliothek Huttwil einmal im Monat einen Einkaufswagen mit Büchern und gehen in den Seniorenpark Sonnegg. Nun hat die Bibliothek zusätzlich drei rote Koffer mit weissen Punkten gepackt.

Mit diesen geht sie jedoch nicht zu den Senioren, sie leiht sie aus. Zum ersten Mal stehen sie heute Montag zur Verfügung, wie Franziska Heiniger erklärt. Sie gehört dem Ausleihteam seit ei­nem Jahr an und hat berufs­begleitend den Grundkurs der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken an der Pädagogischen Hochschule Bern besucht.

Zusammen mit zwei Kolleginnen aus den Bibliotheken Nidau und Spiez hat sie die Koffer als Abschlussarbeit entwickelt. Sie richten sich an Grosseltern, Gotten, Götti, Onkel und Tanten sowie alle, die Kinder im Vorschulalter hüten und betreuen. Im ­Generationenkoffer finden sie Bücher, aber auch Ton- und Filmkassetten und weiteres Material zu einem Thema.

Figuren zum Nachspielen

«Hier geht es zum Beispiel um Tiere», sagt Franziska Heiniger und öffnet einen der Koffer. Sie greift zu einem Stoffsäcklein und entnimmt ihm einen Gorilla. «Es ist ein recht gefürchiger», räumt sie ein und schmunzelt. Lieblicher sind da das Füchslein, die Ziege und das Huhn. «Dieses Säcklein hat es in jedem Koffer, damit nicht nur erzählt, sondern auch nachgespielt werden kann», erklärt Franziska Heiniger.

Auch sonst habe sie darauf geachtet, dass die Bücher vielfältige Anregungen für einen Tag mit einem Kind gäben, das noch nicht selbst lesen könne. Mit dem Tierkoffer kann man zum Beispiel selbst nachforschen, wer im Garten wohnt, oder man kann «tierisch basteln».

Sie und ihre Kurskolleginnen hätten sich allgemein mit dem Angebot für die Generation 50+ befasst, ergänzt die Huttwilerin. Dabei hätten sie festgestellt, dass die Erwartungen der Seniorinnen und Senioren an eine Bibliothek sehr vielfältig seien. Neben der Generation 80+, die das Ausleihteam im Seniorenpark besuche, gebe es die noch immer sehr aktiven Frauen und Männer, die die berufstätigen Eltern bei der Kinderbetreuung unterstützten.

Dass diese Kundinnen und Kunden die Koffer aus der Bibliothek schätzen, davon zeigt sich ihre Schöpferin überzeugt. Denn sie entsprächen den heutigen Bedürfnissen: Einerseits kommen heute sehr mobile Menschen ins Rentenalter. «Wer mehrmals im Leben umgezogen ist, kann die Bücher für die Enkel nicht einfach vom Estrich holen.» Anderseits sei das Angebot für die Kleinen heute vielseitiger, weshalb sie auch an Bilderbücher andere Ansprüche hätten als früher.

Grosselternkoffer sind denn auch nicht ganz neu. Bereits im Angebot haben sie die Kantonsbibliothek Baselland in Liestal, die Regionalbibliothek Weinfelden oder bereits seit fünf Jahren die Regionalbibliothek Langenthal. Die Langenthaler Koffer seien sicher nicht der grosse Renner im Angebot, hält Leiterin Monika Hirsbrunner fest, würden aber regelmässig nachgefragt und geschätzt. Eingeführt wurden sie zusammen mit anderen Angeboten, die sich speziell an Seniorinnen und Senioren richten.

Kinder bringen ihn mit

Das Langenthaler Angebot nennt sich deshalb Grosselternkoffer. Der Name habe sich etabliert, hält die Leiterin fest, und bleibe deshalb, auch wenn Generationenkoffer der Wirklichkeit näher komme. Er werde nicht nur von Gotten oder Onkeln gebraucht, sondern auch von Eltern, die sie ihren Kindern mit in die Ferien zu Verwandten geben.

Geschätzt werde, dass die Auswahl von professionellen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren erstellt worden sei, sagt Monika Hirsbrunner. Weil nach fünf Jahren die meisten Benutzer die Koffer bereits mindestens einmal ausgeliehen haben, wurden sie eben neu bestückt. Nun stehen die Themen Stadt und Land, Bauernhof, Chrüsimüsi und Zauberhaft zur Auswahl.

In Huttwil hat Franziska Heiniger die Abschlussarbeit zusammen mit dem Ausleihteam weiterentwickelt. Für den Abschluss hatte sie das Thema Musik aus­gewählt. «Das war meinem beruflichen Werdegang geschuldet», hält sie fest, war sie doch vor ihrer Familienpause Musikalienhändlerin und kannte deshalb vor allem dieses Material. Die Huttwiler Kolleginnen favorisierten nebst den Tieren die Themen Stadt und Land sowie Elemente.

Zufrieden sind die Ausleihfrauen der Bibliothek damit, wie die Ausleihe im Seniorenpark angelaufen ist. Vier bis acht Bewohnerinnen und Bewohner nutzen jeweils das wechselnde Angebot von ungefähr fünfzig Büchern aus den Bereichen Heimat-, Kriminal- und Liebesromane und schätzen die Begegnungen, die die Bibliotheksstunde ermöglicht.

Nun hoffen die Frauen der Ausleihe, auch mit dem Generationenkoffer auf Interesse zu stossen.

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