Roggwil

Faszinierendes Spiel mit Erwartungen

RoggwilNach der fast dreimonatigen Sommerpause öffnete die Bromer Kunst dieses Wochenende wieder ihre Türen. In der neuen Ausstellung Synthesis werden Werke von Angela Glajcar und Thomas Röthel gezeigt.

In der Eingangshalle: Doppelschale von Thomas Röthel und «Terforation Roggwil» von Angela Glajcar.

In der Eingangshalle: Doppelschale von Thomas Röthel und «Terforation Roggwil» von Angela Glajcar. Bild: Olaf Nörrenberg

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Auf den ersten Blick wirken die Werke von Angela Glajcar und Thomas Röthel so unterschiedlich wie nur möglich: Die eine arbeitet mit Papier, der andere mit Stahl. Hier reicht ein blosser Handgriff, um das Material zu bearbeiten, dort muss es stark erhitzt werden, um überhaupt erst formbar zu werden. Doch beide Künstler arbeiten mit dem Gegensatz schwer/leicht und spielen mit den Erwartungen, die man an das jeweilige Material hat.

So entlocken die Plastiken aus Papier dem flexiblen Material eine ungeahnte Festigkeit, Schwere und Gesetztheit. Sie zeigen aber gleichzeitig auch immer seine verletzliche, filigrane Seite. Massive Papierstapel, in denen ein Loch klafft, vereinen beide Eigenschaften in sich. Besonders spannend ist auch, wie die Werke mit Licht und Schatten spielen. Die Wirkung des weissen Papiers lässt sich je nach Beleuchtung überraschend leicht verändern.

Je nach Beleuchtung wirken die Tunnel, die in hintereinander ­gehängte Papierbahnen gerissen wurden, warm, einladend, strahlend, oder geradezu frostig. Durch die sich überlagernden Risskanten werden innerhalb des ganzen Werks Schatten geworfen, die sich je nach Ausrichtung des Betrachters und der Lichtquelle dynamisch verändern und so immer wieder neue Details ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.

Bücken und strecken

Es lohnt sich also, sich zu bücken, sich zu strecken und um die Werke herumzugehen, um sie aus ­verschiedenen Perspektiven betrachten zu können. Hierfür empfiehlt sich auch ein Abstecher in den neuen Ausstellungsraum, der durch die Aufstockung des Haupthauses den Sommer über entstanden ist. Dieser bietet eine ganz neue Perspektive auf die Werke in der Eingangshalle.

Auch die Skulpturen von Thomas Röthel schaffen es, gleichzeitig dynamisch und statisch, hart und weich zu wirken. Teilweise erscheinen die Metallquader, trotz keinerlei Ähnlichkeit zu einem menschlichen Körper, in ihrer Haltung fast figürlich, lebendig, fühlend. Gleichzeitig fasziniert auch immer wieder die Statik der Skulpturen, werden doch oft grosse, massive Stahlblöcke von feinen Stäben in der Luft gehalten. Je mehr man sich in den Details von Röthels Arbeiten verliert, desto mehr vergisst man, dass es sich beim betrachteten Material um Stahl handelt, so weich, ja beinahe teigig wirken manche Strukturen.

Verletzlich und stark

Doch nicht nur innerhalb der Werke der einzelnen Künstler, sondern auch zwischen ihnen gibt es immer wieder Verbindungen. So hat auch Röthel in den letzten Jahren das Medium Papier für sich entdeckt und schafft nun durch die Bearbeitung von Büttenpapier mit Stahlstäben und -blöcken Bilder, die die Verletzlichkeit, aber auch die Stärke des Papiers offenbaren.

Auch bei Glajcar finden sich nebst dem zentralen Medium Papier und einigen anderen Materialien zwei Arbeiten, die auf einem Sockel aus Stahl stehen, der sehr stark an Röthels Skulpturen erinnert. So entsteht nicht nur innerhalb der Werkgruppen der einzelnen Künstler, sondern auch dazwischen die Synthese, von der der Ausstellungstitel spricht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.10.2017, 09:16 Uhr

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